11/09/2026
Pastorin Daentzer lädt uns heute Morgen auf radio aktiv ein, Trost, Zuversicht und Gemeinschaft zu finden – nicht durch das Verdrehen der Realität, sondern durch das feste Vertrauen darauf, dass Gott uns hält – auch in größtem Sturm. In ihm finden wir Halt, heute und jeden Tag.
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer!
Vor 25 Jahren haben meine Vikarskolleginnen und -kollegen einschließlich meiner selbst im September/Oktober Examensgottesdienste gefeiert. Da die bewertet wurden, mussten die Entwürfe deutlich früher schon fertig sein, vor allem die Predigten. Mein Predigttext aus dem Lukasevangelium war ganz kurz und lautete: „Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.“
Da in meiner Vikariatsgemeinde immer Unmengen an Konfis saßen – sie waren gegenüber den Älteren deutlich in der Mehrheit - , hatte ich eine Predigt mit Obelix entworfen. Hatte von der Kraft des Glaubens geschrieben, von Vorbildern, von Freude und Zuversicht.
Dann kam der 11. September. Und neben allem anderen, dass uns Sorge bereitete, entstand auch die Unsicherheit: Was machen wir mit unseren Examenspredigten? Manche Texte konnten doch angesichts dieser schrecklichen Situation nicht verwendet werden, es braucht doch Klagetexte. Doch die Prüfenden waren sich einig: Die Bibeltexte wollen in jede Situation hineingesprochen, gehört und ausgelegt werden. Erst fühlte ich mich mit meinem Text überfordert. Aber den Obelix habe ich dennoch in sehr gekürzter Version gebracht. Denn an dem Sonntag saßen doch auch viele Erwachsene im Gottesdienst, die Trost suchten und Halt und Gemeinschaft und Worte für das Unfassbare. Antworten auf die verheerenden Anschläge, auf das Leid, das über so viele Familien gekommen war, auf die Angst vor einer Form von Gewalt, wie wir sie noch nicht erlebt hatten, gab es nicht. Aber den Zuspruch: Gott ist dabei. Gott hält mit aus. Gott ist an der Seite der Opfer und der Trauernden.
Ja, und heute am 25. Jahrestag der Anschläge in New York gibt es schon wieder scheinbar nicht gut passende Bibelworte: die Tageslosung und den dazugehörigen Lehrtext. Sie lauten: „David und ganz Israel tanzten mit aller Macht vor Gott her mit Liedern, mit Harfen, mit Psaltern, mit Pauken, mit Zimbeln und mit Trompeten.“ Und: „Seid allezeit fröhlich!“ Da schlucke ich erstmal. Fröhlich sein und tanzen passen nun gerade nicht zu diesem Datum. Passen auch nicht zu meiner Gefühlslage, wenn ich an das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt denke und meine Befürchtungen bzgl. der Wahlen am Sonntag bei uns. Ja, das stimmt. Aber ich habe mir eine gewisse Trotzhaltung angewöhnt: Auch wenn mein Glaube nur so winzig klein ist wie ein Senfkorn, also praktisch kaum vorhanden, halte ich daran fest, dass es da einen Gott gibt, dem unser Leben nicht egal ist. Der sich für uns interessiert, der sich um uns und für uns sorgt und in dessen Händen wir gut aufgehoben sind. Insofern: Lasst uns fröhlich sein, lasst uns tanzen und singen – gerne auch beim Schlagergottesdienst am Sonntag um 17 Uhr in Bad Münder. Damit reden wir das Leid, das seit 9/11 präsent ist, nicht klein. Aber ich möchte den todbringenden Mächten nicht die Macht einräumen, die sie gerne für sich beanspruchen wollen. Ich setze auf das Leben, auf seine schönen Seiten und auf Gottes Gegenwart. Und euch lade ich ebenfalls dazu ein.