Liberale Rabbinervereinigung

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18/07/2025

Klarstellung der Liberalen Rabbinervereinigung zum Interview von Dr. Josef Schuster in der FAZ.NET - Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17. Juli 2025

Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 17. Juli 2025 äußert Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, laut Darstellung der Journalistin Heike Schmoll: „Unter dem Dach des Zentralrats gibt es neben der orthodoxen auch die liberale Rabbinerkonferenz.“

Um mögliche Missverständnisse auszuräumen, möchten wir hierzu Folgendes klarstellen:

Unter dem Dach des Zentralrats der Juden in Deutschland existieren zwei Rabbinerkonferenzen: die Orthodoxe Rabbinerkonferenz (ORD) sowie die Allgemeine Rabbinerkonferenz (ARK). Eine „liberale Rabbinerkonferenz“ unter dem Dach des Zentralrats gibt es nicht.

Die Liberale Rabbinervereinigung (LR) ist der eigenständige Zusammenschluss der liberalen Rabbinerinnen und Rabbiner. Sie ist institutionell und finanziell unabhängig vom Zentralrat der Juden. Die LR ist eng verbunden mit den Strukturen des liberalen Judentums in Deutschland, insbesondere mit der Union progressiver Juden in Deutschland K.d.ö.R. (UpJ), sowie international mit der European Union for Progressive Judaism (EUPJ) und der World Union for Progressive Judaism (WUPJ).

Die Allgemeine Rabbinerkonferenz (ARK), die unter dem Dach des Zentralrats besteht, vertritt gemäß ihrer Satzung keine bestimmte religiöse Strömung innerhalb des Judentums. Ihr gehören Rabbinerinnen und Rabbiner verschiedener Richtungen an: liberale, konservative (massorti), rekonstruktivistische, sowie Kolleginnen und Kollegen, die sich keiner bestimmten Bewegung zuordnen. Der derzeitige Vorstand der ARK spiegelt diese Pluralität wider.

Wir gehen davon aus, dass Dr. Schuster diese Struktur selbstverständlich bekannt ist. Umso wichtiger erscheint uns die präzise Unterscheidung: die Behauptung, es gäbe eine „liberale Rabbinerkonferenz“ unter dem Dach des Zentralrats, ist nicht korrekt. Dies ist nicht nur eine Frage der Genauigkeit, sondern betrifft auch die Frage des jeweiligen Vertretungsanspruchs.

Zudem hat Dr. Schuster im genannten Interview betont: „Der Zentralrat ist auch das Dach der jüdischen Gemeinden und vertritt alle Denominationen. Er ist die gesellschaftliche, politische und religiöse Vertretung des deutschen Judentums.“ Hierzu sei der Vollständigkeit halber angemerkt: der Zentralrat kann als eine (nicht die) jüdische Vertretung in Deutschland fungieren. Aktuell sind etwa 90.000 Jüdinnen und Juden in den Mitgliedsgemeinden des Zentralrats organisiert. In Deutschland leben jedoch insgesamt rund 250.000 Jüdinnen und Juden.

Das Judentum ist pluralistisch und dezentral organisiert. Es existiert keine zentrale Autorität nach dem Vorbild der römisch-katholischen Kirche. Diese Vielfalt spiegelt sich sowohl in den Gemeinden als auch in den rabbinischen Organisationen wider.

Die Liberale Rabbinervereinigung steht für die theologische und organisatorische Unabhängigkeit des liberalen Judentums in Deutschland.

Stellungnahme der Liberalen Rabbinervereinigung zum 30. Jahrestag des Genozids von Srebrenica
11/07/2025

Stellungnahme der Liberalen Rabbinervereinigung zum 30. Jahrestag des Genozids von Srebrenica



Am 11. Juli 2025 jährt sich das Massaker von Srebrenica zum dreißigsten Mal. Über 8.000 bosniakische Jungen und Männer wurden im Juli 1995 in und um die UN-Schutzzone Srebrenica ermordet. Dieses Verbrechen gilt heute als Genozid, begangen mitten in Europa, nur wenige Jahrzehnte nach dem Ende des...

Deutsche Geiseln im GazastreifenEnttäuschung bei Familien - und Hoffnung auf MerzUnter den noch immer im Gazastreifen fe...
07/07/2025

Deutsche Geiseln im Gazastreifen
Enttäuschung bei Familien - und Hoffnung auf Merz

Unter den noch immer im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln sind auch deutsche Bürger. Ihre Familien fühlen sich von der Bundesregierung im Stich gelassen und fordern, dass sich Kanzler Merz nun stärker für sie einsetzt.

Unter den noch immer im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln sind auch deutsche Bürger. Ihre Familien fühlen sich von der Bundesregierung im Stich gelassen und fordern, dass sich Kanzler Merz nun stärker für sie einsetzt. Von J. Segador.

07/07/2025

Aufruf zur Bundestagswahl 2025 – Ihre Stimme zählt!

Am 23. Februar 2025 findet die Bundestagswahl statt – eine Wahl, die über die Zukunft unserer Demokratie und unseres gesellschaftlichen Miteinanders entscheidet.

Als Liberale Rabbinervereinigung rufen wir Sie dazu auf, von Ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen und für eine Gesellschaft einzutreten, die auf Toleranz, Respekt und Gerechtigkeit gründet.

Mehr: https://rabbis.de/aussendung-der-lr-zur-bundesratswahl-2025/

07/07/2025

Warum verkleiden wir uns am Purim?

Wenn Sie in der Synagoge ein Pirat oder eine Hexe begrüßt und in dem Kostüm ein Vorstandsmitglied oder sogar Ihr Rabbiner bzw. Ihre Rabbinerin steckt, wenn Sie unter den tanzenden und ein bisschen berauschten Menschen in der Gemeinde wegen ihrer fantasievollen Schminke oder einer bunten Maske kaum Ihre Bekannten erkennen, wenn Sie statt der Kinder eine Horde existierender und schon ausgestorbener Tierarten sehen, kann das nur eins bedeuten: das Purim-Fest ist da!

Mehr: https://rabbis.de/warum-verkleiden-wir-uns-am-purim/

07/07/2025

Leitfaden zu Pessach 5785/2025

Die Einzigartigkeit von Pessach liegt in dem in der Tora zum Ausdruck gebrachten Gedanken, dass die jüdische Geschichte auch eine zeitlose Gegenwart ist. Pessach ist nicht einfach ein Gedenken an ein wichtiges Ereignis in unserer (mythischen) Vergangenheit, sondern ein Ereignis, an dem wir teilgenommen haben und an dem wir weiterhin teilnehmen. Wir sollen die Sklaverei und die Befreiung, die sich an jedem Tag unseres Lebens ereignen, neu erleben. Es ist unsere eigene Geschichte, nicht nur eine alte Erzählung, die wir an Pessach wiedergeben.

Um diese Erfahrung wieder zu erleben, sind wir aufgerufen, die Geschichte des Exodus zu erzählen. So heißt es in der Tora: „Gedenkt dieses Tages, an dem ihr aus Ägypten, aus einem Sklavenhaus, ausgezogen seid, denn der Ewige hat euch von dort herausgeführt mit starker Hand“. (Exodus 13,3). Im Mittelpunkt dieses Erinnerns steht der Seder, bei dem wir in Familien, Gruppen oder Gemeinden zusammenkommen, um dieses rituelle Mahl zu feiern. Aber vergessen wir nicht: Pessach ist ein Erlebnis für eine ganze Woche, nicht nur für einen Abend.

Die Liberale Rabbinervereinigung bietet mit diesem Leitfaden eine Empfehlung zum Begehen des Pessach-Festes sowohl für den Einzelnen als auch für Gemeinden.

Den Leitfaden können Sie hier herunterladen: https://rabbis.de/leitfaden-zu-pessach-5785-2025/

07/07/2025

An einem heißen Sommertag suchte ein alter Mann nach Abkühlung und ging in einen Keller hinab. Im Moment des Hinabsteigens sah er nichts – alles war in Dunkelheit gehüllt. Eine Stimme rief ihm aus der Tiefe zu:
„Hab keine Angst! Wenn sich deine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, wirst du sogar Schwarz als hell empfinden.“ Der alte Mann zögerte, dann antwortete er: „Genau das befürchte ich.“ Und kehrte um. Die Gefahr besteht nicht nur in der Dunkelheit selbst, sondern darin, dass wir uns an sie gewöhnen – bis sie uns wie Licht erscheint.

An Pessach feiern wir den Auszug aus Ägypten – auf Hebräisch Mizrajim, was wortwörtlich „Ort der Enge, Bedrängnis“ bedeutet. Unser Volk trat in jener Nacht aus der Rolle der Versklavten heraus, brach alte Fesseln und wurde zu einem freien Volk. Pessach ist der Moment, in dem Ketten gesprengt wurden – der Beginn von Freiheit und Verantwortung.

https://rabbis.de/aus-der-finsternis-ins-licht-aus-der-bedrangnis-zur-freiheit/

07/07/2025

Am Sonntagabend, dem 1. Juni 2025, beginnt Schawuot – das Fest, an dem wir den Empfang der Tora feiern. Der Sinai-Moment wird in der Tora mit gewaltiger Intensität beschrieben: Donner, Blitze, bebende Erde. Das Volk steht am Fuß des Berges (Ex 19,17), bereit, etwas Unfassbares zu empfangen.

Doch eine rabbinische Lesart bringt eine überraschende Wendung: „am Fuß des Berges“ lässt sich auch lesen als „unter dem Berg“. Der Midrasch (Mechilta de-Rabbi Jischmael) erzählt, der Berg habe über dem Volk geschwebt wie ein umgestülptes Gefäß. Das klingt beunruhigend. Aber es ist mehrdeutig. Der schwebende Berg kann auch als Schutz gedeutet werden, als Zelt, als Chuppa, der Baldachin einer symbolischen Hochzeit zwischen Gott und Israel.

https://rabbis.de/schawuot/

07/07/2025

Rabbi Adrian M. Schell: Zwischen Schweigen und Sprache

Es gibt Momente, in denen Worte zu schwach erscheinen für die Last, die sie tragen sollen. Wir erleben gerade einen solchen Moment.

Seit dem 7. Oktober kehren viele von uns immer wieder in die Stille zurück – nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil die Trauer zu vielschichtig ist, die Verantwortung zu komplex und die lauten Stimmen um uns herum kaum Klarheit zulassen. Wir stehen kollektiv zwischen dem erschütternden Trauma des brutalen Hamas-Angriffs, dem unerträglichen Schicksal der noch immer unter der Erde gefangenen Geiseln und den verlorenen Leben in Gaza – unschuldigen Leben, Zivilisten, Menschen, geschaffen nach dem Ebenbild Gottes.

Wie können wir als liberale Rabbinerinnen und Rabbiner in einem solchen Moment unsere Stimme finden?

https://rabbis.de/dvar-torah-zwischen-schweigen-und-sprache/

Die Responsa-Kommission der Liberalen Rabbinervereinigung veröffentlicht ein neues Responsum zur Frage des jüdischen Sta...
07/07/2025

Die Responsa-Kommission der Liberalen Rabbinervereinigung veröffentlicht ein neues Responsum zur Frage des jüdischen Status bei patrilinearer Abstammung. Die Stellungnahme beleuchtet historische, halachische und gesellschaftliche Aspekte und schlägt konkrete Regelungen für die Anerkennung von Kindern jüdischer Väter vor. Ziel ist es, mehr Gerechtigkeit und Ehrlichkeit innerhalb des liberalen Judentums zu ermöglichen.

Zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung am 1.7.2025 ist dieses Responsum noch nicht die offizielle Position der Liberalen Rabbinervereinigung.

Die Responsa-Kommission der Liberalen Rabbinervereinigung veröffentlicht ein neues Responsum zur Frage des jüdischen Status bei patrilinearer Abstammung. Die Stellungnahme beleuchtet historische, halachische und gesellschaftliche Aspekte und schlägt konkrete Regelungen für die Anerkennung von Ki...

Stellungnahme der Liberalen Rabbinervereinigung zum SchwangerschaftsabbruchAus liberal-jüdischer Perspektive betrachten ...
10/12/2024

Stellungnahme der Liberalen Rabbinervereinigung zum Schwangerschaftsabbruch

Aus liberal-jüdischer Perspektive betrachten wir die Frage des Schwangerschaftsabbruchs als eine äußerst komplexe und persönliche Angelegenheit, die sowohl ethische als auch religiöse Aspekte berührt. Der liberale jüdische Ansatz betont dabei die moralische Verantwortung der Schwangeren und die Notwendigkeit, ihre Entscheidungsfreiheit zu respektieren. Vor diesem Hintergrund unterstützen wir die Empfehlungen im Bericht der Sachverständigenkommission zur Reform der gesetzlichen Regulierung des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland.

Jüdische Perspektive auf Schwangerschaftsabbruch

Im Judentum wird das Leben hochgeschätzt, doch es gibt keine absolute Priorisierung des ungeborenen Lebens gegenüber dem Leben und Wohlergehen der schwangeren Person. In der Halacha (jüdischen religiösen Rechtslehre) gilt der Fötus bis zur Geburt nicht als eigenständige Person. Das bedeutet, dass das Leben und die Gesundheit der Schwangeren Vorrang haben. Schwangerschaftsabbrüche können daher aus jüdischer Sicht gerechtfertigt sein, insbesondere wenn die physische oder psychische Gesundheit der Schwangeren gefährdet ist.

Liberale Position: Selbstbestimmung und Verantwortung

Die liberale jüdische Tradition betont die Autonomie des Individuums und die moralische Verantwortung, Entscheidungen in Übereinstimmung mit den eigenen Überzeugungen und Lebensumständen zu treffen. Ein Schwangerschaftsabbruch ist niemals eine leichte Entscheidung, aber es ist essenziell, dass diese Entscheidung in Freiheit und ohne unnötige gesetzliche Hürden getroffen werden kann. Der Zugang zu medizinischer Versorgung und Beratung muss gewährleistet sein, ohne dass Betroffene stigmatisiert oder kriminalisiert werden.

Unterstützung der Empfehlungen der Sachverständigenkommission

Die Empfehlungen der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin vom 15.4.2024 für eine Reform der gesetzlichen Regulierung des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland markieren einen wichtigen Schritt hin zu einer liberaleren und gerechteren Regelung. Insbesondere begrüßen wir:

1. Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs: Die bisherige Strafandrohung (§ 218 StGB) wirkt stigmatisierend und setzt Frauen sowie Ärztinnen und Ärzte unnötigem Druck aus. Eine Entkriminalisierung stärkt die Selbstbestimmung und schafft ein Klima des Respekts.

2. Verbesserung des Zugangs zu Beratungs- und Versorgungsangeboten: Eine Beratung sollte zwar verpflichtend bleiben, muss aber unverzüglich, ergebnisoffen sowie unter Wahrung der Würde der Schwangeren und ohne Bevormundung gewährleistet werden.

3. Förderung einer flächendeckenden medizinischen Versorgung: Es ist unerlässlich, dass Schwangerschaftsabbrüche als Teil der regulären medizinischen Versorgung anerkannt und überall zugänglich sind.

Ethik und Gesellschaft: Eine pluralistische Haltung fördern

Die Reform des Schwangerschaftsabbruchsrechts ist nicht nur eine rechtliche, sondern auch eine gesellschaftliche Herausforderung. In einer pluralistischen Gesellschaft muss Raum für unterschiedliche religiöse und weltanschauliche Perspektiven geschaffen werden. Das liberale Judentum sieht in der Reform eine Möglichkeit, Verantwortung und Mitgefühl in den Vordergrund zu stellen und die Würde jedes Menschen zu wahren.

Wir fordern die Politik auf, die Empfehlungen der Sachverständigenkommission umzusetzen und den Zugang zu sicheren, legalen und ethisch verantwortungsvollen Schwangerschaftsabbrüchen zu gewährleisten. Gleichzeitig appellieren wir an die Gesellschaft, mit Empathie und Respekt mit diesem sensiblen Thema umzugehen.

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