24/05/2026
𝐏𝐟𝐢𝐧𝐠𝐬𝐭𝐞𝐧
An Weihnachten bringt das Christkind Geschenke, zu Ostern bringt der Hase bunte Eier. Und Pfingsten? – nichts, jedenfalls nichts Greifbares. Einen zusätzlichen freien Tag, immerhin. Pfingsten hat es schwer.
Worum geht es an Pfingsten? In der Apostelgeschichte wird vom Pfingstwunder berichtet: „ein plötzliches Brausen wie von einem gewaltigen Sturm erfüllte das ganze Haus. … und die Jünger wurden erfüllt vom Heiligen Geist und sie fingen an zu predigen in fremden Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.“
Dies wird oft als „Geburtstag der Kirche“ bezeichnet: die Jünger, die sich bis dahin ängstlich eingeschlossen hatten, fanden durch die Kraft des Heiligen Geist den Mut, in die Welt hinauszugehen und die frohe Botschaft zu verbreiten.
Der gregorianische Gesang „Veni Sancte Spiritus“ ist die Vorlage mehrerer deutschsprachiger Lieder. Wörtlich übersetzt lautet der ursprüngliche Text: „Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. Der du die Vielheit der Völker und Zungen zur Einheit des Glaubens vereinigt hast.“
Schon in vorreformatorischer Zeit entstand daraus die Liedstrophe „Komm, Heiliger Geist, Herre Gott“, die Martin Luther noch um zwei weitere Strophen ergänzte. Heute gilt es als typisches Pfingstlied, eingesetzt wurde es oft als Lied zur Eröffnung des Gottesdienstes. Andere Lieder in dieser Funktion sind „Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist“ und „Herr Jesu Christ, dich zu uns wend, dein‘ Heilgen Geist du zu uns send“. Alle diese Lieder bitten darum, dass der Geist 𝐤𝐨𝐦𝐦𝐞. Er wird also nicht als selbstverständlich vorausgesetzt. Zu groß waren und sind die schmerzlichen Erfahrungen, dass gepredigt wird, ohne den Geist Gottes verstanden zu haben. Die genannten Lieder fanden, ausgehend von der Reformation, in der evangelischen Kirche eine weite Verbreitung, teilweise sind sie aber auch in katholischen Gesangbüchern zu finden.
Pfingsten als ein Fest der Verständigung: zwischen Gott und den Menschen, zwischen den Konfessionen und zwischen den Menschen untereinander. Das sollte eigentlich immer gefeiert werden, nicht nur an einem verlängerten Wochenende.