23/07/2026
Abschied und Aufbruch: Bewegende Eindrücke vom Gottesdienst anlässlich der Entwidmung der Lutherkirche am 18. Juli 2026
Über 400 Menschen waren zum Gottesdienst gekommen, um sich von der Lutherkirche als Gottesdienstort zu verabschieden: kein leichter, aber ein bewusster Schritt im Zukunftsprozess, in dem sich die Gemeinde künftig auf drei (statt bisher fünf) kirchliche Zentren für die Menschen im jeweiligen Stadtteil konzentriert.
Die Texte und Gebete im Gottesdienst wurden gemeinsam gesprochen. Den eigentlichen Akt der Entwidmung vollzog die Gemeinde mit den Worten: "Wir sprechen es aus: Diese Kirche ist nun nicht mehr dem Gottesdienst gewidmet."
In diesem schweren Moment verwies der Vorsitzende des Presbyteriums Pfarrer Markus Herzberg darauf, worin Trost und Zuversicht gründen dürfen: Das Fundament, auf dem die Gemeinde steht, ist an kein Gebäude gebunden.
Der Südstadt- und der Lutherchor gaben mit ihren Beiträgen der Trauer und dem Abschied einen musikalischen Ausdruck – und ebenso dem Aufbruch und der Zuversicht, die diesen Tag trugen. Auch die Gemeindelieder, die Kantor Thomas Frerichs am Klavier begleitete, standen in diesem Spannungsbogen zwischen Loslassen und Weitergehen.
Wie Wandel in eine sich verändernde Zukunft aussehen kann, machte die Kunstinstallation "Jakobs Leitern" von Rochus Aust sichtbar. Gemeinsam mit Markus Hennes, Dorothee Schaper und Markus Aust zerkleinerte er mit Bohrern eine Bodenplatte der Lutherkirche; den in Papiertüten gefüllten Steinstaub konnten die Gottesdienstbesucher:innen mit nach Hause nehmen. Über der Aktion erhob sich ein Gerüst mit großen Holzleitern, die nach oben wiesen – ein Bild dafür, dass es weitergeht: neu, anders.
Ein emotionaler Moment war am Ende des Gottesdienstes, als die Prinzipalstücke und liturgischen Gegenstände abgenommen und eingepackt wurden. Die Kerzen wurden gelöscht, der Altar abgeräumt. Kreuz, Kerzen, Altarbibel, Taufschale, Osterkerze und weitere Gegenstände trug die Gemeinde symbolisch nach hinten, verpackte sie in einer Holzkiste. Auf dem nun leeren Altar lagen anschließend Bücher aus, in die jede und jeder Erinnerungen, Gebete und Gedanken eintragen konnte.
Gestaltet wurde der Gottesdienst von Miriam Haseleu, Markus Herzberg, Nicola Thomas-Landgrebe, Christoph Rollbühler, Mathias Bonhoeffer, Nicolai Voigtländer, Lynn Kristin Schroeter, Almute Löber, Angelika Stanitzek Friesen und Thomas Frerichs, außerdem den beiden Chören, den Künstler:innen sowie zahlreichen Mitgliedern des Presbyteriums der Evangelischen Gemeinde Köln.
Im Innenhof blieb nach dem Gottesdienst viel Zeit zusammenzubleiben, miteinander ins Gespräch zu kommen und Erinnerungen auszutauschen.
Die Gemeinde zieht ihr soziales und kulturelles Engagement in der Südstadt nicht zurück. Die Kartäuserkirche wird hier zum neuen Zentrum für kirchliche, soziale und kulturelle Angebote: Mit dem Familienzentrum sowie diakonischen Projekten wie Tafel und Flüchtlingscafé bündelt sie kirchliches, soziales und kulturelles Engagement an einem Ort. Sie stellt sich neu auf und setzt sich auch weiterhin engagiert im Veedel ein. An der Lutherkirche sollen künftig bezahlbare Wohnungen für Seniorinnen und Senioren sowie Räume für Demokratiearbeit entstehen.
Fotos: Niki Siegenbruck; herzlichen Dank für die einfühlsamen Aufnahmen!