12/04/2026
Predigt zum 2. Sonntag nach Ostern (Joh 20,19-31)
Liebe Glaubensschwestern und Glaubensbrüder!
“Friede sei mit euch!”
Ich war heute tagsüber im Priesterseminar in Linz zu einer Supervision für
Diakone. Dort habe ich den schönen Satz aufgeschnappt: Diakone sind
schräge Kerle - man sieht es an der Stola.
Ziemlich schräg verlief jedenfalls die Vorbereitung der heutigen Predigt.
Ungläubig wie Thomas beobachte ich mich selbst, wie ich beim Studium
des Sonntagevangeliums immer wieder an den ersten beiden Versen
hängen bleibe und sie wieder und wieder lese:
Den Menschen ist angst und bange, sie haben sich verbarrikadiert im
eigenen Haus. Unsicher, ob ihnen nicht bald alles um die Ohren fliegt, sie
vor dem Nichts stehen werden oder überhaupt überleben.
Das Feuer, das vom Himmel fällt, ist von einem höchst unheiligen Geist,
der hunderte und tausende Kilometer entfernt einen Einsatzbefehl
gegeben hat. Und mitten in diese tiefe Angst hinein, mitten unter die
Menschen tritt völlig unerwartet Jesus und sagt:
“Friede sei mit euch!”
Wie sehr dürstet die Welt heute nach diesem Frieden? Und wie traurig ist
der Anblick der Friedenstaube, gerupft von den Händen einiger weniger
alter Männer, der Ölzweig welk im Schnabel. Und in all dem Kriegsgetöse,
in aller Finsternis, ein Licht. Jesus, noch mit von der Welt wund
geschlagenem Körper und seinem einfachen Gruß und Wunsch an die
Welt: Friede sei mit euch.
Als Jesus noch mit seinen Jüngern zog hatte er ihnen zugesichert: “Meinen
Frieden gebe ich euch, meinen Frieden lasse ich euch!” Dieser Friede ist
ein innerer Friede, ein Friede nicht von dieser Welt.
“Friede sei mit euch” sind Trostworte in Situationen, wie sie die Jünger
erleben, in Zeiten der Unsicherheit und Angst. Sie erinnern an Jesus
Aufforderung “Fürchtet euch nicht”, die sich in der Bibel 365-mal findet,
einmal für jeden Tag.
Heute versammelten sich die Länder zu Friedensgesprächen.
Die Jünger freuen sich. Thomas traut dem Frieden nicht, nicht dem, was
die Jünger gesehen haben und auch nicht seinen eigenen Augen. Paul
Weismantel, Domvikar in Würzburg, schrieb: “Der Zwillingsbruder unseres
Glaubens heißt Zweifel. Er gehört dazu. Thomas spricht seinen Zweifel aus.
Er nennt seine Bedingungen und Bedenken beim Namen und wird dabei
durch Jesus ernst genommen.”
Situationen, wie sie sie Menschen im Nahen Osten, in der Ukraine und in
viel zu vielen anderen Gebieten der Welt erleben, geprägt von Gewalt,
Brutalität und Not, die nähren den Zweifel. Auch wir kennen solche
Situationen, in anderer Intensität und Ausprägung und doch auch ganz
unmittelbar. Situationen, in denen wir uns fragen, “Wie kann Gott das
zulassen?”
Wenn wir uns dann hinter unserem Kleinmut verstecken, uns
verbarrikadieren, zurückziehen, tritt Jesus in unser Herz und ruft uns zu
“Friede sei mit euch! - Fürchtet euch nicht! - Traut euch zu glauben. Wagt
es, euren Weg zu gehen, ich bin bei euch und lass euch nicht allein.”
Jesus lädt uns ein, unsere Finger in die wunden Stellen zu legen, unsere
Zweifel so richtig kochen zu lassen – “irgendwann sind sie nur noch
Dampf” singen STS. Wenn es uns dann gelingt mit Thomas zu sagen: “Mein
Herr und mein Gott” können wir den Frieden Gottes annehmen, ihn in
unseren Herzen und hinaus in die Welt tragen. Frieden beginnt im Kleinen:
Der Friede mit unserm Selbat führt zu einem Lächeln, einer ausgestreckten
und einer ergriffenen Hand, zu Respekt voreinander und einem
gelingenden immer mehr um sich greifenden Miteinander.
Friede sei mit euch – zweifelsfrei! Amen