GayChurch Berlin

GayChurch Berlin Wir feiern Gottesdienste und wollen die Bibel dabei in ihrer befreienden Botschaft für alle Qu**rs in der Welt verstehen lernen. Berlin, 15. Xenia Brühl .

Es sind alle Menschen, die Sehnsucht nach Gemeinschaft haben, ganz herzlich eingeladen. Geschichte,
theologisches Selbstverständnis
und Ordnung
der GayChurch Berlin


Theologische Grundgedanken

Die GayChurch Berlin ist gegenwärtig eine kleine, wachsende Gottesdienstgemeinschaft von Lesben, Schwulen und Transidentischen Menschen. Gemeinsam feiern wir regelmäßig Gottesdienst und wollen die Bibel

dabei als befreiende Botschaft für alle LGBTIQ+ in der Welt entdecken: Jesus ist nicht gekommen um diejenigen zu berufen, die in der Gesellschaft bestätigt werden, sondern diejenigen, die in ihr ausgegrenzt werden. Wir glauben, dass das Evangelium in einzigartiger Weise homosexuellen, transidentischen, allen queeren Menschen Verheißung sein will gerade wegen ihrer Verfolgungsgeschichte in 2000 Jahren Christentum. Gott hat sich in Jesus Christus als ein lebendiges Wesen zu erkennen gegeben, das sich selbst mit queeren Menschen identifizieren will. Diese Botschaft spricht nicht gegen, sondern für die homosexuelle Lust und Liebe, für einen kritischen Umgang mit verabsolutierenden Geschlechterrollen. Die christliche Heilsgewissheit weiß uns alle schon hier und jetzt weder als Mann noch Frau, sondern als Gottes Kinder in Christus Jesus durch den Glauben. Das Evangelium selber ist die Kraft, die die gesellschaftlichen Wurzeln von Homophobie und Transphobie offenlegen wird, eine Kraft, homosexuelle und transidentische Menschen mit sich selbst und mit Gott zu versöhnen. Wurzeln homosexueller Emanzipation in der Evangelischen Kirche in der DDR

Die Arbeit der GayChurch Berlin steht in der Tradition der unabhängigen Lesben- und Schwulenbewegung in der DDR, die dort in den 1980er Jahren in der Evangelischen Kirche entstanden war. 1982/83 sind Homosexuelle selber gegen eine antihomosexuelle Gesellschaftspolitik der kommunistischen Partei (SED) und der Regierung der DDR aufgestanden. Einzelne Gemeinden haben damals den Mut gehabt, daran zu glauben, dass Kirche ein Ort für Lesben und Schwule sein muss. In den dort entstandenen Homosexuellen-Arbeitskreisen wurden herrschende heteronormative Gesellschaftsstrukturen hinterfragt. So konnten Lesben und Schwule ihre Sexualität und ihr Anderssein nicht als „Mangel“, sondern als Gabe erleben und ihre Diskriminierung als ein zentrales Politikum verstehen. Es entstand eine DDR-weit vernetzte Widerstandsbewegung von homosexuellen Menschen gegen autoritär-heteronormative Strukturen in der DDR-Gesellschaft. Die unabhängige Lesben- und Schwulenbewegung in der DDR hat durch ihre Verortung in der Evangelischen Kirche auch die Kirche selber bewegt und theologische „Wahrheiten“ hinterfragt. Diese Bewegung stand im engen Zusammenhang mit der Friedens- und Menschenrechtsbewegung in der DDR. Die Kirche ist durch diese alternativen Bewegungen und Gruppen entgegen ihrer zahlenmäßig geringen Mitgliederstärke zu dem Raum geworden, in dem die zentralen gesellschaftspolitischen Fragen diskutiert und offen ausgesprochen werden konnten. Nicht die Parteien oder andere öffentliche Organisationen waren dieser Ort in der DDR, sondern die Kirche. Aus unserer Perspektive heute verstehen wir die Lesben- und Schwulenbewegung unter dem Dach der Kirche in der DDR immer deutlicher als eine evangelische Bewegung gegen Unfreiheit und Diskriminierung. In ihr wurden Fragen einer alternativen Lebensformenpolitik entwickelt und formuliert, die vorwegnahmen, was vielen erst heute relevant erscheint. Durch die Homosexuellen-Arbeitskreise innerhalb der Evangelischen Kirche entstand eine in der DDR nie zuvor dagewesene Perspektive auf Gesellschaft. 35 Jahre nach dem Ende der DDR ist diese Bewegung im Osten nahezu vollkommen vergessen worden. Mit ihr wurde auch ein wichtiger Teil evangelischen Glaubens und Wirkens auf die gesellschaftlichen Verhältnisse vergessen. Die Initiatoren der GayChurch Berlin kommen selber aus der DDR und sind in ihrer Sozialisation und in ihrem Coming out durch Aktivisten dieser Bewegung geprägt. Die GayChurch Berlin knüpft an diese Bewegung an. Die „Regenbogenmadonna“ und die Entstehung der GayChurch Berlin als Hausgottesdienstgemeinde

2019 ist die GayChurch Berlin erstmals öffentlich auf dem Berliner CSD aufgetreten. Die Aktion von LGBTIQ+ in Polen, die Schwarze Madonna von Tschenstochau neu zu interpretieren und mit einem Regenbogen-Heiligenschein darzustellen, hat uns beeindruckt. Die Reaktion des Krakauer Erzbischofs Jędraszewski, seine Aussagen über LGBTIQ+ als „Ideologie“ und „Regenbogenpest“, die brutale und offene Gewalt auf den Straßen gegen LGBTiQ+ und der von der Staatsanwaltschaft geführte Strafprozess gegen Elżbieta Podleśna und zwei andere Aktivistinnen waren für uns der Grund, die „Regenbogen-Madonna“ als Symbol der Solidarität der GayChurch Berlin öffentlich zu zeigen. Mit unserer Prozessionsfahne der Regenbogen-Madonna haben wir nun bereits auf diversen öffentlichen Veranstaltungen und Prides auf die Verfolgung, aber insbesondere auch auf den Mut unserer Geschwister in Polen und der ganzen Welt aufmerksam gemacht. Die Regenbogen-Madonna ist so zum Zeichen der GayChurch Berlin geworden. Ende 2018 hatte Wolfgang Beyer erstmals begonnen, wöchentlich zu Hausgottesdiensten einzuladen. Seit Oktober 2021 hat die GayChurch die Möglichkeit erhalten als Gast in der Auferstehungskirche in Berlin-Friedrichshain und in Berlin-Schöneberg in der Zwölf-Apostel-Kirchgemeinde öffentlich Gottesdienst zu feiern. Selbstbestimmung und Selbstorganisation der GayChurch Berlin

LGBTIQ+ erleben komplexe Formen von Diskriminierung und Ausgrenzung. Antihomosexualität und Transfeindlichkeit sind tief verwurzelt in den gesellschaftlichen, kirchlichen und familiären Strukturen, aber auch in queeren Menschen selbst. Sich aus Homophobie und Angst vor einer kritischen Reflexion der eigenen Geschlechtlichkeit zu befreien, ist ein lebenslanger Prozess. Die Folgen dieser strukturellen Gewalt wirken sich in mannigfaltiger Weise aus. Ganz wesentlich gehört zu ihnen, dass queere Menschen auf dem Weg der Ausbildung und Qualifikation für ihre berufliche Zukunft ungleich schwerer mit den herrschenden gesellschaftlichen und kirchlichen Verhältnissen zu kämpfen haben und oftmals selbst aufgeben oder resignieren. Dies gilt in besonderer Weise für kirchliche Ausbildungen. Daher versteht sich die GayChurch Berlin als Schutzraum und als Ort queerer Selbstbestimmung und Selbstorganisation. LGBTiQ+ sind berufen, ihre Situation theologisch zu reflektieren und selbstbestimmt Aussagen über sich und ihr Verhältnis zu Gott zu machen. Die kirchlichen Ordnungen sämtlicher christlicher Konfessionen haben seit Jahrhunderten die Verfolgung, Tötung und Ausgrenzung von LGBTIQ+ ganz wesentlich theologisch und kulturell bestimmt und zu verantworten. Insbesondere innere Abwendung von Kirche oder Scham für die eigenen Empfindungen und Gefühle sind bis heute wirksame Folgen bei nahezu allen LGBTIQ+ in christlichen Kulturen, darüber hinaus aber auch für die Gesamtgesellschaft als solche. Diese Folgen lassen sich nicht ohne weiteres durch Beschlüsse oder Schuldbekenntnis annullieren. Damit die Botschaft von der Auferweckung von den Toten glaubhaft wird für LGBTIQ+, für alle Menschen, die unter diesen Folgen kirchlicher Ordnungen zu leiden hatten und haben, braucht es nach unserem Erleben ganz dringend ein neues Bewusstsein dafür, dass kirchliche Ordnung in den Dienst eben dieser Glaubwürdigkeit, letztlich in den Dienst des Glaubens selbst gestellt sein muss – wenn sie denn in den Spuren der Reformation bleiben will. Die GayChurch Berlin ist eine kirchliche Lebensform, die ihre Ordnungen und Formen aus den gegebenen kirchlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen heraus entwickelt hat. Anspruch der GayChurch Berlin ist es, gemäß dem Priestertum aller Gläubigen glaubwürdig Gottesdienst zu feiern. Wir sind eine eigenständige Gottesdienstgemeinschaft, in der sich in lebendiger Weise Dienste und Verantwortungen aus den Vollzügen unserer Gottesdienste und des darum gelagerten Gemeindelebens ergeben. Es sind verschiedene Verantwortungen entstanden etwa für gottesdienstlichen Gesang und Orgelspiel, Kommunikation über Rundbriefe mit Menschen, die unsere Gottesdienste besuchen und sich in unseren Verteiler eingetragen haben, Predigt und liturgische Abläufe im Gottesdienst und nicht zuletzt die jährliche Organisation der EAST PRIDE BERLIN Demo, die ebenfalls aus der Gemeinschaft der GayChurch Berlin heraus entstanden ist. Nach allen Gottesdiensten gibt es Gelegenheit zu Gespräch bei Speis und Trank. Auch dies ist Teil eines Spektrums verschiedener Dienste in unserer Gemeinschaft. Dies alles zeigt, wie aus kirchlichen Lebensformen lebendige Ordnungen wachsen, deren Zentrum der Gottesdienst ist. Impuls und Auslöser für das Entstehen und Leben der GayChurch ist ein christlicher Gottesdienst, in dem immer unsere Situation als LGBTIQ+ thematisiert wird. Dabei orientieren wir uns an verschiedenen christlichen Traditionen und eignen uns ihre liturgischen Formen an. Selbstbestimmt Gottesdienst zu feiern, uns kirchliche Formen selbst anzueignen, ohne Angst vor einer autoritären und unevangelischen Anwendung von Kirchenrecht, um so auch für andere LGBTIQ+ wieder Zugang zu unserer Geschichte im Christentum zu ermöglichen, ist Wunsch und Anspruch der GayChurch Berlin. Wir verstehen unseren Umgang mit biblischen und kirchlichen Texten und Formen als einen Rückbezug auf die Anfänge des frühen Christentums, auf das Entstehen von christlicher Kirche. Dabei ergibt sich für die GayChurch Berlin ganz natürlich ökumenische Offenheit für sämtliche christlichen Konfessionen, aber auch für Menschen ohne jegliche religiösen Beziehungen. Wir wünschen und hoffen, dass unsere Gemeinschaft als eine Bereicherung und auch als Impuls für Erneuerung der verfassten Kirchen in Deutschland wahrgenommen wird. November 2024

Wolfgang Beyer . Anette Detering . Andreas Gau . Julia Landau . Frank Nerlich . Cornelia Sossna
für die GayChurch Berlin

Kontakt
[email protected]

02/06/2026
Heute durfte ich für unsere     im   der Pankower Hoffnungskirche das Vorbereitungsgebet aus unseren wöchentlichen Gotte...
17/05/2026

Heute durfte ich für unsere im der Pankower Hoffnungskirche das Vorbereitungsgebet aus unseren wöchentlichen Gottesdiensten sprechen und einige Worte zur Geschichte und Gegenwart unserer Gottesdienstgemeinschaft sagen.

Der Gemeindekirchenrat hatte beschlossen den sichtbar in ihren -Taufgottesdienst zu integrieren.

Danke an die Gemeinde für die Gastfreundschaft, für diese Einladung und die anrührenden Gespräche beim Kaffee danach!

Gaychurch Berlin - lesbisch, schwul, trans, ... - selbstbestimmt & offen für alle!
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Heute 20 Uhr. - Herzlich willkommen!
12/05/2026

Heute 20 Uhr. - Herzlich willkommen!

Heute 20 Uhr. - Herzlich willkommen!
12/05/2026

Heute 20 Uhr. - Herzlich willkommen!

„Schläft ein Lied in allen Dingen“ – Diesen Vers aus einem Gedicht von Joseph von Eichendorff kenne ich schon seit meine...
07/05/2026

„Schläft ein Lied in allen Dingen“ – Diesen Vers aus einem Gedicht von Joseph von Eichendorff kenne ich schon seit meiner Jugend und verwende ihn als Titel und Schlüssel einer meiner bestgehendsten Führungen.

Ein solches Lied schläft auch in unserem Predigttext (2.Chronik 5,2-5.12-14), noch bevor in ihm davon die Rede ist, dass gesungen wird und wie sich dabei der Lobgesang der Leviten wie aus einer Kehle gesungen, wundervoll zusammenstimmt.

Es ist ein Lied einer wiederaufgerichteten Gemeinschaft – um den neuen Tempel – und was im Zentrum dieses Tempels und dieser Gemeinschaft steht – als Voraussetzung und als Grundlage ihrer Existenz. Und wundervolle Loblieder können darüber gesungen werden und Menschen zu einer fruchtbaren und stärkenden Gemeinschaft zusammenführen.

Aber bevor ich dieses Lied, das m.E. in unserem Predigttext schläft, für uns aufwecke, muß ich über einen anderen Vers sprechen. Der Vers geht so, wahrscheinlich kennt ihr ihn alle:

„ Wo man singt, da lass dich ruhig nieder,
böse Menschen haben keine Lieder.“

Und das ist ja einfach nicht wahr!

Meine Eltern, eure Groß- oder Urgroßeltern haben Lieder gesungen – Nazilieder – die ganz und gar keine guten Lieder waren.

Und ich selbst? Ich habe immer gerne gesungen und weiß nicht wenige Texte noch auswendig aus meiner Kindheit und Jugend in der DDR zwischen 1966 und 1989.

Mir kommen diese Lieder - sogenannte „Arbeiterkampflieder“ – voller Lügen und psychischer Vergewaltigung immer wieder hoch und machen mich wütend:

Das Lied „Spaniens Himmel breitet seine Sterne“ mit der Zeile „Wir kämpfen und siegen für die Freiheit“. Oder das Lied „Die Partei, die Partei, die hat immer Recht“ oder das Lied „Sag mir, wo du stehst“ mit der Zeile „du kannst nicht bei uns und bei ihnen geniessen“.

Also skeptisch sein, wenn irgendwo gesungen wird, statt mitzusingen!

Sollen wir also skeptisch sein, wenn irgendwo gesungen wird, anstatt mitzusingen?

„Schläft ein Lied in allen Dingen,
die da träumen fort und fort
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.“

Wo ist das Zauberwort in unserem Text versteckt?

Da ist im Zentrum etwas, was der neu aufgerichteten Gemeinschaft unter Salomo, dem Ideal eines guten und klugen Königtums, die Grundlage gibt und den Maßstab für ihre Existenz.

Im Tempel, im Allerheiligsten, steht die Bundeslade, die Truhe mit den Gesetzestafeln, die Mose von Gott empfing. Und das ist sie, die Grundlage, das ist der Maßstab. - Es ist der Dekalog:

Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus der Knechtschaft geführt habe.
Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
Du sollst nicht töten.
Du sollst nicht stehlen.
Du sollst nicht lügen.

Wo eine Gemeinschaft diese Regeln grundlegend akzeptiert, da können gute Lieder wachsen und böse zurückgedrängt werden. Wo das Gegenteil dieser Regeln verkündet oder praktiziert wird, wie - auf je eigene Weise - in Nazideutschland („Recht ist, was dem Volke nützt“) und in der DDR („Klassenjustiz“), da erwachsen böse Lieder oder werden in diesem Kontext dazu.

Wo aber der Dekalog die Grundlage der Gemeinschaft bildet hat dann Singen seine Verheissung:

Mit anderen zusammen singen verbindet. Fördert die Gemeinschaft, stärkt das Gefühl, zusammenzugehören. Und: Wer singt, kann nicht gleichzeitig schreien.
Singen macht gesund, Der Herzschlag wird ruhiger und gleicht sich an. Es tut mir körperlich gut. Singen beugt Einsamkeit vor und stärkt Empathie. Weil ich auf andere hören muss, mich einfüge in den Klang und gemeinsam Schwingungen hervorbringe und spüre. Singen verbindet mich mit mir, meinen Tiefenschichten, mit Gott und den Menschen.
In unserer Gaychurch-Gemeinschaft haben wir schon neue Lieder geschaffen, ganz oder durch Umdichtung und Lieder oder Umdichtungen aufgespürt, die besonders zu uns passen. Machen wir da weiter, miteinander!

Anette Detering, GayChurch Berlin, 06.05.2026,

30/04/2026

Adresse

Auferstehungskirche, Friedenstraße 83
Berlin
10249

Öffnungszeiten

19:45 - 22:00

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