Katholische Militärpfarre beim Militärkommando Wien und "Forum Jakob Kern"

Katholische Militärpfarre beim Militärkommando Wien und "Forum Jakob Kern" Kontaktinformationen, Karte und Wegbeschreibungen, Kontaktformulare, Öffnungszeiten, Dienstleistungen, Bewertungen, Fotos, Videos und Ankündigungen von Katholische Militärpfarre beim Militärkommando Wien und "Forum Jakob Kern", Katholische Kirche, Würzburggasse 8A/Objekt 5, Wien.

Dies ist die offizielle Seite der Wiener Militärpfarre und dem Jakob Kern-Haus hinsichtlich der musikalisch-kulturellen Events, Veranstaltungen und Festgottesdienste, die das Kulturleben Wiens bereichern.

Bertrand Russell schreibt: „Die Angst zu überwinden, ist der Anfang der Weisheit.“ (An Outline of Intellectual Rubbish, ...
20/09/2026

Bertrand Russell schreibt: „Die Angst zu überwinden, ist der Anfang der Weisheit.“ (An Outline of Intellectual Rubbish, 1943, S. 23) Dieser Satz passt erstaunlich gut zu den heutigen Lesungen vom 25. Sonntag im Jahreskreis. Denn eine Angst kennen wir alle: die Angst, zu kurz zu kommen. Wir vergleichen: Wer bekommt mehr? Wer wird mehr gelobt? Wer hat mehr Erfolg? Wer leistet in der Familie mehr? Und manchmal fragen wir: „Warum bekommt der andere diese Aufgabe und nicht ich?“ Die erste Lesung aus Jesaja gibt uns den Schlüssel: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht eure Wege.“ (Jes 55,8) Gott rechnet anders als wir. Wir denken schnell in Leistung und Verdienst; Gott sieht den ganzen Menschen. Die zweite Lesung hingegen zeigt, was daraus für Paulus folgt. Er sagt: „Für mich ist Christus das Leben.“ (Phil 1,21) Sein Wert hängt nicht davon ab, ob er erfolgreicher ist als andere. Er weiß sich von Christus getragen. Und im Evangelium wird diese Botschaft nun ganz konkret: Die Arbeiter, die den ganzen Tag gearbeitet haben, empören sich, weil die Letzten denselben Lohn erhalten. Jesus fragt: „Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?“ (Mt 20,15) Dann sagt er: „So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte.“ (Mt 20,16a) Wir fragen: Wer ist wichtig? Wer hat mehr geleistet? Wer steht oben? Jesus fragt: Wen sehe ich mit den Augen Gottes? Der Mensch, den wir übersehen, ist Gott nicht verborgen. Der Mensch, den wir für gering halten, ist Gott nicht gering. Vielleicht können wir deshalb beim nächsten Vergleich innehalten und sagen: „Gott, danke für das Gute, das du diesem Menschen schenkst, und öffne mir die Augen für das Gute, das du mir geschenkt hast.“
Dann verbinden sich die drei Lesungen: Gottes Gedanken sind größer als unsere Gedanken; Christus gibt unserem Leben seinen Wert; und Gottes Güte sprengt unsere menschlichen Rechnungen. Vielleicht beginnt genau dort Weisheit: wenn die Angst, zu kurz zu kommen, kleiner wird und die Freude an Gottes Güte größer.

William Shakespeare erzählt in „Der Sturm“ von Prospero, der von seinen Brüdern verraten und aus seiner Heimat vertriebe...
12/09/2026

William Shakespeare erzählt in „Der Sturm“ von Prospero, der von seinen Brüdern verraten und aus seiner Heimat vertrieben wurde und Jahre später die Macht erhält, sich zu rächen. Doch er entscheidet sich gegen die Vergeltung und für die Vergebung. In Akt V, Szene 1 sagt er: „The rarer action is / In virtue than in vengeance.“ Die seltenere, edlere Tat ist die Tugend, nicht die Rache. Damit sind wir mitten im heutigen Evangelium vom 24. Sonntag im Jahreskreis, denn auch wir kennen die Versuchung, Verletzungen festzuhalten und die alte Rechnung irgendwann begleichen zu wollen. Jesus Sirach sagt deshalb: „Groll und Zorn sind abscheulich“ und: „Denk an das Ende und lass ab von der Feindschaft“ (Sir 27,30; 28,6). Petrus fragt Jesus: „Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben?“ (Mt 18,21). Jesus antwortet: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal“ (Mt 18,22). Damit meint Jesus keine Zahl, sondern eine Haltung, die sich weigert, ständig aufzurechnen. Das griechische Wort für „vergeben“ ist ἀφίημι. Es bedeutet loslassen, freigeben, erlassen. Im Gleichnis wird dem Knecht eine unermessliche Schuld erlassen (Mt 18,27): Die Schuld wird nicht geleugnet, aber sie wird nicht mehr eingefordert. Genau das ist die Mitte der christlichen Vergebung: Das Unrecht wird nicht ungeschehen gemacht, aber die Forderung nach Vergeltung wird losgelassen.
Das Problem des Knechtes besteht darin, dass er selbst Vergebung empfangen hat, sie aber seinem Mitknecht verweigert. Deshalb fragt der König: „Hättest nicht auch du Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?“ (Mt 18,33).
Wir vergeben also nicht, weil das Geschehene plötzlich unwichtig wäre, sondern weil wir selbst von Gottes Barmherzigkeit leben. Das Vaterunser bringt es auf den Punkt: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir unseren Schuldigern vergeben“ (Mt 6,12). Vergebung bedeutet dabei nicht, dass wir sagen müssen: Es war nicht schlimm. Sie bedeutet auch nicht, dass jede Grenze aufgehoben werden muss. Aber wir können aufhören, die alte Schuld immer wieder gegen den anderen und gegen uns selbst einzusetzen. Vielleicht gibt es auch in unserem Leben eine solche offene Rechnung. Dann müssen wir heute vielleicht noch nicht sagen: Ich habe vergeben. Wir können aber beten: „Gott, ich kann es noch nicht loslassen; hilf mir, dass diese Verletzung nicht mein Leben bestimmt.“ Das ist der erste Schritt von ἀφίημι: loslassen und freigeben. Paulus sagt: „Keiner von uns lebt sich selber … leben wir, so leben wir dem Herrn“ (Röm 14,7–8). Wir müssen nicht jede Rechnung selbst begleichen; wir dürfen sie Gott überlassen. Und damit kehren wir zu Prospero zurück. Er besitzt die Macht zur Rache, aber er legt diese Macht aus der Hand. Er entscheidet sich dafür, dass seine Verletzung nicht über seine Zukunft bestimmen soll. Darin zeigt sich seine Reife: Er wird frei, weil er nicht länger von der alten Schuld beherrscht wird.
Genau darin liegt auch die Einladung Jesu an uns: Nicht vergessen, was geschehen ist, sondern loslassen, was uns daran bindet; nicht das Unrecht leugnen, sondern ihm die Macht über unser Herz nehmen. Vielleicht ist Vergebung deshalb nicht zuerst ein Gefühl, sondern eine Entscheidung: „Es war schlimm. Es hat mich verletzt. Aber ich will nicht, dass es mein Herz für immer besitzt.“Denn solange ich die alte Rechnung festhalte, hält auch sie mich fest. Lasst uns deshalb die alte Rechnung aus der Hand legen: Gott hat uns vergeben, Christus gehört unser Leben – und wer die Schuld des anderen loslässt, findet selbst den Weg in die Freiheit.

Pfarrfest 2026 in der Militärpfarre Wien✝️ In seiner Predigt betonte Militärerzdekan Harald Tripp, dass eine Pfarrgemein...
06/09/2026

Pfarrfest 2026 in der Militärpfarre Wien✝️ In seiner Predigt betonte Militärerzdekan Harald Tripp, dass eine Pfarrgemeinde gerade in einer Zeit großer Veränderungen und weltpolitischer Unsicherheiten ein Ort der Gemeinschaft, Orientierung und Hoffnung sein müsse. Ausgehend vom Bild des Buchtitels des Bestsellers „Im Fluss der Zeit“ von Peter Bieri, Pascal Mercier, verband er die drei Lesungen des Sonntags mit den Herausforderungen der Gegenwart.✝️
Mit Blick auf den Auftrag der Militärseelsorge hob Militärerzdekan Tripp hervor, dass sich Zeiten und Rahmenbedingungen verändern, der grundlegende Auftrag jedoch bleibt: Menschen begleiten, Verantwortung stärken und die Hoffnung auf Frieden wachhalten. Das Pfarrfest wurde dabei zum sichtbaren Zeichen einer lebendigen Gemeinschaft, nicht zuletzt durch die Spendung der heiligen Taufe an die kleine Helena und den Primizsegen durch Neupriester Manuel Rennhofer. Viele Menschen bringen sich mit ihrer Zeit, ihren Fähigkeiten und ihrem Engagement ein. ✝️Als zentrale Botschaft formulierte Militärerzdekan Tripp: „Wir können den Fluss der Zeit nicht anhalten. Aber wir können entscheiden, wie wir miteinander durch ihn gehen – miteinander, füreinander und mit Christus in unserer Mitte.“ Ein großes Dankeschön an ALLE, die Kirche an diesem Ort so sehr lebendig halten! 👏🙏

Herzliche Einladung zum Pfarrfest 2026! Sei dabei! 🙏🫡😀🙏
31/08/2026

Herzliche Einladung zum Pfarrfest 2026! Sei dabei! 🙏🫡😀🙏

Beatrix Gerstberger schreibt in ihrem Roman „Hummerjahre“, zur Zeit ein Bestseller, eine interessante Fischerweisheit: „...
29/08/2026

Beatrix Gerstberger schreibt in ihrem Roman „Hummerjahre“, zur Zeit ein Bestseller, eine interessante Fischerweisheit: „Ein Hummer versteht sich besser aufs Loslassen als jeder Mensch.“ Ein Hummer kann nur wachsen, wenn er seinen alten Panzer loslässt. Dieses Bild passt erstaunlich gut zu den heutigen Lesungen vom 22. Sonntag im Jahreskreis. In der 1. Lesung (Jer 20,7–9) ist der Prophet Jeremia müde und möchte seinen Auftrag aufgeben. Doch Gottes Wort brennt in seinem Herzen wie ein Feuer. Er kann es nicht einfach loslassen. Auch wir kennen solche Situationen: Wir möchten manchmal etwas hinter uns lassen, aber Gott ruft uns weiter. Paulus sagt in der 2. Lesung (Röm 12,1–2): „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung eures Denkens.“ Wir sollen also bereit sein, alte Denkweisen und Gewohnheiten loszulassen und uns von Gott verändern zu lassen. Im Evangelium (Mt 16,21–27) sagt Jesus: „Wenn jemand hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Mt 16,24) Was bedeutet „sich selbst verleugnen“? Im Griechischen steht „ἀπαρνησάσθω ἑαυτόν“. Das bedeutet: sich von etwas lossagen, etwas nicht mehr zum Maßstab machen. Jesus sagt damit nicht: „Du bist nichts wert.“ Er sagt vielmehr: Mach dich selbst nicht zum Mittelpunkt deines Lebens. Du musst nicht immer Recht haben, immer gewinnen oder alles unter Kontrolle haben. Vertraue dein Leben Gott an. Petrus möchte Jesus einen Weg ohne Kreuz ersparen. Doch Jesus sagt: „Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ (Mt 16,23) Das Kreuz bedeutet dabei nicht, dass wir Leid suchen sollen. Es bedeutet, dass Liebe manchmal etwas kostet: Vergebung, Treue, Geduld, Hilfe für andere und den Verzicht auf den eigenen Vorteil. Vielleicht lautet die Botschaft dieses Sonntags ganz einfach: Wir müssen nicht uns selbst verlieren, wir müssen lernen, das loszulassen, was uns hindert, wirklich zu leben. Darum passt die Fischerweisheit so gut: „Ein Hummer versteht sich besser aufs Loslassen als jeder Mensch.“
Jesus sagt es anders: „Wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.“ (Mt 16,25) Vielleicht ist unser „alter Panzer“ genau das, was wir heute Gott hinhalten dürfen: unsere Angst, unseren Stolz, unsere Verletzungen oder unseren Wunsch, alles selbst bestimmen zu wollen. Loslassen bedeutet bei Gott nicht verlieren. Es bedeutet, frei zu werden für neues Leben.

Es gibt Fragen, auf die wir schnell eine Antwort finden, und es gibt Fragen, die uns ein Leben lang begleiten: Wer bin i...
23/08/2026

Es gibt Fragen, auf die wir schnell eine Antwort finden, und es gibt Fragen, die uns ein Leben lang begleiten: Wer bin ich eigentlich – und wer bin ich in den Augen Gottes? Genau hier beginnt das Evangelium vom 21. Sonntag im Jahreskreis (Mt 16,13-20). Jesus fragt: „Für wen halten die Menschen den Menschensohn?“ Und dann: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Petrus antwortet: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Und Jesus antwortet ihm: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ (Mt 16,18)
Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch beschreibt in seinem Roman „Stiller“ einen Menschen, der sich dagegen wehrt, dass andere ihm seine Identität zuschreiben. Die anderen sagen ihm, wer er ist und was seine Vergangenheit bedeutet, er selbst weigert sich, auf dieses Bild festgelegt zu werden. Das heutige Evangelium geht noch tiefer: Nicht die anderen und auch nicht unsere Vergangenheit haben das letzte Wort über uns, Christus hat es.
Jesus weiß, wer Petrus ist: ein Mensch mit Glauben und Zweifel, mit Mut und Angst, der später sogar Jesus verleugnen wird. Und trotzdem sagt Jesus: „Du bist Petrus.“ Gott sieht in einem Menschen nicht nur das, was er gewesen ist, sondern auch das, was durch seine Gnade aus ihm werden kann. Das wird bereits in der ersten Lesung sichtbar. Zu Eliakim sagt Gott: „Ich lege ihm den Schlüssel des Hauses David auf die Schulter; wenn er öffnet, kann niemand schließen, wenn er schließt, kann niemand öffnen.“ (Jes 22,22) Das hebräische Wort für Schlüssel ist מַפְתֵּחַ (mappētaḥ). Der Schlüssel steht so wörtlich gemeint für anvertraute Verantwortung und Vollmacht. Jesus greift dieses Bild auf: „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben.“ (Mt 16,19) Petrus bekommt den Schlüssel nicht als persönlichen Besitz, sondern als Dienstauftrag. Die Kirche gehört nicht Petrus, sie gehört Christus. Und das hat mit unserem Alltag zu tun. Auch wir bekommen immer wieder „Schlüssel“ in die Hand: Ein Ehepartner kann durch ein versöhnliches Wort eine Tür öffnen. Eltern können einem Kind nach einem Fehler eine neue Chance geben. Manchmal ist dieser Schlüssel ganz klein: ein Anruf, ein Besuch, ein ehrliches „Es tut mir leid“, ein offenes Ohr.
Der Schlüssel in unserer Hand bedeutet deshalb nicht: „Das gehört mir.“ Er bedeutet: „Mir ist etwas anvertraut.“ Wenn unsere Antwort mit Petrus lautet: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“, dann dürfen wir auch unser eigenes Leben neu sehen. Vielleicht sagt Christus zu uns: Du bist mein Mensch. Ich kenne dich. Ich rufe dich. Ich vertraue dir. Und dann können auch wir einen Schlüssel weitergeben: durch Vergebung, durch Hoffnung, durch einen neuen Anfang. Denn Paulus führt uns schließlich ins Staunen: „O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!“ (Röm 11,33) Wir verstehen Gottes Wege nicht immer. Aber wir dürfen ihnen vertrauen.

Wenn wir auf das Bild „Jesus und die kanaanäische Frau“ von Juan de Flandes, um 1500, schauen, sehen wir eine Frau, die ...
16/08/2026

Wenn wir auf das Bild „Jesus und die kanaanäische Frau“ von Juan de Flandes, um 1500, schauen, sehen wir eine Frau, die mit ihrer Not zu Jesus kommt. Sie weiß, dass sie nicht selbstverständlich dazugehört, und dennoch wagt sie es, ihn anzusprechen: „Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids!“ (Mt 15,22). Der heilige Gregor der Große sagt: „Die göttlichen Worte wachsen mit dem Lesenden“ (Homiliae in Ezechielem I,7,8; PL 76,843D). Dieses Wort begleitet uns am 20. Sonntag im Jahreskreis, denn die drei Lesungen öffnen unseren Blick immer weiter: von Israel zu den Völkern und schließlich zu einer fremden Frau, deren Glaube Jesus selbst groß nennt. Jesaja verheißt: „Mein Haus wird ein Haus des Gebetes für alle Völker genannt werden“ (Jes 56,7). Gottes Erwählung Israels ist also keine Abgrenzung gegen die anderen Völker. Israel bleibt Gottes Volk, und zugleich soll Gottes Heil alle erreichen. Paulus bringt es auf den Punkt: „Denn unwiderruflich sind die Gnadengaben und die Berufung Gottes“ (Röm 11,29). Gott bleibt Israel treu. Und doch will er sich, wie Paulus sagt, „aller erbarmen“ (Röm 11,32). Diese Weite Gottes wird im Evangelium sichtbar. Die kanaanäische Frau gehört nicht zu Israel, man könnte sie als heidnische Frau bezeichen. Sie bittet und Jesus schweigt. Die Jünger wollen sie fortschicken. Trotzdem bleibt sie bei Jesus und sagt: „Herr, hilf mir!“ (Mt 15,25). Und dann hören wir den entscheidenden Satz: „Frau, dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie du willst“ (Mt 15,28). Im Griechischen steht: μεγάλη σου ἡ πίστις: „Groß ist dein Glaube.“ Das Wort μεγάλη, „groß“, steht am Anfang und wird dadurch besonders hervorgehoben. Warum ist ihr Glaube groß? Nicht weil sie alles versteht. Nicht weil sie eine besondere Stellung besitzt. Sondern weil sie trotz allem an Jesus festhält. Sie erlebt sein Schweigen, die Zurückweisung und die scheinbare Grenze – und geht dennoch nicht weg. Vielleicht ist das auch für unseren Glauben entscheidend: Glaube bedeutet nicht, alles zu verstehen. Glaube bedeutet, Christus nicht loszulassen, auch wenn wir ihn nicht verstehen.
Die kanaanäische Frau kommt außerdem wegen ihrer Tochter. Ihr Glaube wird zur Fürsprache. Auch wir dürfen Menschen, für die wir nichts mehr tun können, zu Jesus bringen und beten: „Herr, hilf!“ Die drei Lesungen führen uns damit zu einer gemeinsamen Botschaft: Gott bleibt Israel treu, seine Berufung ist unwiderruflich, sein Heil öffnet sich für alle Völker, und seine Barmherzigkeit kennt keine Grenzen. Vielleicht müssen wir uns deshalb fragen: Sind unsere Grenzen manchmal enger als die Grenzen Gottes? Und vielleicht dürfen wir heute dieses Wort Jesu als Bitte mitnehmen: „Herr, schenke mir einen solchen Glauben, einen Glauben, der bleibt, der bittet und der vertraut, auch wenn ich deinen Weg nicht verstehe.“ Denn „Divina eloquia cm legente crescunt“ – die göttlichen Worte wachsen mit dem Lesenden. Und vielleicht wächst heute in uns vor allem dieses eine Wort: „Frau, dein Glaube ist groß.“ (Mt 15,28)

Wenn man in Venedig auf die Insel Torcello kommt und die alten Mosaike in der wunderbaren Kathedralkirche betrachtet, be...
14/08/2026

Wenn man in Venedig auf die Insel Torcello kommt und die alten Mosaike in der wunderbaren Kathedralkirche betrachtet, begegnet man einer Welt, die längst vergangen ist und doch bis heute zu uns spricht. Die Kirche wurde 639 im Auftrag des Exarchen von Ravenna Isaacius errichtet, um dem bischöflichen Stuhl von Altinum einen neuen Sitz zu geben. Kurz zuvor hatte deren Bischof Paulus in der Stadt Turricellum Zuflucht vor dem Angriff der Langobarden gefunden und den Kirchenschatz und die Reliquien der Diözese dorthin mitgenommen. Das neue städtische Zentrum wurde bald zu einem der wohlhabendsten in der Republik Venedig. So wurde die Kirche zum ersten Mal im Jahr 826 vergrößert. Im Jahr 1008 wurde sie auf Wunsch des neu eingesetzten Bischofs Orso Orseolo, Sohn des Dogen Pietro II. Orseolo, wieder aufgebaut und mit dem Patrozinium der Aufnahme Mariens in den Himmel versehen. Viele kleine Steine fügen sich an den Wänden der Kirche zu einem großen Bild. Vielleicht ist das ein schönes Bild für unser Leben: Wir sehen oft nur einzelne Steine – Gott aber sieht das ganze Bild. Mit diesem Gedanken feiern wir heute Maria, aufgenommen in den Himmel.
Die Frage dieses Festes ist eine sehr persönliche: Was ist das Ziel unseres Lebens? Was bleibt von dem, was wir leben, hoffen und lieben? Die erste Lesung aus der Offenbarung sagt: „Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.“
(Offb 12,1) Maria erscheint hier als Zeichen der Hoffnung, aber nicht in einer Welt ohne Bedrohung. Auch ihr Leben kennt Unsicherheit, Schmerz und schließlich das Kreuz. Das ist auch unsere Erfahrung: Wir kennen Sorgen, Abschied, Krankheit, Enttäuschung und die Frage: Wie geht es weiter?
Maria zeigt uns nicht ein Leben ohne Schwierigkeiten, sondern ein Leben, das Gott auch in den Schwierigkeiten vertraut. Das Evangelium erzählt: „In diesen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.“
(Lk 1,39) Im griechischen Text steht dafür ἀναστᾶσα, wörtlich: „aufgestanden“, „sich erhoben“, „sich aufgemacht“. Maria hört Gottes Wort – und sie bleibt nicht sitzen. Sie steht auf und geht. Ihr Glaube bringt sie in Bewegung. Sie geht zu Elisabet, zu einem Menschen, der sie braucht. Vielleicht ist das auch eine Frage an uns: Führt unser Glaube uns zu den Menschen oder bleiben wir bei unseren Sorgen und uns selbst stehen? Elisabet sagt zu Maria: „Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.“
(Lk 1,45) Maria glaubt, obwohl sie nicht alles versteht. Der heilige Augustinus schreibt: „Christum prius mente quam ventre concipiens.“
„Christus zuerst im Geist als im Leib empfangend.“ (Augustinus, Sermo 215,4; PL 38,1074) Maria nimmt Christus zuerst im Glauben auf. Und dieser Glaube wird zu ihrem Weg. Auch wir müssen nicht auf alle Fragen des Lebens eine Antwort haben. Glauben heißt manchmal einfach: Ich verstehe es nicht – aber ich vertraue darauf, dass Gott mich nicht verlässt. Darum ist die zweite Lesung so entscheidend. Paulus schreibt: „Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen.“
(1 Kor 15,20) Und: „Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.“ (1 Kor 15,22) Das ist die Mitte unseres Glaubens: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Christus hat das letzte Wort – und sein Wort heißt Leben. Maria ist das Zeichen dafür. Was Gott an ihr vollendet hat, ist unsere Hoffnung.
Torcello kann dafür ein gutes Beispiel sein. Vieles, was hier einst lebendig war, ist vergangen; aber Spuren sind geblieben. Die Mosaike erzählen noch immer vom Glauben früherer Generationen. Auch unser Leben ist wie ein Mosaik. Es gibt helle und dunkle Steine, Freude und Leid, Gelungenes und Unverstandenes. Wir sehen einzelne Steine – Gott sieht das ganze Bild. Deshalb müssen wir nicht alles festhalten. Wir dürfen unser Leben Gott anvertrauen: unsere Freude, unsere Sorgen, unsere Vergangenheit und unsere Zukunft. Maria zeigt uns: Ein Leben mit Gott ist kein Leben ohne Kreuz, aber ein Leben, das durch das Kreuz hindurch zur Vollendung geführt wird. Darum beten wir heute mit ihr:
„Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.“
(Lk 1,46–47) Und wir bitten:
Maria, hilf uns zu vertrauen, wenn wir nicht verstehen. Hilf uns aufzubrechen, wenn wir stehen bleiben. Hilf uns, für andere da zu sein, und führe uns immer wieder zu deinem Sohn. Denn das ist unsere Hoffnung: Christus ist auferstanden. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Und unser Leben ist in Gottes Händen.

Diese Woche fanden im Befehlsbereich Wien die Firmvorbereitung und die Soldatenfirmung mit sechs Firmkandidaten statt. D...
14/08/2026

Diese Woche fanden im Befehlsbereich Wien die Firmvorbereitung und die Soldatenfirmung mit sechs Firmkandidaten statt. Die Feier wurde von Militärerzdekan Harald Tripp in Vertretung von Militärbischof Werner Freistetter geleitet und musikalisch von der Militärmusik Niederösterreich umrahmt.
✝️Im Mittelpunkt der Feier stand die Frage, was Menschen Orientierung und Halt gibt, wenn das Leben herausfordernd wird. Unter dem Leitgedanken des Buches von Jan Loffeld „Wenn nichts fehlt, wo Gott fehlt. Das Christentum vor der religiösen Indifferenz“ wurde deutlich gemacht, dass neben Arbeit, Kameradschaft, Familie und Sicherheit auch die Frage nach dem persönlichen Fundament des Lebens wichtig ist. ✝️In seiner Predigt stellte Militärerzdekan Harald Tripp die sieben Gaben des Heiligen Geistes in den Mittelpunkt: Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Sie können den Firmkandidatinnen und Firmkandidaten als geistliche „Ausrüstung“ auf ihrem weiteren Lebensweg dienen – als Hilfe, um gute Entscheidungen zu treffen, Herausforderungen zu bewältigen und den eigenen Weg im Vertrauen auf Gott zu gehen. 😇Auch das Gedenken an die Heiligen Hippolyt und Pontianus gab der Feier einen besonderen Akzent. Ihre zunächst von Konflikten und Gegnerschaft geprägte Geschichte, die schließlich in Versöhnung mündete, erinnert daran, dass Heiligkeit nicht bedeutet, ohne Konflikte zu leben. Vielmehr zeigt sie sich darin, wie Menschen mit Streit, unterschiedlichen Überzeugungen und der schwierigen Aufgabe der Versöhnung umgehen. ✝️Den sechs Firmkandidaten wurde dabei eine ermutigende Zusage mit auf den Weg gegeben: Sie müssen ihr Leben nicht allein bewältigen. Wenn Orientierung, Mut oder die Kraft zur Versöhnung fehlen, ist der Heilige Geist da. Die musikalische Gestaltung durch die Militärmusik Niederösterreich verlieh der Feier einen würdevollen und festlichen Rahmen. ✝️Mit dem Empfang des Firmsakraments und den sieben Gaben des Heiligen Geistes sind die sechs jungen Soldatinnen und Soldaten nun gestärkt, ihren weiteren Weg mit Vertrauen, Verantwortung und Zuversicht zu gehen.💪👍🙏Fotos: Weimann/ÖBH

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