06/08/2025
Ein schmaler Streifen Wildnis!
Die Kurzgeschichte einer kleinen Flußreise......
Seit einer Woche hab ich nun Urlaub und heuer beschlossen zum ersten mal in meinem Leben kein große Reise anzutreten, sonder bewusst zu entschleunigen und mehrere kleine Microabeteuer in die Tat umzusetzen.
In meiner Kindheit in den 80igern hab ich am Rand mitbekommen, dass da im Niemandsland auf der anderen Seite der Donau ein großer Kanal gebuddelt wird, damit auch weiterhin Chremespinat von Iglo auf meinem Teller landet! 😋
Doch zog dieses Projekt nicht genügend Aufmerksamkeit auf sich, sodaß ich erst vor guten 10 Jahre, als ich bereits Kanute in seinen Anfängen war, seine Aufmerksamkeit auf sich, denn so viele Gewässer hat der zu tode Regulierte Osten Österreichs nicht zu bieten und da ist man über jeden See- oder Flusskilometer happy, welchen man befahren kann.
So hab ich den Kanal nun über Jahre hinweg mit dem Kanu, zu Fuß, mit dem SUP, schwimmend und mit dem Rad erkundet und nun genügend Informationen gesammelt um den Gesamten Kanal und Bach am Stück zu befahren.
Los gings am Montagvormittag beim Einlass des Marchfeldkanales in Langenzersdorf, was mich schon vor die erste Herausforderung stellte, da es links und rechts nur Beton gab und ich somit mein Kanu gleich mal anderthalb Meter die Wand runterlassen und beladen musste um dann über einen in Wasser ragenden Ast in Boot zu klettern.
Gleich mal die erste Challenge, bevor noch die Challenge beginnt! 😏
Und nun gings die ersten Kilometer schnürlgerade der Donauuferautobahn entlang, welche das Vogelgezwitscher mit gleichmäßigem "Meeresrauschen" der Autoreifen überlagerte und mein erstes Wehr zum Umsetzen auf mich wartete.
Bei Strebersdorf geht scharf links nach Norden durch einen Betoncanyon, welcher dann plötzlich in zwei kleine Seen (ehemalige Teile der Schwarzlackenau) mündet.
Jene Seen verließ ich über einen der vier Tunnel mit sanften Wildwassercharakter und ging über in den Teil, des Marchfeldkanales über, welcher in einer teils architektonisch und landschaftsgestalterisch einzigartigen Weise seinen Weg durch Floridsdorf findet.
Am Ende dieses Abschnittes warten ein laaaange Gerade bis Deutschwagram, auf welcher einem zwei weiter Wehre den Genuss des Umsetzens bescherten. 🤭
In Deutsch-Wagram endet der Marchfeldkanal, da aus den Bergen nördlich von Stockerau der Rußbach seinen Weg bis Deutsch-Wagram gefunden hat und die Wasserarchitekten der 80iger die schlaue Idee hatten, den an sich kleinen Rußbach von hier an zu vergrößern und teils zu begradigen, um das Projekt Marchfeldkanal von hier aus etwas kosteneffizienter vorantreiben zu können.
Ab Deutsch Wagram verändert sich die Charakteristik des Flußverlaufes zunehmend und das nicht nur weil im Fall meiner Tour ich nicht nur von Wasser getragen wurden, nein weil es auch vom Himmel fiel! 😂
Nein, im ersten und recht dicht besiedelten Teil meiner Flußreise bieten sich einige Möglichkeiten zum anlanden und pausieren an und der Fluß ist stets breit genug um zwischen den von der Seite hineinragenden Sträuche und Äste seinen Weg zu finden.
Ab nur wurde es zunehmend wilder und als wäre die Wassergasse stellenweise nicht schon eng genug, drückte der Regen das Schilf in die Mitte und somit blieb mir oft keine andere Wahl als Augen zu und durch!
Nach jeder dieser Durchstiche durchs "Gemüse" begann ich wie ein Schaffner der ÖBB "jemand zugestiegen" nachzufragen, das auf den Schilfhalmen und Ästen der Bäume und Strächer zahlreiche Spinnen, Käfer und sonstiges Getier zu mir einstieg und sich selbst am Schirm meiner Kappe abseilten um "hallo" zusagen.
Für ca. zwei Stunden konnte ich die Sitiuation mit Humor nehmen, ehe ich die erste Chance auf einen brauchbaren Lagerplatz am Ufer des Glinzendorfer Biotopes sofort aufgriff, den imaginären Anker warf, und völlig dreckig, durchnässt und unterkühlt mein Nachtlager aufschlug.
Zum Glück hat es zu dem Zeitpunkt auch zu regnen aufgehört, denn ein Lager im Regen aufzuschlagen ist erfahrungsgemäß recht witzlos.
Doch unter den gegebenen Umständen gibt es etwas, dass einem mit Zufriedenheit erfüllt.
Dankbarkeit und Demut!
Ich war zufrieden das es zu regnen aufgehöhrt hat, ich einen guten Lagerplatz gefunden hatte, ich mich mit Bio-Wurschtfleckerln mit Maissalat stärken konnte und den Luxus hatte eine Gutenachtdoku über die Schlacht am Wagram auf meiem Ipad sehen zu können.
Am nächsten Morgen wurde ich daran erinnert keine 25 mehr zu sein.
3 cm Isomatte und ein Miniaufblaskissen sind für jemand, der davor einen ganzen Tag im Kanu geknotzt ist, nicht die besten Voraussetzungen für eine erholsamen Schlaf, was das Foto vom Morgenspaziergang eindrucksvoll beweist! 😼
Der war übrigens traumhaft schön und ich kam in den Genuss der Morgenstimmung einer Tiefebene, wenn die Sonne die Pflanzen und Tiere mit Licht erfüllt.
Enten, Blässhühner, Rallen, ein Sumpfschildkröte, Reiher, Milane, einen Seeadler, einen Falken, ein Reh, mehrer Nutrias, Mäuse und unzählige Insekten kreuzten übrigens meine Flußreise!
Und nun gings weiter!
Das durch und durch feuchte Zelt, den Schlafsack, Isomatte usw. zusammenpacken, einen Kaffee zubereiten, die morschen Knochen einrenken und ab in die Nussschale, welche mich meinem Ziel näher bringt!
Das Wetter war gut, der Kanal noch stets sehr schmal, und zugewuchert, doch stets genügend Raum um noch irgendwie durchzuflutschen.
Einzig an einer Stelle scheint ein Biber volle arbeit geleistest zu haben und legte mir einen großen Baum quer ins Flußbett, welcher mich dazu zwang mein Kanu samt Gepäck durch die Brennesseln am Ufer zu ziehen, was jedoch sehr durchblutungsfördernd war! 😉
Doch allmählich tat sich ein Problem auf. Ich paddelt schon seit zwei Stunden am Stück und lief auf einer Hand voll Kricherln und vier Zwetschken, welche mein kleines Frühstück darstellten, etwas unterzuckert.
In diesen zwei Stunden gab es keine einzige Möglichkeit vernünftig anzulanden. Überall Schilf, Brennesseln und sonstig mit Dornen bestücktes Gestrüpp! 😳
Ein Umstand der auf Flußreisen ab und an ein wenig Klaustrophobie bei mir auslöst, weil ich mich im Fluß ein wenig gefangen fühle. Doch zum Glück fand ich dann ein scheinbar recht schlecht besuchtes Fischerplätzchen, bestehend aus einer ins Wasser ragenden Palette mit samt am Baum befestigten alten Gartensessel. Genug um nun endlich ein nährendes Frühstück einzunehmen und eine wenig in der Sonne zu pausieren.
Gestärkt gings nun an die letzte Etappe und ich auf Grund meiner vorangegangenen Erkundungen wusste, dass sich die Charakteristik des Rußbaches am Ende in Richtung eines häßlichen Kanales, eigezwängt zwischen zwei Hochwasserdeiche entwickeln würde, wo es keinen schattenspendenen Pflanzenbewuchs am Rande der Böschung geben wird.
Doch so durchfeuchtet und konstant ein wenig untertemperiert, ist auch mal schön von der Sonne ordentlich gebraten und aufgetaut zu werden und somit konnte auch diesen Abschnitt genießen in dem ich dem Thebener Kogel auf slowakischer Seite
vor Augen hatte, welcher das Ende meiner Flußreise ankündigte.
In etwa zwei bis drei Kilometern vor der Einmündung des Rußbaches in die Donau endete jene nämlich, da jener Abschnitt an der Grenze zum Nationalpark Donauauen ist und das stetig in Flüsse fallende Totholz, ein passieren mit den Kanu unmöglich macht!
Stolz über meiner Leistung und glücklich darüber es geschafft zu haben, nahm ich abschließend ein Bad im Rußbach, zog mir saubere Kleidung an, versteckte den Großteil meines Equipments in Gebüschen und machte mich auf die laaange Reise zu Fuß, per Anhalter und mit der Bahn zurück nach Langenzersdorf, um mir mein Auto zu holen, mit dem ich dann wieder zurück zum Ausstiegsstelle fuhr, um mir mein Zeugs zu holen.
Fazit!
Das Kanalsystem des Marchfeldkanales wurde, was ihn seiner Zeit einzigartig war, nicht bloß als Wasserkanal, nein als naturnaher Fluß zur Freizeitrekreation angelegt.
Naturnaher Fluß ist es gewiss.
Als Freizeitrekreationsgebiet egal ob zu Fuß mit dem Rad und vor allem mit dem Kanu ist der gesamte Flußverlauf noch sehr ausbaufähig.
Die Lokalwirtschaft (mit Ausnahme der Bauern), die Gastronomie, also auch die Beherbergungsbetriebe sind in der gesamte Region tot und außer mit Schoss Hof & Niederweiden, sowie dem Nationalpark Donauauen, hat die Region auf dem ersten Blick kaum etwas zu bieten.
Auf den zweiten Blick sehr wohl, denn es liegt eine einst von einer Wildnis der Donauauen in eine Kulturlandschaft liegende Region vor uns, welche Millionen von Mäulern nährte, Menschen Beschäftigung bot, von der Aristokratie hoch geschätzt wurde und die große Chance in sich trägt, der Natur wieder mehr Raum zu geben und sie dem Menschen so zugänglich zu machen, dass sie den Wert der Renaturierung auch wahrnehmen kann!
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