06/08/2026
Bevor Bad Homburg im 19. Jahrhundert als Kurstadt international bekannt wurde, hatte jüdisches Leben hier bereits eine lange Geschichte. Ein wichtiger Ort war die frühere Judengasse, die heutige Wallstraße. Dort befand sich seit dem 18. Jahrhundert eine Synagoge. Mit dem Wachstum der Gemeinde wurde sie jedoch zu klein; 1866 wurde daher eine neue Synagoge an der Elisabethenstraße (Im Bild um 1900) eingeweiht. Das Gebäude prägte mit seiner repräsentativen Architektur den Stadtraum. Hinter der Synagoge entstand 1877 ein Gemeindehaus mit Schulräumen, Wohnungen und einer Mikwe (rituelles Tauchbad).
Zu den prägenden Persönlichkeiten gehörte Dr. Seligmann Pinchas Fromm (1822-1898), „landgräflich hessisch-homburgischer Landesrabbiner“. In einer Zeit, in der die jüdische Bevölkerung rechtlich und gesellschaftlich um Anerkennung rang, war das Rabbinat ein zentrales Amt: Es verband religiöse Autorität, Unterricht, Seelsorge und öffentliche Repräsentation.
Ein weiteres Beispiel ist Julius Braunschweig. Er führte an der Louisenstraße 77 ab 1880 das koschere Hotel-Restaurant „Braunschweig“, war Stadtverordneter und Vorsteher der jüdischen Kultusgemeinde. Das Gebäude existiert, trotz erheblicher Umbauten, bis heute.
Im 19. Jahrhundert wuchs die Gemeinde deutlich: Jüdische Familien gründeten Vereine, unterstützten Arme und Kranke, betrieben Geschäfte, engagierten sich in der Stadtgesellschaft und waren im öffentlichen Raum sichtbar.
1938 wurde die 1866 eröffnete Synagoge zerstört. Heute erinnern der Platz der ehemaligen Synagoge, Gedenktafeln, Stolpersteine und der jüdische Friedhof am Gluckensteinweg an diese Geschichte. Heute gehört die Homburger Gemeinde zur Frankfurter Jüdischen Gemeinde; 2011 wurde das Jüdische Zentrum und 2022 eine neue Mikwe eingeweiht.
Wenn Ihr zum 2. Juli zurückscrollt, findet Ihr Teil 1 unserer Serie "Sommerfrische".