06/05/2026
Bildung eröffnet neue Chancen Mut, Ausdauer und Träume können eine Gemeinschaft verändern
Erna Ferhatović, eine junge Romni aus der Roma-Gemeinschaft in Kiseljak/Bosnien, schloss vergangenes Jahr erfolgreich ihre Ausbildung ab, zur Friseurin an einer Fachschule. Dass sie dies geschafft hat, ist alles andere als selbstverständlich! Die Hindernisse schienen an manchen Tagen fast unüberwindbar.
Erna ist das jüngste Kind aus einer fünfköpfigen Familie. Ihre großen Geschwister zogen früh aus und Erna wuchs im Grunde alleine bei ihren Eltern auf. Ihr Vater verlor im Krieg ein Bein und ist im vergangenen Jahr an einem Herzinfarkt verstorben. Erna versorgt heute sich und ihre Mutter alleine. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in einer christlichen Pfadfinderarbeit. Sie besuchte Workshops und ein Stipendienprogramm für Roma-Kinder in ihrem Dorf. Von der ersten Klasse an fiel auf, wie gerne und fleißig Erna lernte. Als sie nach der Schule eine Ausbildung zur Friseurin machen wollte, war ihr Vater dagegen. Er meinte, sie würde ohnehin heiraten und die Schule abbrechen. Erna kam oft weinend zu uns. Sie sagte, sie wolle weder früh heiraten, noch zeitlebens von ihrem Mann abhängig sein. Sie wolle eine Ausbildung abschließen und von ihrer eigenen Arbeit leben.
Nach Gesprächen mit ihren Eltern, willigte ihr Vater schließlich ein, dass Erna eine Ausbildung machen durfte. Trotzdem sie sogar Auszeichnungen gewann, lehnten es viele Besitzerinnen der Haarsalons ab, Erna einzustellen, da sie eine Romni ist. Sie befürchteten, deshalb ihre Kunden zu verlieren. Manche lehnten sie ab, weil sie schlechte Zähne hatte, die nicht schön aussahen.
Schließlich gab es ein Salon, der Erna eine Chance gab. Dank hilfsbereiter Menschen konnte sie auch ihre Zähne in Ordnung bringen lassen. Inzwischen hat Erna ihre Ausbildung als eine der besten Schülerinnen ihres Jahrgangs abgeschlossen. Es ist ihr großer Wunsch, eines Tages einen eigenen Friseursalon zu eröffnen. Dann möchte sie, Kindern aus schwierigen sozialen Verhältnissen, sowie Menschen mit Behinderungen, kostenlos die Haare schneiden.
Ernas Geschichte zeigt, wie groß die Vorurteile gegenüber Roma immer noch sind. Aber auch wie sehr Unterstützung im richtigen Moment ein Leben verändern kann. Sie ist der Beweis dafür, dass Mädchen aus der Roma-Gemeinschaft Talent und Potenzial haben – und dass sie eine Chance verdienen, ihre Träume zu verwirklichen.
Unterstützung für Auszubildende gesucht
Um Menschen unabhängig von unserer Hilfe zu machen und sie in ihrer Selbstwirksamkeit und Unabhängigkeit zu fördern, möchten wir Menschen darin unterstützen eine Ausbildung zu machen. In Armenien beispielsweise müssen Auszubildende für ihre Ausbildung bezahlen. Möchte eine junge Frau beispielsweise Friseurin werden, muss sie der Besitzerin des Haarsalons monatlich einen Beitrag bezahlen. Sie bekommt keine Ausbildungsvergütung, wie das in Deutschland üblich ist. Die Lehre in Armenien dauert meist nur ein paar Monate – aber sie ist doch wichtig, dass jemand eine dauerhafte Anstellung findet.
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1113 Ohne Schuhe keine Schule