17/08/2026
Wenn wir retten, aber nicht fragen …
Wir Menschen neigen dazu, das Leben um jeden Preis verlängern zu wollen. Aus Liebe, aus Angst vor dem Verlust oder aus dem tiefen Wunsch zu helfen. Doch wie steht es eigentlich um die Tiere, die wir retten wollen?
Tiere haben eine völlig andere Beziehung zum Tod als wir. Sie leben im Hier und Jetzt. Sie kennen keine Existenzangst vor dem, was danach kommt.
Jedes Tier hat seine ganz eigene Persönlichkeit. Manche sind sehr geduldig, andere weniger. Einige stellen ihr eigenes Wohl sogar hinter das ihres Menschen zurück. Sie erdulden Eingriffe oder halten durch, weil ihr Mensch noch nicht loslassen kann oder weil sie noch etwas mehr Zeit mit ihm verbringen möchten.
Zu dieser individuellen Persönlichkeit kommt die Biologie der jeweiligen Art hinzu. Eine Katze, ein Hund oder ein Wildtier bringen jeweils ganz unterschiedliche biologische Voraussetzungen, Bedürfnisse und Verhaltensweisen mit.
Wie unterschiedlich die Wünsche der Tiere sein können, zeigt sich mir immer wieder in meiner Praxis:
Da war die Katze, die klar äußerte, dass sie keine weitere Therapie und keine lebensverlängernden Maßnahmen mehr möchte. Ihr Wunsch war es, in Ruhe gelassen zu werden und ihren Weg zu gehen.
Auf der anderen Seite gab es den alten Hund, dem der Tierarzt aufgrund seines hohen Alters von einer Operation abgeraten hatte. Doch der Hund selbst äußerte den klaren Wunsch nach einem neuen Hüftgelenk – er wollte wieder schmerzfrei laufen und am Leben mit seinem Menschen teilnehmen.
Nicht jedes Tier möchte per se um jeden Preis vom Menschen gerettet werden – und genauso möchte nicht jedes alte Tier bereits aufgeben. Es ist entscheidend, innezuhalten und die Tiere zu fragen, was sie für sich selbst möchten, um ihre eigene Stimme und ihren individuellen Weg zu achten.
Bist du bereit, deinem Tier wirklich zuzuhören?