23/04/2026
Tagung 2026:
Religionen, Krieg und Frieden
SALZBURG. Am Dienstagabend und Mittwoch fand die jährliche Tagung zur Förderung des Interreligiösen Dialogs der Kommission Weltreligionen der Österreichischen Bischofskonferenz im Bildungszentrum St. Virgil Salzburg statt. Dabei wurde das Friedenspotenzial der Religionen ausgelotet und zugleich deren ambivalente Rolle in Konflikten kritisch reflektiert. Der Dienstagabend stand als öffentlicher Auftakt unter dem Titel „Frieden leben“. Der Mittwoch stand im Zeichen interdisziplinärer und interreligiöser Perspektiven.
Geschäftsführender Vorsitzender des Referats und Vertreter der Diözese Graz-Seckau Markus Ladstätter betonte: „Wenn wir in Österreich über Krieg und Frieden reden, tun wir das unter dem Privileg, dass wir hier in Frieden leben.“
Referats- und Militärbischof Werner Freistetter sprach zum Thema „Diener der Sicherheit und Freiheit der Völker“, einem Zitat aus dem Schreiben „Gaudium et spes“ (79) des Zweiten Vatikanischen Konzils, das in einem unruhigen und mit Konflikten aufgeladenem Jahrzehnt entstanden sei.
Auf die christliche Verantwortung und die Möglichkeit, daraus zu handeln, machte Cesare Zucconi, Generalsekretär von Sant‘ Egidio in Rom, aufmerksam. Für ihn ist Frieden nichts Statisches. Die Religionen können einen großen Beitrag leisten und tun dies auch. Seit einiger Zeit sei ein „hilfloses Schweigen der Bevölkerung“ zu vernehmen.
Perspektiven Wissenschaft und Praxis
Zu Wort kamen bei der Tagung Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Religionsgemeinschaften sowie aus Wissenschaft und Praxis. Den Auftakt am Mittwoch bildete ein Vortrag der Leiterin des Büros der Vereinten Nationen für Abrüstungsfragen, Rebecca Jovin, die den Zusammenhang von Abrüstung und Friedenssicherung beleuchtete.
Der Grazer Religionswissenschaftler Franz Winter ordnete das Thema religionswissenschaftlich ein. „Religionen haben ihren Anteil an Gewalt in der Welt“, so seine These.
Interreligiöse Akzente
Im weiteren Verlauf wurden spezifische religiöse Zugänge thematisiert: Islamische Perspektiven präsentierten der Wiener Militärimam Kenan Corbic und der Hauptimam der Bosniakischen Kultusgemeinde Österreich Senad Kusur. Corbic betonte, es gebe das falsche Narrativ des gewaltbereiten Islam, wobei es Regeln für den friedlichen Umgang miteinander im Islam gibt. Der dschihadistische Islam, in dem die Religion für Gewalt missbraucht wird, vertrete eine Minderheit – der Terror von „9/11“ habe das Bild über den Islam nachhaltig negativ geprägt. Corbic machte auf die unterschiedlichen Verwendungen des Wortes „Dschihad“ aufmerksam – der größte „Dschihad“ sei der „Kampf gegen sich selbst“. Er zeigte sich überzeugt: „Es gibt keinen heiligen Krieg im Islam.“ Es brauche einen „Bildungs-Dschihad“.
Kusur beschrieb, ausgehend von der Sprache, unterschiedliche Konzepte, die zum Frieden führen – Gerechtigkeit, Geduld, Schöpfungsliebe und Anerkennung von Vielfalt seien etwa Grundpfeiler dafür. Er zeigte sich überzeugt: „Am Frieden kann man nur gemeinsam arbeiten.“
Eine persönliche jüdische Wahrnehmung brachte die Landesrabbinerin in Sachsen Esther Jonas-Märtin ein. Das Gebot „du sollst nicht töten“ begleite das Judentum, wobei es eine Ausnahme zur Selbstverteidigung seitens des Staates Israel zum Schutz des jüdischen Lebens gebe.
Beiträge zu buddhistischen Ansätzen kamen von Gerald Schinagl. Buddha, Religionsgründer und Vorbild, habe die Gewaltlosigkeit gelehrt, er habe sich durch liebende Güte zur Wehr gesetzt. Aktuelle Beispiele aus buddhistisch geprägten Ländern zeugen von kriegerischen Auseinandersetzungen und Friedenspotenzial.
Christliche Positionen wurden von der katholischen Theologin Katja Winkler und vom orthodoxen Theologen Ioan Moga diskutiert. Winkler sprach über Friedenspotenziale und die Frage nach einem „gerechten Krieg“ oder einem „gerechten Frieden“. Religion sei aufgrund der großen Pluralität ambivalent – als Friedens- und Kriegsstifterin.
Moga plädierte, aus systematisch-theologischer Perspektive, neben einer Friedensethik und einer starken, befreienden, friedensorientierten Spiritualität für eine Friedenstheologie.
Ergänzt wurde das Programm durch einen „Marktplatz für Friedensinitiativen“, bei dem Organisationen wie Sant‘ Egidio, Pax Christi Österreich, der Internationale Versöhnungsbund (IFOR), das Friedensbüro Salzburg, Likrat und die Militärseelsorge ihre Arbeit vorgestellt haben.
Die jährlich stattfindende Tagung wurde heuer veranstaltet in einer Kooperation von St. Virgil Salzburg und der „Kommission Weltreligionen“ der Österreichischen Bischofskonferenz mit der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Edith Stein, der Privaten Hochschule Augustinum Graz und dem Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen der Universität Salzburg.
(Text: Michaela Greil im Auftrag der Katholischen Nachrichtenagentur Kathpress. Fotos: MIG-Pictures e.U./Michaela Greil).
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https://www.kathpress.at/goto/meldung/2573364/militaerbischof-pocht-auf-einhaltung-des-humanitaeren-voelkerrechts