03/04/2020
Geben ist seliger als nehmen!
Eine alte Frau erzählte folgende Geschichte: im Krieg besass ich eines Tages nur noch einen Foifliber (Fünffrankenmünze) und dieser sollte für unsere Familie eigentlich noch für mehrere Tage ausreichen. Man muss wissen, dass so ein Fünffrankenstück damals noch sehr viel Geld war. Nun kam eines Tages eine Frau zu mir, die für einen guten Zweck sammelte. Irgendwie hatte ich den Eindruck, ihr mein letztes Geld zu geben. Und das tat ich dann auch. So waren wir nun da und hatten einfach nichts mehr. Doch ich wusste, dass ich es in das Reich Gottes investiert hatte und vertraute einfach, dass der Herr uns versorgen würde. Es ging nicht lange und ein Bauer kam zu uns und schenkte uns verschiedene Esswaren, da er das Gefühl hatte, dass wir sie brauchen könnten. Und auch während den folgenden Tagen hatten wir nie Mangel an Esswaren, ja sogar noch mehr als wir sonst gehabt hätten.“
Geben ist seliger als nehmen. Auch die Natur lehrt uns das. Schauen wir das Heilige Land an. Der Unterschied zwischen dem See Genezareth und dem Toten Meer ist markant. Der See Genezareth ist voller Fische und anderer Lebewesen, doch das Tote Meer ist effektiv tot, so wie es auch sein Name sagt. Man kann sich dort höchstens in Schlacke baden und an der Oberfläche schwimmen, weil der Salzgehalt so hoch ist; doch sonst ist kaum Leben darin zu finden. Es hat kaum Fische und andre Lebewesen. Das Tote Meer wurde zum toten Meer, weil es keinen Ausfluss hat und einfach alles darin stecken bleibt. Der Jordan fliesst hinein, aber nichts fliesst mehr heraus.
So ist es auch im (geistlichen) Leben. Solange wir weitergeben und das was Gott uns anvertraut hat in andere investieren, kommt immer wieder mehr. Doch sobald wir nur noch alles für uns haben wollen, beginnt alles abzusterben und der Segen hört auf zu fliessen. Gerade in der jetzigen Situation der Isolierung ist dieser Leitsatz umso wichtiger. Leicht könnte man den Eindruck gewinnen: Jetzt muss ich für mich schauen, dass es mir gut geht. Vorsicht! Nur nicht zu sozial sein. Sicher sollten wir uns an die Anweisungen des Bundesrates halten. Doch gerade jetzt gilt es, umso mehr zu geben. Gerade jetzt in der Zeit des Mangels tut Geben Not. Damit drücken wir unser Gottvertrauen aus und so kommt der ganze Kreislauf von Geben und Nehmen ins Fliessen. Gott kann uns überreich segnen.
Haben Sie schon einmal gemerkt, wie viel Freude Sie selber bekommen, wenn Sie jemandem von der Liebe Gottes erzählen? Oder wenn Sie jemandem ein schönes Geschenk machen? Vielleicht nehmen Sie auch mal den Hörer in die Hand und rufen eine Person an, die Ihnen wichtig ist, selbst wenn das nicht Ihre Art ist. Oder Sie sagen einer nahestehenden Person, was sie Ihnen bedeutet. Dann nämlich sind Sie ebenso gesegnet, wie der, der es empfängt! Tatsächlich werden auch wir Berater immer wieder gesegnet, wenn wir Menschen in der Beratung beistehen dürfen. Wenn wir geben, dann können wir wieder mehr empfangen. Doch wenn wir einfach nur immer wollen und wollen und sich alles um uns dreht, dann stirbt alles in uns und wir werden zum toten Meer.
Ich möchte Sie heute ermutigen, dass Sie das, was Sie von Gott empfangen haben, mit anderen teilen. Vielleicht ist es eine Ermutigung, vielleicht geben Sie Finanzen, so wie diese alte Frau, vielleicht ist es ein Gebet für irgendjemanden. Was auch immer es ist. Schauen Sie von sich weg und fangen Sie an, anderen zu geben. Sie werden erstaunt sein, wieviel Segen auf Sie zurückkommt.
Egal, wie schwierig unser Leben auch sein mag – es gibt immer etwas, wofür wir dankbar sein können: für das Essen, das Wetter, das Dach über dem Kopf, uns nahestehende Personen, unsre Gesundheit. Dankbarkeit ist ein Schlüssel, der uns gegenüber Gott und unseren Mitmenschen öffnet und der Grosszügigkeit freisetzt.
Sie wollen Leute haben, die Sie lieben? Dann beginnen Sie damit Ihre Liebe anderen zu verschenken. Sie wünschen sich mehr Leute, die sich für sie interessieren? Dann hören Sie ihren Gegenüber aufmerksam zu und bekunden Sie ihnen Ihr Interesse. Sie wollen Ermutigung? Dann beginnen Sie damit, andere zu ermutigen!
Ja wahrhaftig! Geben ist seliger als nehmen! Apg. 20, 35 Amen
Viel Freude am Sich-Verschenken in dieser distanzierten Zeit wünscht Pfarrer Philipp Müller, Berater in der christlichen Beratungsstelle Sela in Aarau und freischaffender Pfarrer