24/12/2022
Heute ist es nun soweit, wir öffnen das letzte Türchen am Adventskalender. Das mit der Nummer 24. Für gewöhnlich ist es das Türchen, hinter dem sich die größte Überraschung verbirgt. Deshalb haben wir wieder etwas ganz Besonderes herausgesucht. Etwas, was mit großem Verlust zu tun hat. Wir sehen hier einen zerbrochenen barocken Bilderrahmen. Ovale Grundform mit reichhaltigen Schnitzereien von Blattwerk versehen. Am unteren Ende befindet sich ein aufwändig gestaltetes Brett mit einer Aufschrift. Diese Inschrift lautet: "Tit:[ulatur] Herr Johann George Wilcke ward vorher Ehrenberg A. 1700 und nacher Poßendorff A. 1707 als Pastor beruffen. Ist geboren d: 3. Aug: in der Stadt Meißen, verehelichte sich den 21. November 1702 und starb in seinen Jesu allhier seelig d: 6. Martij 1713 seines Alters 42 Jahr, 8 Monathe und 3 Tage."
Die Inschrift berichtet in groben Zügen über das Leben unseres ehemaligen Possendorfer Pfarrers, Johann George Wilcke. Mit sechs Jahren Dienstzeit, vielleicht sogar nur 5,5 Jahren, hatte er eine der kürzesten Dienstzeiten eines Pfarrers bei uns. Dennoch muss er in der Kirchgemeinde sehr beliebt gewesen sein. Nachweislich ist er der einzige Pfarrer, der in einer Gruft in der Kirche, auf der Südseite auf dem Weg zur Kanzel, bestattet wurde. In dieser Gruft ruhte auch eines seiner Kinder mit ihm. Seine Frau war schwanger, als sie ihn begraben lassen musste. Geboren wurde Wilcke in Meißen im Jahre 1670.
Was hat es aber nun mit diesem Rahmen auf sich? Die große ovale Fläche innerhalb des Rahmens ist leer. Bis 1991 befand sich darin ein Gemälde, das Pfarrer Wilcke zeigte. Mit der Aufschrift darunter bildete es das Epitaph des Pfarrers, das in der Kirche an der Südwand über seiner Gruft hing. Ungefähr dort, wo heute das Kruzifix hängt. Irgendwann, wahrscheinlich im Zuge des 2. Weltkrieges, wurde es dort weggenommen und in den Räumen der Possendorfer Patronatsloge aufbewahrt, gemeinsam mit den Bildern der Pfarrer Christian Ephraim Wetzel, Friedrich Leberecht Lehmann, Friedrich Hermann Nadler und Ernst Moritz Nadler, sowie Kantor Friedrich August Hayn. In den 1950er Jahren wurden die Bilder von Pfarrer Rasch dort wieder entdeckt und in der Kirche und im Gemeinderaum platziert. In der Kirche hingen sie auf der ersten Empore, an der Wand zum Kirchturm. 1991 wurde auch das Bild Pfarrer Wilckes gestohlen. Der Rahmen ging dabei zu Bruch. Damit ging die älteste existierende Darstellung eines Possendorfer Einwohners verloren. Unserem Posaunenchorleiter ist es zu verdanken, dass die Rahmenteile gesichert wurden, indem er sie selbst bis 2020 privat verwahrt hat. 1991 hatte der Kirchenvorstand keinen Sinn für solche Dinge. Inzwischen befinden sie sich wieder in Verwahrung der Kirchgemeinde im Archiv. Die Schädigung durch den Diebstahl ist das Eine, die Schädigung des Holzes durch Holzwurm das Andere. Es wäre wichtig, die geborgenen Rshmenteile konservieren zu lassen. Leider hat ein solches Ansinnen bei den derzeit herrschenden Mehrheiten in der Kirchgemeindevertretung keine Aussicht auf Erfolg. Bleibt zu hoffen, dass die Holzteile bis zum Jahr 2026, der nächsten Wahl auf Kirchgemeindeebene durchhalten. Das schon recht viel fehlt, ist erkennbar.
Das war es nun wieder für dieses Jahr mit unserem Adventskalender. Wir wünschen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und besinnliche Feiertage.
Unsere Christvespern beginnen heute um 15 und um 18 Uhr.