09/05/2026
Einweihung des neuen Trauerraums in Landquart
Mit einem festlichen Gottesdienst und einer anschliessenden Segnungsfeier ist am Sonntag, 3. Mai, der neue Trauerraum auf dem katholischen Friedhof bei St. Fidelis in Landquart eingeweiht worden. Der Neubau verbindet schlichte Architektur, künstlerische Gestaltung und liturgische Zeichen zu einem Ort der Würde, des Trostes und der Hoffnung.
Zahlreiche Pfarreiangehörige, Gäste aus der politischen Gemeinde, Vertreterinnen und Vertreter der reformierten Kirchgemeinde sowie weitere Interessierte wohnten der Feier bei und füllten den neuen Raum und den gedeckten Vorplatz mit spürbarer Anteilnahme.
Schon der Gottesdienst in der Pfarrkirche stand ganz im Zeichen der österlichen Hoffnung. Im Evangelium des 5. Ostersonntags sprach Jesus die tröstlichen Worte: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren“ und „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“ Diese Zusage prägte auch die Predigt, in der der neue Trauerraum als Ort gedeutet wurde, an dem Trauer Raum findet und sich zugleich eine Perspektive öffnet, die vom Tod zum Leben weist.
Im Anschluss versammelte sich die Feiergemeinde beim neuen Gebäude auf dem Friedhof. Der Neubau ersetzt die frühere Leichenhalle aus den 1960er-Jahren und nimmt in Architektur, Material und Licht bewusst die veränderte Trauerkultur unserer Zeit auf. Der Raum wirkt schlicht und klar, zugleich warm und offen. Das viele Holz, die grosszügigen Glasflächen, der gedeckte Vorplatz und der behutsame Übergang zwischen Innen und Aussen schaffen eine Atmosphäre, die Stille zulässt und ein würdiges Ankommen ermöglicht.
In seiner Ansprache erinnerte Pfarrkirchenstiftungspräsident Lucas Caduff daran, dass ein Ort des Abschieds heute mehr sein müsse als ein bloss funktionales Gebäude. Der neue Trauerraum solle Schutz geben, Trost ermöglichen und Hoffnung offenhalten. Zugleich würdigte er alle, die zur Realisierung beigetragen haben.
Architekt Pascal Schibler zeigte auf, dass das Gebäude bewusst nicht sich selbst in den Vordergrund stellen wolle. Ziel sei vielmehr gewesen, einen Raum zu schaffen, der den Menschen in Momenten der Trauer trägt. Diese Haltung wird in der Gestaltung spürbar: Nichts ist überladen, nichts drängt sich auf, alles dient dem Ankommen, dem Verweilen und dem Abschied.
Auch die künstlerische Ausgestaltung wurde bei der Einweihung besonders gewürdigt. In seinem Gruss hob Hans Thomann hervor, dass Kunst in einem Trauerraum nicht dominieren dürfe. Sie müsse sich zurücknehmen und zugleich das Herz ansprechen. Seine Arbeit verbindet sich deshalb mit Architektur und Liturgie zu einem stimmigen Ganzen. Besonders eindrücklich sind die Bronzerondellen im Boden mit Pflanzenabdrücken aus verschiedenen Jahreszeiten sowie das Vortragskreuz mit der Gestalt des Gekreuzigt-Auferstandenen. So werden Spuren des Lebens, des Wandels und der Hoffnung sichtbar.
Musikalisch erhielt die Feier eine besonders feine und berührende Note. Evelyne Hess an Orgel und Piano und Loris Zanolari an Klarinette, Trompete und Saxophon verliehen dem Anlass Tiefe, Sammlung und Festlichkeit. Gerade zwischen Wort, Musik und Stille konnte sich jene Atmosphäre entfalten, die dem neuen Raum entspricht.
Bei der Segnung mit Weihwasser und Weihrauch wurde der Trauerraum seiner Bestimmung übergeben. Dabei wurden auch die neuen liturgischen Gegenstände einbezogen: das Vortragskreuz, der Ambo, der Kerzenständer, der Urnenständer und der Katafalk. In den Gebeten stand die Bitte im Zentrum, dass dieser Ort für viele Menschen ein Raum des Trostes, des Schutzes und der Hoffnung werden möge.
Mehrfach wurde an diesem Tag betont, dass das Projekt nur durch ein gutes Zusammenwirken verschiedener Kräfte möglich wurde. Die Bau- und Einrichtungskosten des neuen Trauerraums belaufen sich auf rund 1,3 Millionen Franken.
Entwickelt und verwirklicht wurde das Projekt in enger Zusammenarbeit mit der Pfarrkirchenstiftung; getragen und finanziert wurde es von der Kirchgemeinde Landquart-Herrschaft.
Die politische Gemeinde Landquart, zu deren Aufgabenbereich das Friedhofswesen gehört, beteiligte sich mit 300’000 Franken an den Kosten. Auch darin zeigte sich: Ein Ort des Abschieds ist nicht nur für die Kirche, sondern für die ganze Gemeinde von Bedeutung.
Ein besonderer Dank galt am Schluss allen Mitwirkenden: der Kirchgemeindepräsidentin Juliana Alig, dem Pfarrkirchenstiftungspräsidenten Lucas Caduff, der Baukommission, dem Architekten Pascal Schibler, dem Künstler Hans Thomann, den Musikerinnen und Musikern, dem Mesmer Aldo Danuser, der Lektorin, den Ministranten sowie allen, die dieses Projekt über lange Zeit begleitet und unterstützt haben.
So durfte an diesem Sonntag nicht nur ein neues Gebäude eröffnet werden. Vielmehr wurde ein Ort eingeweiht, an dem Menschen in schweren Stunden nicht allein bleiben sollen: ein Raum für Abschied und Erinnerung, für Stille und Gebet, für Tränen und für jene leise Hoffnung, die aus dem Glauben an den auferstandenen Christus lebt.
Einen schönen Ausklang fand die Einweihung beim anschliessenden Apéro. Bei strahlendem Sonnenschein blieben viele Gäste noch lange beisammen, betrachteten den neuen Raum, tauschten Eindrücke aus und sprachen weiter über das gelungene Projekt, das dem Friedhof und der ganzen Gemeinde einen würdigen neuen Ort geschenkt hat.
Fotos: Michael Brooks, Luca Zanolari