08/06/2026
Wenn die Sonne am höchsten steht: Veranstaltung zum Mittagsweiser am 21. Juni, 13 Uhr
Historische Fotos der Stadtkirche St. Marien zeigen am linken Giebel der Südwand hoch oben einen Metallstab. Gab es um 1965, als das Foto aufgenommen wurde, eine Sonnenuhr an der Kirche? So wurde zunächst vermutet, obwohl es in der Bevölkerung dazu keine Erinnerung zu geben schien.
Nach Sichtung weiterer historischer Akten ist eine andere Erklärung jedoch viel wahrscheinlicher: Es handelte sich nicht um eine Sonnenuhr, sondern um einen "Mittagsweiser", ein einfaches früheres Messinstrument.
Denn woher sollte der Uhrwärter nach Einbau der Räderuhr im Kirchturm (Mitte des 18. Jh.) wissen, ob die Turmuhr richtig geht? Dafür half der Mittagsweiser: Je nach Jahreszeit zeigte er jeweils den Mittag an, also den höchsten Sonnenstand. Nach dieser Zeit wurde die Turmuhr gestellt. Mit der Einführung von elektronischen und digitalen Zeitsignalen war diese Orientierung längst nicht mehr nötig. Entsprechend verschwanden die Mittagsweiser von den Gebäuden, sie waren ja nur ein Hilfsmittel.
Nun wurde beschlossen: Die Stadtkirche St. Marien soll ihren Mittagsweiser zurück erhalten.
Am Sonntag, dem 21. Juni, 13 Uhr lädt die Projektgruppe dazu zu einer Veranstaltung ein: Am Mittag der Sommersonnenwende wird an der Stadtkirche zunächst eine provisorische Anzeigetafel in Gebrauch genommen. Dies geschieht bei Sonnenhöchststand, also wegen der Zeitumstellung auf die sog. Sommerzeit um 13 Uhr.
An der provisorischen Messtafel soll zunächst ein Jahr lang der jeweilige Sonnenhöchststand in monatlichen Messungen dokumentiert werden. Nach Ablauf des Mess-Jahres wird dann eine korrekte und hochwertigere Messtafel an der Kirche angebracht.
Mit dem Mittagsweiser soll auch an Helga Kästner erinnert werden, die frühere Orts-Chronistin und Ehrenbürgerin der Stadt. Sie hatte es noch vor ihrem Tod Anfang 2025 als ihr unvollendetes Projekt angesehen, der Stadtkirche die vermeintliche Sonnenuhr wieder zu schenken. Es sollte ein Vermächtnis werden, das nun auf andere Weise verwirklicht wird. Helga Kästner konnte von einem Mittagsweiser noch nichts wissen. Diesen für St. Marien neu zu schaffen, wäre aber gewiss in ihrem Sinn.
Zur Projektgruppe gehören Stadtchronistin Monika Schwarz, Katrin Grosser, Ralf Kästner, Pfarrerin Christiane Moldenhauer und Architekt Mike Enzmann.