06/09/2026
Predigt zum 23. Sonntag im Jahreskreis
Liebe Glaubensschwestern und Glaubensbrüder!
“Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.”
Es gibt wohl keinen Bibelvers, den ich persönlich öfter verwende, öfter höre oder öfter
erfahre. Ein einzigartiges Versprechen steckt in diesem Vers: Ich – dein Gott - bin
immer bei euch, in allen Zeiten, an allen Orten – allezeit - überall.
Wo zwei oder drei sich in meinem Namen treffen: Ich bin in eurer Mitte! Das ist kein
leeres Versprechen! Das sind keine leeren Worte.
Wenn ich hin und wieder am Donnerstag den Frühgottesdienst halte, an dem wir uns zu
fünft oder zu sechst treffen, dann sage ich meist zum Mesner und Lektor, dem Herrn
Pichler – oder er zu mir: “Wo zwei oder drei in Jesu Namen versammelt sind!” In solchen
Feiern spüre ich in besonderer Weise das Band, das uns Glaubende in dieser
Morgenstunde untereinander und mit Gott verbindet.
Vor zwei Wochen wurde ich auf die Palliativstation ins Krankenhaus Gmunden zu einer
Frau gerufen, der es nicht gut ging. Als ich zu ihr hinein ging, lag sie allein im Zimmer.
Sie schnaufte laut, sie rang nach Luft – Atemzug um Atemzug. Als ich mich zu ihr
hingesetzt hatte und mit ihr Gebete sprach, wurde sie von Minute zu Minute ruhiger. Wir
haben gemeinsam gebetet und beide gespürt, es waren nicht nur wir zwei in diesem
Raum. Mitten unter uns war Jesus. Im gemeinsamen Gebet konnte sich die Frau wieder
erinnern: Sie ist niemals allein: Gott ist immer bei ihr, bei jedem Atemzug – der ihr nun
wieder ganz einfach fiel. Beim Verlassen des Zimmers hat die Dame normal geatmet,
sie war wieder ganz ruhig, ruhig in Gott.
Wo zwei oder drei versammelt sind – das ist natürlich kein Aufruf zum Minimalismus,
das heißt nicht: zwei sind eh genug! Ich durfte heuer im Mai zum ersten Mal in Rom
sein, am Petersplatz stand ich beim Angelusgebet unter tausenden Menschen aus aller
Herren Länder. Welch ein Feuer, welch eine Kraft – unvergesslich.
Ja, es dürfen gerne auch mehr sein, als zwei oder drei... Aber was ist mit mir allein?
“Eine Christin ist keine Christin, ein Christ ist kein Christ!”, denn eine Antwort auf die
Frage: “Was ist Gott?” lautet: Gott ist die Liebe. Sich nur selbst zu lieben ist viel zu
wenig, ja es führt vielmehr von Gott weg, wenn man diese Liebe nicht über sich
hinauszuweiten vermag.
Das Ziel Jesu war es, Gemeinschaft zu stiften. Jesus ging nicht alleine nach Jerusalem.
Er sammelte Jüngerinnen und Jünger um sich, er sammelte die Kinder Gottes. Und das
ist heute, an diesem Tag, zu dieser Stunde mehr denn je ein, wenn nicht DER Auftrag
von Kirche: Die Individuen wieder in eine Gemeinschaft zu sammeln.
In einer Gesellschaft, die so sehr auf Selbstoptimierung und ausgrenzender
Individualität besteht, in einer Gesellschaft in der mehr und mehr Menschen jene
wählen, die mit ausgestrecktem Finger auf andere zeigen und die Schuld an
hausgemachten Mieseren anderen zuschreiben, da braucht es eine Kirche, die auf
grundlegende Werte hinweist, da braucht es eine Kirche die eint, die Gemeinschaft
schafft.
Christin und Christ zu sein, heißt über den eigenen Tellerrand hinauszusehen. Die
andere, den anderen erst einmal als Menschen zu sehen. Nicht als Ausländer, als
Ausgetretene, als Schwulen, als Wiederverheiratete. Christin und Christ zu sein
bedeutet, Gott die Gelegenheit zu geben, als Mittler einzutreten, zwischen mir und dir.
Wenn das “Wir” zum Werbespruch degeneriert, wenn das Wir in Festhallen mit RotWeiß-Roten Fahnen erschwungen wird, dann weist uns Jesus auf das hin, was
Gemeinschaft im christlichen Sinne wirklich meint: Wo zwei oder drei, in MEINEM
Namen zusammen sind, - da bin ich mitten unter ihnen.
Im Römerbrief schreibt uns Paulus, wie eine solche Gemeinschaft, in der Jesus mitten
unter uns ist beschaffen ist. Es ist kein einfacher Weg:
“Segnet eure Verfolger, segnet sie, verflucht sie nicht! Freut euch mit den Fröhlichen
und weint mit den Weinenden. Seid untereinander eines Sinnes! Strebt nicht hoch
hinaus, sondern bleibt demütig. (Röm 12,14-16a)
Oder ins Heute formuliert: Wo die Liebe regiert, oder wenigstens die Sehnsucht nach ihr
obliegt, wo das Wir über das Ich siegt, wo die Maxime das Bestreben ist, dass es dir und
euch so gut gehen mag wie mir, da ist Gott mitten unter uns.
Jesus ist mitten unter uns. Er ist wie das Säuseln des Windes, viel zu oft und viel zu
leicht überhören wir ihn, übersehen seine austreckte Hand, mit der er die unsere zum
Handschlag mit der und dem nächsten führen will.
Und ja, es gibt viele, die diesen Handschlag mit uns verweigern. Aber, es ist unsere
Aufgabe als Christinnen und Christen, den Kreis derer zu erweitern, die Christus in ihre
Mitte nehmen wollen. Mit Ausdauer, Geduld und Offenheit. We shall overcome - Ame