18/04/2026
Altes Eisen, alter Hut … Gedanken zum Wochenende
Ein atonales Gedicht, ein bisschen aus der Zeit gefallen – und doch aktuell :
Altes Eisen, alter Hut, alte Liebe:
Alles darf neu werden.
Frischer Wind tut gut.
Ich freue mich darauf – und habe auch Angst.
Viel hat sich angesammelt: Dinge, Geschichten, Erinnerungen.
Schubladen voll, Schränke voll, Köpfe voll, Handy voll.
Manches scheint klarer, manches verklärt.
Was bleibt? Was kann gehen? Was kommt?
Wir sortieren – äußerlich und innerlich.
Trennen, was wir nicht mehr brauchen, und halten fest, was trägt.
Doch wohin mit all dem, was uns begegnet?
Denn wer weiß, was noch kommt und wir brauchen?
Das wird schon werden, das wird schon gehen, das wird alles gut,
sagen die Leute aus Verlegenheit, Verzweiflung und Pflichtgefühl.
Und Gott?
Gott sagt: Ich mach mal was Neues.
Die Konfirmation erinnert genau daran:
an einen Moment des Übergangs, des bewussten Ja-Sagens.
Ein Schritt ins Eigene.
Mit leichtem Gepäck und offenem Herzen.
Und Gott? Sagt: Ich mache alles neu.
Neuer Himmel, neue Erde.
Und es ist gut.
Und ich sage ja, zu dir, wie du bist.
Vielleicht heißt das für uns:
Vertrauen wagen und Loslassen üben.
Nicht alles sichern, sondern weitergehen.
Mit Gott an der Seite.
Altes darf neu werden.
Ich übe das Gehen nach vorn und manchmal stolpere ich.
Dann aufstehen, Krönchen graderücken, weiterlaufen, Gott vertrauen.
Ich freue mich darauf.
Gott, wie gern möchte ich ankommen, zur Ruhe und zu mir kommen und nicht mehr weitermüssen. Im Toben der Tage, im Lärm des Lebens, im Wirren der Wege, zwischen Orten und Worten, Menschen und Möglichkeiten, Vergangenem und Vergänglichem, möchte ich ankommen, schließlich und endlich, ganz und gar. Ruhelos, haltlos, sinnlos sind mir Herz und Seele, bis sie sein können bei dir, in dir, durch dich. Amen.
Axel Gehrmann, Ev. Pfarrer, Bocholt