19/02/2023
Anbei findet ihr meine Karnevalspredigt 2023!
Und nochmals ein ganz herzliches Dankeschön für alle Anwesenden in der Karnevalsmesse und die einmalige frohe Stimmung!
Ihr Lieben, machen wir uns nichts vor:
Manchmal verschließen wir gern unser Ohr,
vor allem dann, wenn die Botschaft des Herrn
unserem Alltagsleben scheint so fern.
Jesus, weißt du, du musst auch nicht übertreiben,
Manches verdaut man besser in dünnen Scheiben.
Du hast da aber ganz dick aufgetragen:
So extrem hättest du es nicht müssen sagen.
Auge für Auge, Zahn für Zahn –
Zugegeben das ist schon der Wahn.
Aber eigentlich machen wir das schon!
Wie du mir, so ich dir: das ist der Ton!
Gleiches mit Gleichem vergelten:
Das ist doch nicht die Schlimmste der Welten!
Es ist doch besser als sich in Hass und Gewalt zu steigern
und jeden Versuch der Versöhnung zu verweigern.
Doch Jesus setzt noch einen drauf:
Wirft er damit die Tradition über den Hauf?
Die andere Wange soll ich hinhalten -
Keinen Widerstand oder Gegenzug gestalten.
Das geht ja noch, obwohl es heftig ist,
wenn der andere nicht zum Frieden zu überzeugen ist.
Doch dann auch dem Andern den Mantel zu lassen,
wenn dieser nach unserem Hemd möchte fassen.
Das geht entschieden zu weit:
Ganz bestimmt in dieser Krisenzeit!
Was willst du uns damit eigentlich sagen
In diesen turbulenten und schlimmen Tagen?
Wenn der Putin den Dombass will annektieren,
müsste man ihm dann auch noch die Ukraine offrieren?
Wenn die Großkonzerne mit ihren Milliardengewinnen
über neue Strategien sich besinnen,
um uns noch mehr Geld abzuzocken,
damit sie im Überreichtum frohlocken,
sollen wir dann unsere Sparbücher auflösen
und all unser Geld ihnen geben, den Bösen?
Und dann - mein lieber Herr Jesus – kommt der Clou,
dann rufst du uns Menschen mit Überzeugung zu,
Wir sollen unsere Feinde lieben, statt sie zu hassen,
und uns nicht von unseren Gefühlen leiten lassen,
um ihnen mit der Bratpfanne eine zu verpassen
oder sie von unserem Lebenterrain schassen.
Wenn das nicht ist eines Narren Sicht,
dann frag ich mich, was närrisch ist.
Die Leute stünden bei mir Schlange,
um mich zu schlagen auf die andre Wange.
Sie stünden da in langen Reihen,
um beutelweise Geld zu leihen,
weil sie ja aus der Bibel wissen,
dass sie mir’s nicht zurückzahlen missen.
Jetzt schon kann ich den Leuten nicht geben,
was sie einfordern im Glaubensleben.
Wie soll ich das bloß überleben,
wenn ich ihnen noch mehr soll geben?
Dass die Welt Narren braucht,
das hat der Geist euch auch schon eingehaucht!
Doch nicht, um an Karneval zu toben,
oder wie jetzt hier miteinander Gott zu loben.
Gott braucht Narren, die Verrücktes tun,
und nicht nur auf den Sofas des Wohlstandes ruhn.
Gott braucht Narren in diesen Zeiten,
wo Hass und Dummheiten sich verbreiten.
Die Zeiten sind verschärft,
die Leute sind genervt!
Laut im Getriebe knirscht der Sand,
die Menschen schrein nach einer starken Hand,
die Ordnung schafft und auch aufräumt.
Wer so denkt – mein Gott – der träumt!
Eigentlich wissen wir es doch schon längst,
Die Lösung kommt nicht vom wilden Hengst!
Es braucht eine originelle Wende,
sonst ist es mit unserer Erde zu Ende!
Was Jesus uns da vorschlägt mit seiner Vision,
möchte verhindern die große Kollision;
er möchte durchbrechen den Kreis der Gewalt,
unserem Leben geben einen neuen Inhalt.
Wir müssen uns endlich mal entscheiden,
all das im Leben zu vermeiden,
was uns gegenseitig das Leben vergiftet,
und das tun, was Frieden stiftet.
Wenn wir Jesu Worte lesen aus dieser Sicht,
bekommen sie für ein anderes Gewicht!
Ein neuer Wind in Kirche und Welt –
Ich weiß, dass er nicht vom Himmel fällt.
Die an der Spitze regieren,
tun nicht immer als Vorbilder fungieren.
Wir müssen an der Basis das Beispiel geben
und anfangen anders zu leben.
Wenn wir dies gemeinsam und mit Überzeugung tun,
können die Verantwortlichen ihre Hände nicht lassen ruhn.
Vielleicht wollte Jesus einen Tsunami auslösen
gegen die etablierten Kräfte des Bösen
mit seiner Welle der Feindesliebe
als Sand in des Bösen Getriebe.
So kann ich Jesus Worte betrachten
und auch in mir das Böse entmachten!
Jetzt löst sich bei mir die Opposition
und wächst in mir die Faszination!
Ja wir brauchen in Kirche und Welt einen Neustart,
auch wenn es am Anfange scheint, als sei er zu hart.
Wir sollen es mit Jesu Kraft probieren,
und nicht zu schnell den Mut verlieren.
Es braucht Zeit, um mit neuem Handeln,
die Gewohnheiten von Kirche und Welt zu verwandeln.
Auch Jesus hat das erfahren
und ist wider die Wand gefahren.
Er hat es bezahlt mit seinem Leben,
das er für uns hat gegeben.
Doch das, was er tat, war nicht vergebens,
es kam für uns das Geschenk des ewigen Lebens.
Drum lasst uns einander lieben
und nicht verletzen mit fiesen Hieben.
Lasst uns solidarisch handeln
und damit die Menschheit verwandeln.
Lasst uns nicht nur vom Überfluss geben
und selber bescheidener leben.
Ich weiß – es klingt verrückt –
und wir sind zuerst nicht entzückt.
Doch wenn ich tiefer überlege,
sind Jesu ungewöhnliche Wege
eine Herausforderung wert,
die uns allen Zukunft beschert.
Jetzt könnt ihr die Anderen wecken,
die Müden und die Jecken,
die bei meiner Predigt eingeschlafen sind,
jetzt kommt das Credo ganz geschwind,
und dann geht es gleich auch weiter,
zwar ernst und nicht mehr heiter,
um unser Herz und unsre Sinne zu lenken,
um Jesu Tod und Auferstehung zu gedenken.
Da erleben wir was Liebe tut und will,
die auch dich und mich erobern will.
Vergessen wir es nie in unserem Leben,
Was Jesus jedem von uns hat gegeben.
Schenken wir einander immer das Beste,
nicht nur am Karnevalsfeste.
Freude wächst nicht von allein,
da muss bringen sich jeder ein.
In diesem Sinne wünsche ich euch:
Seid brav und legt euch ins Zeug,
dass Freude sich weit verbreitet
und Gott euch überall hinbegleitet,
meine lieben Herren und Damen,
jetzt ruf ich Alaaf, fahrm dar und dann Amen.