09/09/2026
Pastor Hans-Christof Vetter ißt zwar nicht gerne Äpfel, weiß aber, dass sie eine Geschichte erzählen - heute morgen auf radio aktiv:
Der Herbst ist Apfelzeit. Wunderbar! Der eine freut sich über Apfelkuchen, die andere über die Apfelspalten in der Brotdose. Der Apfel ist so ein typischer Allrounder: als Saft, als Apfelwein, als Gelee oder als Mus – der Apfel findet immer seinen Liebhaber. Als Vitaminlieferant erfreut er die gleichermaßen: „An apple a day, keeps the doctor away!“
In der christlichen, abendländischen Traditionsgeschichte kommt der Apfel nicht ganz so gut weg. Sein lateinischer Name malus steht mit dem Nahrungsmittel in Verbindung, welches Eva Adam zum Probieren reichte. Malus meint im Lateinischen schlecht, schlimm, böse oder eben auch Apfel.
Zum Glück hat diese Bewertung dem Apfel kulturgeschichtlich nur bedingt geschadet: Bis heute gibt es ihn in vielen Sorten, und er hat zahlreiche Liebhaberinnen und Liebhaber. Für viele Menschen ist ein schöner Apfel frei von Quetschstellen und Wurmlöchern; ob es ein Gravensteiner oder ein Boskoop ist, spielt dabei kaum eine Rolle. Andere greifen gerade zu den nach Schönheitskriterien aussortierten Äpfeln, drücken vorsichtig auf ein matschiges Exemplar, riechen daran und sagen: „Daraus wird ein prima Apfelmus.“ Oder ein leckerer Apfelsaft – oder, bei mir zu Hause in Schwaben: Moscht. So unterschiedlich können wir Äpfel betrachten und bewerten.
Gott ist im Blick auf uns Menschen ebenso erfinderisch. Er sieht nicht nur die heile Schale. Er weiß, wie er uns nehmen muss, und erkennt in uns, was wir selbst manchmal nicht sehen können – so wie der Apfelkundige im angedetschten Exemplar schon das Apfelkompott erkennt. Gott schaut uns liebevoll an, und mit seinem Blick können auch wir manches neu betrachten. Zum Glück begleitet uns Gottes gütiger Blick unterwegs: ein Blick, der mehr und anderes erkennt, als wir selbst oder andere gerade zu sehen vermögen. Das erzählen mir Äpfel – selbst dann, wenn ich nur die Apfelschnitze esse, die meine Frau mir zum Mittagsbrot legt, sagt Pastor Christof Vetter aus Aerzen.
Landeskirche Hannovers
Kirchenkreis Hameln-Pyrmont
Bild: privat