14/06/2026
Die Zeichen der Passion in einem Herzen voll Liebe:
Goethe schrieb: «Wir sollten weniger reden und mehr zeichnen. Ich persönlich möchte ganz auf das Wort verzichten und alles, was ich zu sagen habe, durch Zeichnen mitteilen.» Das Zeichnen und die Mystik haben etwas gemeinsam: Der Bleistift markiert das Blatt und lässt Bilder entstehen; der Mystiker lebt von Bildern, die dann zu konkreten Zeichen im eigenen Leben werden.
So war es bei der heiligen Gemma Galgani. Die Zeichen der Passion haben sich – mit unerhörter Wucht – in ihre Haut eingeprägt. Ihr Leib, die große Leinwand, auf die der Herr das Rot der Blutstropfen prägen wollte, die aus der Dornenkrone hervorquollen, dem Sinnbild der Königswürde Christi.
Auf dem Gewebe des kontemplativen Lebens der Heiligen finden wir – wie festgenagelt – Ereignisse, Visionen, Zwiegespräche mit Engeln, Heiligen und sogar mit Jesus und Maria. In ihrem Tagebuch steht unter dem 19. Juli 1900 geschrieben: «Wie soll man es machen, Jesus leiden zu sehen und ihm nicht zu helfen? Ich fühlte mich da ganz von einem großen Verlangen zu leiden erfüllt und bat Jesus, mir diese Gnade zu gewähren. Er erfüllte mir sogleich die Bitte und tat, wie er es schon andere Male getan hatte. Er näherte sich mir, nahm von seinem Haupt die Dornenkrone und legte sie auf das meine.» Diese Worte, voll heiliger Annahme des Leidens und dicht an der Passion – und Passion bedeutet vor allem Liebe – für den gekreuzigten Christus, wirken geradezu skandalös in einer Epoche, in der das moderne Denken vorherrschte: Die elektrische Energie begann die Häuser zu erleuchten, und die medizinische Wissenschaft machte enorme Fortschritte, die Glück, Sicherheit und Gesundheit für alle hervorbrachten. Doch es handelte sich um eine Gesellschaft, die – vor allem – Gott vergessen hatte. Und der Herr bedeutet im Grunde Liebe. Die Gleichung ist einfach, und man braucht keine Wissenschaftler, um sie zu verstehen.
Gemma ist eine Stimme abseits des Chors, denn sie spricht mit dem Herzen. Die Visionen und die Lehren der Heiligen ließen sich nämlich schlicht in einem ihrer Sätze zusammenfassen: «Das Leiden lehrt das Lieben.» Und sie hat vor allem mit dem Herzen geliebt. Mit einem Herzen, das – nach der zweiten Rekognition des Leichnams im Oktober 1909 – in einem leuchtenden Rot vorgefunden wurde, voll Blut, als wäre es lebendig. Wieder einmal war der Name der Heiligen mit außerordentlichen Tatsachen verbunden, für die die Wissenschaft keine Erklärung zu liefern vermochte. Und wenn der Physiker Albert Einstein erklärte, die schönste und tiefste Empfindung, die wir erfahren können, sei der Sinn für das Geheimnis, weil allein darin «der Keim aller wahren Wissenschaft» liege, so können wir die von Gemma Galgani gelebte Passion als einen vorzüglichen wissenschaftlichen Beweis ihrer Heiligkeit betrachten.
von Antonio Tarallo - Quelle:
Scriveva Goethe: «Dovremmo parlare di meno e disegnare di più. Personalmente io vorrei rinunciare del tutto alla parola e comunicare ...