28/03/2025
Geistlicher Impuls zu Sonntag, 30. März 2025
Die Sache mit der Vergebung – oder sollten wir sagen: die Sache mit der Liebe?
Im Sonntagsevangelium zum 4. Fastensonntag begegnet uns ein Text, der vielen in irgendeiner Form bekannt ist. Lk 15, 11-32 erzählt uns die Geschichte vom „verlorenen Sohn“ oder viel mehr, wie es heute häufiger genannt wird, die Erzählung vom „barmherzigen Vater“.
Nicht selten wird genau diese Bibelstelle in den Gemeinden genutzt, um biblisch verankert mit Erstkommunionkindern oder Firmlingen auf das Sakrament der Beichte zu schauen. Wa-rum?
Die Erzählung bietet uns mehrere Personen an, aus deren Sichtweise wir lernen und verstehen können, was die Idee von Sünde, Einsicht, Vergebung, Neid und Liebe ist. Jeder der Protagonisten verkörpert mindestens einen dieser Begriffe. Wir alle haben etliche Möglichkeiten uns in dieser Erzählung wie-derzufinden und in eine der Rollen zu schlüpfen.
Ein Sohn, der uns zeigt, wie man das Leben ohne Rücksicht auf Verluste in vollen Zügen genießen kann. Der uns aber auch zeigt, was es heißt, ehrlich zu sich selbst zu sein: Fehler zu erkennen, sie einzugestehen, den Mut aufzubringen sie zu be-nennen und einen anderen um Vergebung zu bitten; auch Gott.
Ein Vater, der uns zeigt, wie ein Herz voller Liebe agieren kann, trotz Enttäuschung, Verletztheit, Angst und Verlust. Der bedin-gungslos in seiner Annahme dem gegenüber ist, was das Wichtigste in seinem Leben für ihn ist – sein Kind!
Ein Bruder, von Neid zerfressen und voller Wut über das Zu-rückgestellt sein ohne Verständnis für diese Liebe des Vaters; und der trotzdem ebenfalls in der Lage ist ehrlich zu sein und seinen Unmut deutlich zu machen, um dann ebenfalls in der Vergebung seinen Frieden zu finden.
Ein Text, der für die Fastenzeit, als Bußzeit – einer Zeit der Selbstbetrachtung und innerlichen Veränderung - nicht besser passen könnte. Lassen wir uns einladen, unseren Platz in der Geschichte zu finden; nehmen wir Jesus Aufforderung an, genauso wie die Jünger damals zu verstehen, was Vergebung und Liebe im Sinne Gottes ist, an den wir glauben.
Und schreiben wir unsere eigene Geschichte der Liebe und der Vergebung …
Joana Drießen, Gemeindereferentin