14/09/2026
SCHULBEGINN IN MAUTHAUSEN: VERSCHIEDEN. UND GERADE DESHALB GEMEINSAM.
Heute haben wir mit den 2., 3. und 4. Klassen der Volksschule Mauthausen gemeinsam den Beginn des neuen Schuljahres in der Kirche gefeiert. Mit unserer neuen katholischen Religionslehrerin Martina Ringo – herzlich willkommen in Mauthausen! – und dem islamischen Religionslehrer Eyup Güran.
Im Mittelpunkt stand ein ganz einfacher Gedanke: Wie gut, dass wir nicht alle gleich sind.
Wir sehen unterschiedlich aus. Wir können unterschiedliche Dinge gut. Wir denken verschieden. Wir glauben unterschiedlich. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – können wir eine Gemeinschaft sein.
Am Ende habe ich die Kinder gefragt: „Wisst ihr eigentlich, welche Sprache Jesus gesprochen hat?“
Eine Antwort war: „Biblisch!“ 😄
Das hat mir besonders gut gefallen. Eine andere Antwort war Hebräisch.
Jesus sprach vor allem Aramäisch. Und dann habe ich den Kindern erzählt, dass das aramäische Wort für Gott „Alaha“ lautet und eng mit dem arabischen „Allah“ verwandt ist.
Und etwas ist mir dabei besonders wichtig: Auch arabischsprachige Christ:innen sagen zu Gott „Allah“. Allah ist also kein anderer Gott. Es ist schlicht das arabische Wort für Gott.
Plötzlich merkt man: Manches, von dem wir glauben, dass es uns trennt, liegt viel näher beieinander, als wir denken.
Deshalb habe ich auch unseren Segen etwas verändert und ganz bewusst einmal Gott und einmal Allah gesagt:
Gott segne euch in eurer Verschiedenheit und in allem, was euch verbindet.
Allah segne eure Augen, damit ihr seht, wenn jemand euch braucht.
Gott segne eure Ohren, damit ihr einander wirklich zuhört.
Allah segne eure Hände, damit ihr helft, tröstet und miteinander teilt.
Gott segne eure Füße, damit ihr gute Wege geht und niemanden zurücklasst.
Allah segne euer Herz, damit darin Platz ist für Freundschaft, Mut und Freude.
Vielleicht brauchen wir genau solche Erfahrungen. Eine Kirche, in der Verschiedenheit Platz hat. Eine Schule, in der niemand ausgegrenzt wird. Menschen, die nicht ständig danach suchen, was sie trennt, sondern neugierig werden aufeinander.
Verschieden zu sein ist kein Problem.
Es kann ein Geschenk sein.
Ich wünsche allen Kindern, Eltern und Lehrer:innen in Mauthausen ein gutes Schuljahr. Mit offenen Augen, offenen Ohren und einem weiten Herzen.
Julian Gillesberger, Seelsorger
Fotocredit: Adelheid Rumetshofer (Altarbild Mauthausen 2014) Weniger anzeigen