28/05/2026
Tausendmal gehört – Gedanken zum Sonntag
Von Peter Otten
Es gibt Sätze in der Bibel, die haben es ähnlich schwer wie zu oft gehörte Popsongs. Man kennt sie so gut, dass man irgendwann nicht mehr richtig hinhört. „All you need is love. Und der Mensch bleibt Mensch." So Sachen. Auch die Bibel kennt das. Einer davon kommt am Sonntag: „Gott hat die Welt so sehr geliebt …“ Klingt wie tausendmal gehört. Und doch ist er ungeheuerlich.
Denn da steht nicht: Gott liebt die Guten. Oder die Erfolgreichen. Oder die, die innerlich immer geschniegelt daherkommen. Da steht: „die Welt“. Und die ist bekanntlich groß und bunt und voll mit Gedöns: Schönem und Kaputtem, Wertvollem und Überflüssigem, von freundlichen und anstrengenden Menschen, von Selbstsicheren und von denen, die morgens schon am Kaffee scheitern.
Das Christentum beginnt nicht mit einer Drohung, sondern mit einer Liebeserklärung. Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt geschickt, um zu richten oder Listen zu führen oder Strafzettel zu verteilen, sondern um zu retten. „Retten“ klingt altmodisch, nach Seenot oder Bergwacht. Aber im Kern versteht es jeder: Gerettet bist du, wenn dich jemand in die Arme nimmt.
Janine aus der Vorbereitungsgruppe erzählt am Sonntag eine Geschichte, die sie am Karfreitag besonders berührt hat. Menschen, die genau das erfahren: Ich darf da sein. Mit allem. Ich muss mich nicht erst reparieren, bevor ich zu Gott komme.
Das ist vielleicht das Zentrum des Christentums: Nicht „Werde perfekt“, sondern „Du bist gemeint“. Jetzt schon. Kinder verstehen das oft schneller als Erwachsene. Sie wissen noch, wie sich Liebe anfühlt – wenn jemand bleibt, wenn es darauf ankommt. Und so steht da im Johannesevangelium dieser Satz gegen die Logik der Welt: Gottes Liebe muss man sich nicht verdienen. Sie ist da.
Natürlich verschwindet damit nicht alles Schwere. Krankheit bleibt Krankheit. Aber es wächst ein Vertrauen: Niemand fällt aus dieser Liebe heraus. Sie ist größer als all das, was uns kaputtmacht. Mehr dazu am Sonntag um 10 Uhr in der Agneskirche. Kommt gerne vorbei.