02/09/2026
Erinnerungen an die Klostertanten -
Franz Kiefer hatte gleich zwei Tanten, die als Franziskanerinnen von Reute im Kloster Reute lebten.
Franz Kiefer und seine Frau besuchen die „Klostertanten“ auf dem Friedhof. Wenn er über sie spricht, hat er viel zu erzählen. Beide waren Ordensfrauen in Reute. Besonders über Sr. Akolitha erzählt er gerne. „11 Kinder waren es zu Hause, der Vater wohnte mit der Familie in einem Bauernhaus und für die 11 war nicht genügend Platz auf dem Hof und am Tisch, da mussten sie ins Kloster“.
1927 legte Sr. Akolitha ihre Profess ab, wurde Krankenschwester und nach Abstgmünd ausgesendet. Stationen in Laupheim und Söflingen folgten. Dann kam sie nach Spaichingen, wo sie 55 Jahre in der ambulanten Krankenpflege wirkte. „Sie war 56 Jahre alt und Spaichingen ist immer größer geworden. Da hat man ihr ein Fahrrad gegeben und sie hat versucht, Fahrrad zu fahren“, weiß Franz Kiefer zu berichten. Die Schwester auf dem Fahrrad muss die Menschen beeindruckt haben, sogar in einem Zeitungsartikel über Sr. Akolitha wurde das „klapprige Fahrrad“ erwähnt, mit dem sie unterwegs war. „Sie ist ein Herzstück Spaichingens, und die Zuneigung und Verehrung, die sie hier genießt, sind schon fast legendär“, berichtete die örtliche Presse 1967.
Für Franz Kiefer waren die Schwestern stets präsent und nahbar. „Wenn die zu Besuch gekommen sind, dann waren das ganz normale Menschen“. Aber es waren auch Frauen mit einem klaren Kompass. „Das war im Krankenhaus in Söflingen, damals musste in jedem Zimmer ein Bild von Adolf Hi**er hängen und das hat die Akolitha nicht brauchen können“. Die Tante drehte die Bilder kurzerhand um, „so dass Hi**er auf die Wand gucken musste“. Ärger habe sie deshalb bekommen und man wollte sie ins KZ schicken. Doch das konnte verhindert werden.
Für ihren Einsatz wurde Sr. Akolitha mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Der Abschied aus Spaichingen fiel nicht nur ihr schwer. „Engel der Stadt“ wurde sie dort genannt. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie im Gut-Betha-Haus, wo sie mit 94 Jahren starb. Die Gräber sind aufgelöst, doch Franz Kiefer hat ihre Gedenksteine im Labyrinth auf dem Friedhof entdeckt. Er freut sich über diesen Ort.