09/07/2026
𝗠𝗶𝘁 𝘄𝗲𝗶𝘁𝗲𝗺 𝗛𝗲𝗿𝘇𝗲𝗻 𝗱𝗲𝗺 𝗦𝗼𝗺𝗺𝗲𝗿 𝗲𝗻𝘁𝗴𝗲𝗴𝗲𝗻
𝗕𝗲𝗿𝗴𝘀𝗲𝗴𝗲𝗻 𝗶𝗻 𝗛𝗼𝗳
Ein Blick hinein in den Juli: In der spröden Vormittagsh*tze steht auf einer frisch gemähten Wiese im Inzinger Weiler Hof ein liebevoll geschmückter, improvisierter Altar. Wie selbstverständlich fügt er sich in die sommerliche Landschaft mit Blick zur Hohen Munde ein. Im offenen Rund leuchten dickrote Ribiseln an einem Busch. Über dem Weiler spannt sich ein Himmel, der den Blick weit werden lässt. Eine Biene zieht geschäftig ihre Kreise. Die Natur strahlt satt und reift dem Sommer entgegen. Wachsen und Gedeihen künden von jener Fülle, die die kommenden Erntemonate schenken werden. Wie flimmerndes Sonnenlicht liegt auch die Verheißung dieses Reichtums schon in der warmen Sommerluft. Kaum ein Ort hätte an diesem 5. Juli passender sein können, um gemeinsam den Bergsegen zu feiern.
Ganz selbstverständlich fügte sich der Gesang des Männerchores Friedrichslinde in die Stimmung dieses sommerlichen Vormittags ein und führte behutsam durch den Gottesdienst. Wer an diesem Vormittag den Weg nach Hof gewandert war, erlebte einen Gottesdienst, in dem Natur, Musik und Glaube miteinander im Einklang standen.
Diesen Einklang rückte Pfarrer Josef Scheiring in den Mittelpunkt seiner Predigt und verlieh den Gedanken einer Enzyklika des verstorbenen Papstes Franziskus erzählerisch Gestalt. In Laudato si' lädt der Papst dazu ein, die Schöpfung nicht als Selbstverständlichkeit zu betrachten, sondern als Geschenk, das Ehrfurcht, Dankbarkeit und Verantwortung verdient. Den zentralen Gedanken seiner Predigt fasste Pfarrer Josef mit einem Zitat aus Laudato si' zusammen: „Wo das Staunen stirbt, beginnt die Ausbeutung.“
Die tiefe Verbundenheit und die lebendige Beziehung zwischen Mensch und Natur wachsen genau dort: im immer wieder neuen Staunen und Entdecken, in der Dankbarkeit für die großen und kleinen Wunder des Alltags und des Besonderen. Wer die Natur nicht als Selbstverständlichkeit begreift, begegnet ihr mit jener Demut, aus der Verantwortung wächst.
Und als hätte sich selbst der Himmel auf Worte wie diese vorbereitet, schienen die Gedanken des heiligen Franziskus, sein Sonnengesang und seine Zwiesprache mit der Schöpfung wie eine leise Fürsprache die Lebendigkeit dieses Vormittags zu prägen. So erschuf sich wie von selbst ein Mikrokosmos des Lebens, in dem Natur, Glaube, Musik und Gemeinschaft in harmonische Beziehung zueinander traten, in gegenseitiger Resonanz, offen für die Welt und zugleich tief verwurzelt im Dorf.
Zum Abschluss bat Pfarrer Josef um Gottes Segen für die Natur, für die Menschen und für das Dorf. Gerade in einer Gemeinde wie Inzing, deren Leben seit Generationen eng mit der Landschaft, den Wäldern, den Wiesen und den Jahreszeiten verbunden ist, wird ganz unmittelbar immer wieder spürbar, wie untrennbar Glaube und Schöpfungsverantwortung miteinander verbunden sind. Wer das Staunen bewahrt, bewahrt auch die Schöpfung und mit ihr ein Stück Heimat.
Über die große Zahl an Besucherinnen und Besuchern freuten sich Pfarrkuratorin Christine Neuner und Pfarrer Josef Scheiring. Sie zeigte zugleich, wie lebendig die Tradition des Bergsegens bis heute ist. Beim anschließenden liebevoll vorbereiteten Buffet blieb Zeit für herzliche Begegnungen und gute Gespräche. So klang der schöne Vormittag in sommerlicher Atmosphäre in aller Ruhe aus.
© Fotos und Text: Angela Pargger