02/10/2016
IKAN Indonesienmission der Redemptoristen
Jahrgang 59, September 2016- Heft 2, Seite 12-13
Der Verhinderte Misionar
P. Dr. Rudi Henseler
Wird man Redemptorist, um Kirchen-recht zu studieren? Sicher nicht, auch ich nicht. Mein Wunsch, Re-demptorist zu werden, wurde vor al-lem geprägt durch unser Gymna¬sium, das CoJoBo, vor allem durch P. Wilhelm Hengsberg, dann durch die 9 Jahre als Meßdiener im Bonner Agnes-Stift unter Leitung von P. Kon-rad Welzel und schließlich durch die beglückende Mitgliedschaft im Bund Neudeutschland bei P. Johannes Steinmetzler. Als ich ihm (meinem Beichtvater und „Seelenführer“) in der Unterprima eröffnete, dass ich mich mit dem Gedanken befasse, in die Kongregation des Allerheiligsten Erlösers (Redemptoristen) einzutre-ten, riet er mir zunächst nüchtern zu einem Tanzkurs als „Feuertaufe“. So geschah es und prompt verliebte ich mich.
Die Tanzpartnerin und ich „gingen“ etwa ein halbes Jahr miteinander, aber nicht wie heute (Sie wissen schon), sondern im damaligen bra¬ven Modus des „Händchenhal¬tens“. Zur damaligen Unter- und Oberprimazeit gab es über meinem Bett ein Bild, nein: nicht das meiner Tanzpartnerin, sondern das einer Ikanausgabe mit dem Titelbild des damals noch einzigen Redemptoris¬ten aus Indonesien, der in Hennef-Geistingen studierte: des mittlerweile schon verstorbenen P. Moses Beding im Ordenskleid. Da wollte ich hin, da wollte auch ich wirken: in der Mission auf Sumba.
Als 1972/1973 unser damaliger Stu-dentenpräfekt, P. Viktor Hahn (hoch dekorierter Ratzingerpromovend), aus dem Kreis unserer ehemals 33 Studenten drei Kandidaten suchte, die bereit wären, in die Indonesien-mission zu gehen, meldeten sich mein schon verstorbener Kurskollege P. Hans Kleideiter, den ich später häufig indonesische Vokabeln ab-fragte (ich erinnere mich noch an ikan, silahkan duduk, silahkan minum, babi kecil, babi besar, kampong, orang nakal, ahli), P. Wilfried Lienesch und ich.
Vor uns lag aber noch die Tropen-tauglichkeitsprüfung im Tropeninstitut in Hamburg; ich bat also meinen da-maligen Hennefer Hausarzt, mich zwecks einer Tropentauglichkeitsun-tersuchung dorthin zu überweisen. Der aber lachte nur und meinte, ich sei jetzt schon so krank und schwach, eine Mission auf einer in-donesischen Insel sei mein sicherer Tod. Als ich zu meinem damaligen Provinzial P. Aloys Christ kam und ihm das deprimierende Ergebnis schilderte, meinte der nur: Wir werden schon was anderes für dich finden. Etwa ein halbes Jahr später wurde ich für das Fach Kirchenrecht zum Studium in München bestimmt, während mein Vorgänger für dieses Fachstudium, P. Bernhard Zyzik, hoch gepriesen für sein pastorales Engagement während seines Kir-chenrechtstudiums in München, sein Doktoratsstudium nach dem erwor-benen Lizentiat abbrach und als Mis-sionar nach Sumba ging. Das war also die große Rochade zwischen Mission und Kirchenrecht in der da-maligen Kölner Provinz.
Nie habe ich mich ganz von der In-donesienmission verabschiedet. Zu-nächst machte ich die Amateurfunkli-zenz in allen 3 Klassen, um mit P. Wilfried Lienesch und P. Josef Schmidt, die bereits vor mir diese Lizenz erworben hatten, zwischen Deutschland und Sumba kommuni-zieren zu können (mit dem Telefon war das damals noch so eine Ge-schichte).
Für mich war diese Amateurfunkprü-fung, das Theoretische genauso wie die Morseprüfung bei der Oberpostdirektion Köln, rückblickend schwieriger und aufregender als das ganze Abitur, aber ich bestand sie, nebenbei gesagt mit 99 von 100 Punkten, und wurde von dem Prüfer nachher mit „Herr Diplomingenieur“ angeredet, einfach unvergeßlich für ein absolut technisches Fossil wie mich; aber mein Freund und Mitbruder P. Josef Schmidt hatte mich vorher ein Jahr lang intensiv und mit viel Geduld auf diese Prüfung vorbereitet und dafür hatten wir sogar einen ganzen gemeinsamen Urlaub geopfert.
Dann war ich ca. 12 Jahre im Missi-onsausschuß der Kölner Provinz. Ei-nige Jahre war ich auch als Vorgän-ger der Patres Karlheinz May, P. Cy-rillus Binsasi und P. Jack Umbu Warata als Ikan-Redakteur tätig.
Und immer war und ist mein Zimmer geschmückt mit einem schönen Sumba-Kain.
Nur einen Besuch in Sumba, den gab es nie. Da war zum einen die War-nung meines damaligen Arztes; dann kam eine Hepatitis hinzu, die ich mir in Afrika zuzog, als ich meinen aus-gewanderten und leider dort sehr früh verstorbenen Bruder Christian 1988 besuchte. So bleibt Sumba, ohne es je gesehen zu haben, ein Ort der Sehnsucht.
Aber das Leben hat mir ein Trost-pflaster mit auf den Weg gegeben: das wunderbare Fach Kirchenrecht. Und die Früchte der Sumbamission sind hier in Bonn zu sehen: die Patres Francis, Jack, Ino und Cyrill, die uns eine wertvolle Hilfe sind. Wie man hört, sollen es nicht die letzten Indonesier sein, die uns mit unserer schwindenden Zahl und dem fehlen-den deutschen Nachwuchs unter die Arme greifen.
P. Dr. iur.can. Rudolf Henseler (verhinderter Missionar, heute Prof. für Kirchenrecht und im nächsten Jahr Emeritus)