Kardinal Christoph Schönborn

Kardinal Christoph Schönborn Emeritierter Erzbischof von Wien

Jesus trennt uns nicht.
17/09/2026

Jesus trennt uns nicht.

Im Gespräch mit Jo Hoffmann berichtet Kardinal Christoph Schönborn,...

Im Auftrag und in Vertretung unseres Ordinarius, Erzbischof Josef Grünwidl, nehme ich im ostungarischen Wallfahrtsort Má...
16/09/2026

Im Auftrag und in Vertretung unseres Ordinarius, Erzbischof Josef Grünwidl, nehme ich im ostungarischen Wallfahrtsort Máriapócs an der Konferenz der Bischöfe der katholischen Ostkirchen Europas teil. Mit diesem Ort sind wir in Wien durch die berühmte Gnadenikone von Máriapócs verbunden, die im Stephansdom verehrt wird.

Im Mittelpunkt der Begegnung steht die gemeinsame Berufung der katholischen Ostkirchen: ihre östliche Identität zu bewahren und im Westen Zeugnis zu geben. Dabei geht es besonders um das liturgische Leben in der Diaspora und um den besonderen Beitrag der katholischen Ostkirchen im Westen.

15/09/2026

Mit großer Dankbarkeit und tiefem Respekt für das Zeugnis unserer Katholikinnen und Katholiken der katholischen Ostkirchen konnte ich gestern Abend während einer feierlichen, “Göttlichen Liturgie“ - wie unsere byzantinischen Mitschriften die Eucharistiefeier nennen - die seelsorgliche Verantwortung für die stetig wachsende Zahl der Gläubigen aus katholischen Ostkirchen in Österreich in die Hände von Erzbischof Josef legen.

Heute konnte ich mit der Pfarrgemeinde das 30-jährige Bestehen der Emmauskirche in Gänserndorf-Süd feiern. Vor 30 Jahren...
13/09/2026

Heute konnte ich mit der Pfarrgemeinde das 30-jährige Bestehen der Emmauskirche in Gänserndorf-Süd feiern. Vor 30 Jahren durfte ich diese Kirche selbst weihen. Umso mehr hat mich dieses Wiedersehen bewegt.

Damals entstand hier ein neuer kirchlicher Mittelpunkt für den wachsenden Stadtteil. Heute ist die Emmauskirche ein lebendiger Ort des Glaubens und der Begegnung. Auch die philippinische und die rumänisch-orthodoxe Gemeinde haben hier eine Heimat gefunden.

Im Evangelium ging es um Vergebung. „Danke, bitte und verzeih“ – diese drei kleinen Worte sind für jede Gemeinschaft unentbehrlich. Vergebung bedeutet nicht, Unrecht einfach hinzunehmen. Sie bewahrt uns aber davor, hart zu werden.

Ich danke allen, die diese Kirche aufgebaut, begleitet und in den vergangenen 30 Jahren mit Leben erfüllt haben!

Drei Worte halten jede Beziehung lebendig: „Danke! Bitte! Verzeih!“ Um Verzeihung bitten, ist wohl das schwierigste der ...
12/09/2026

Drei Worte halten jede Beziehung lebendig: „Danke! Bitte! Verzeih!“ Um Verzeihung bitten, ist wohl das schwierigste der drei Worte. Es gehört aber auch zum Schönsten im Leben, wenn wir es wagen und wenn es angenommen wird. Petrus weiß wie wir alle, dass das Wort einem nicht leicht über die Lippen kommt, in beide Richtungen: „Bitte, verzeih mir!“ und „Ich verzeihe dir!“. Er fragt Jesus: „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal?“ Einmal muss ja wohl Schluss sein mit dem Verzeihen! Die Antwort Jesu sieht wie eine maßlose, unrealistische Übertreibung aus: „bis zu siebzigmal siebenmal“, also immer!

Wie soll das im Alltag aussehen? Immer Nachsicht üben? Dem anderen keine Grenzen setzen? Soll jede Kränkung geschluckt werden? Statt sich selber schützen immer um des Friedens willen nachgeben? So kann eine gesunde Beziehung nicht aussehen! So kann kein Land, kein Rechtsstaat bestehen. Müssen wir nach Jesu Wort grenzenlos verzeihen?

Jesus antwortet mit einem Gleichnis über einen Menschen, der Schulden in vielfacher Millionenhöhe gemacht hat. Er soll sie zurückzahlen, was ihm völlig unmöglich ist. Statt ihn ins Gefängnis werfen zu lassen, erlässt ihm der König die gesamte Schuld. Er hat ihn begnadigt. Umso skandalöser ist das Verhalten des eben von aller Schuldenlast Freigesprochenen: Er fordert brutal von einem Kollegen die sofortige Rückzahlung einer vergleichsweise geringen Schuldensumme, die dieser nicht gleich zahlen kann. Deshalb lässt er ihn ins Gefängnis werfen, dem er gerade selber entkommen ist. Der Schluss des Gleichnisses Jesu gibt den Schlüssel zur Kunst des Verzeihens: „Du elender Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich angefleht hast. Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?“

Mit seinem Gleichnis wendet Jesus unseren Blick weg von den Fehlern der anderen: Schau zuerst auf deinen eigenen Schuldenberg! Jesus sagt deutlich: „Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben.“ Die Kunst des Verzeihens kommt aus dem tiefen Bewusstsein, dass ich selber ein von Gott begnadigter Sünder bin. So hat uns Jesus im Vaterunser zu beten gelehrt: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Verzeihen heißt nicht, alles schönzureden und das Unrecht zu verharmlosen. Verzeihen hat mit Erbarmen zu tun. Wenn wir uns bewusst sind, wie sehr wir selber auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen sind, werden wir auch die Kunst des Verzeihens lernen.

"Mit den Twin Towers sind nicht nur zwei Türme eingestürzt. Es ist auch ein Teil der bisherigen Welt- und Friedensordnun...
11/09/2026

"Mit den Twin Towers sind nicht nur zwei Türme eingestürzt. Es ist auch ein Teil der bisherigen Welt- und Friedensordnung zusammengebrochen"

Kardinal: "Mit den Twin Towers sind nicht nur zwei Türme eingestürzt. Es ist auch ein Teil der bisherigen Welt- und Friedensordnung zusammengebrochen"

Kardinal Christoph Schönborn war zum Patrozinium der griechisch-katholischen Kathedrale Mariä Geburt in Košice zu Gast.
08/09/2026

Kardinal Christoph Schönborn war zum Patrozinium der griechisch-katholischen Kathedrale Mariä Geburt in Košice zu Gast.

Zum Patrozinium der Kathedrale Mariä Geburt war ich zu Gast in der griechisch-katholischen Eparchie Košice – Tage voller...
07/09/2026

Zum Patrozinium der Kathedrale Mariä Geburt war ich zu Gast in der griechisch-katholischen Eparchie Košice – Tage voller herzlicher Begegnungen und gelebter Glaubensfreude. Vladyka Cyril Vasiľ hat mich mit großer Gastfreundschaft empfangen und begleitet. Gemeinsam mit Erzpriester Yuriy Kolasa besuchten wir Vyšné Nemecké, wo zu Beginn des Krieges unzählige Menschen aus der Ukraine Hilfe fanden. Am Grenzübergang haben wir für Frieden gebetet. In Klokočov durfte ich einen wunderschönen Marienwallfahrtsort kennenlernen.

Soll ich es sagen oder lieber schweigen? Er hat mich gekränkt, verletzt. Ich zögere, es ihm direkt zu sagen. Wie wird er...
05/09/2026

Soll ich es sagen oder lieber schweigen? Er hat mich gekränkt, verletzt. Ich zögere, es ihm direkt zu sagen. Wie wird er reagieren? Gibt es Krach oder doch Einsicht? Kommt es zur Klärung oder eskaliert der Konflikt? In diesem Hin- und Herüberlegen passiert mir immer wieder das Falsche: Statt ihn anzusprechen, schütte ich mein Herz anderen gegenüber aus. Es ist viel leichter, sich durch Tratschen Luft zu machen, als mit der betreffenden Person direkt zu reden. Genau von dieser Situation spricht Jesus heute im Evangelium: „Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht!“

Warum fällt es uns so schwer, Fehler der anderen direkt mit ihnen zu besprechen? Ist es Feigheit, falsche Scheu, Angst, abgewiesen zu werden? Andererseits tut mir das verletzende Verhalten des anderen weh. Es vergiftet die Beziehung und ruft nach Heilung und Versöhnung. Stattdessen tragen wir selber zur weiteren Vergiftung bei: Wir richten den Schuldigen in seiner Abwesenheit aus, schaffen es aber nicht, ihm gegenüber ein offenes und ehrliches Wort zu sagen. Wir übersehen dabei, dass wir uns auf diese Weise ihm gegenüber schuldig machen. Ich glaube, viel Schuld an den vielen Konflikten unter uns liegt genau daran, dass wir es verabsäumen, „unter vier Augen“ zu sprechen. Es geht nicht darum, dass wir uns zu Anklägern erheben, sondern den, der sich schuldig gemacht hat, im Herzen zu erreichen. Jesus sagt es klar: „Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.“ Nur in der Vertrautheit des ganz persönlichen Gesprächs können ernste Fehler und Sünden angesprochen werden. Wenn ich den anderen auf ein Fehlverhalten hinweise, darf ich nicht so tun, als wäre ich fehlerlos. Ich werde aber an ihm schuldig, wenn ich es nicht anspreche. Einfach wegzuschauen, wie der andere in sein Unglück läuft, macht mich mitschuldig. Ich kann ihn nicht zwingen, aber sagen muss ich es ihm. Es gehört zu den schönsten Freuden im Leben, wenn Versöhnung gelingt.

Jesus geht noch einen Schritt weiter: Unsere Fehler und Sünden schaden nicht nur uns selber, sie verletzen immer auch die Gemeinschaft. Dafür gibt Jesus Regeln, die sich bis heute bewährt haben. Sie sehen behutsame Schritte vor, die etwas ganz anderes sind als die öffentlichen „Hinrichtungen“ in den digitalen Medien. Auf ein erfolgloses Vier-Augen-Gespräch soll im kleinen Kreis vertraulich mit dem Betroffenen gesprochen werden. Immer geht es um ehrliche Umkehr, um ein echtes Aufeinander-Zugehen. Sollte auch dieses scheitern, bleibt nur die Trennung übrig. Sie ist manchmal unvermeidlich, aber ehrlich. Trotzdem hat sie nicht das letzte Wort. Es steht alleine Gott zu, auch dann, wenn menschliche Versöhnung gescheitert ist. Dann bleibt immer noch die Möglichkeit übrig, die Jesus am Schluss anspricht: „Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.“ Was wir bei allem Bemühen als Menschen nicht schaffen, dürfen wir von Gott erbitten. Wo kein Vier-Augen-Gespräch hilft, alle Versöhnungsversuche ins Leere laufen, bleibt immer noch die Hoffnung, dass Gott die Herzen füreinander öffnet. Deshalb ist das gemeinsame Gebet um Frieden vielleicht viel mächtiger, als wir es zu hoffen wagen.

Im heutigen Evangelium geht es um eine Urfrage des Menschen. Jesus spricht sie klar aus, als er Petrus vorwirft: „Du has...
29/08/2026

Im heutigen Evangelium geht es um eine Urfrage des Menschen. Jesus spricht sie klar aus, als er Petrus vorwirft: „Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ Zwei Willen stehen gegeneinander, der unsere und der Gottes. Woran entzündet sich der Konflikt? Unter uns Menschen steht oft Willen gegen Willen: „Meine Frau, die Ilsebill, will nicht so, wie ich wohl will“, heißt es im Märchen vom Fischer und seiner Frau. Jesus geht in seinem Wort an Petrus davon aus, dass es trotz allem Streit unter uns Menschen so etwas gibt wie einen gemeinsamen Willen, etwas, „was die Menschen wollen“, nicht aber Gott. Fragen wir uns also, was wir alle wollen. Mir kommt dabei als Erstes in den Sinn: Wir wollen alle soweit und so lange wie irgend möglich dem Leiden entkommen. Deshalb wünschen wir einander ständig: „Gesund bleiben! Das ist das Wichtigste!“ Es stimmt schon: Über die Gesundheit hat sich noch nie jemand beklagt. Keiner wacht in der Früh auf und sagt: „Schrecklich! Schon wieder diese Gesundheit!“ Ein großer Teil der Werbung gilt der Gesundheit: Wie kann ich schmerzfrei und gesund bleiben? Wie das Leid mindern?

So denken und wollen wir Menschen, und das ist gut so. Auch Petrus wollte das, nicht nur für sich, sondern für Jesus, den er eben als Messias und Sohn Gottes bekannt hatte. Genau in diesem Moment beginnt Jesus vom Leiden zu sprechen, nicht wie von einer Krankheit, mit der er sich abfinden müsste, sondern von einem bewusst und freiwillig gewählten Leiden. Niemand hat ihn gezwungen, sich der Gefahr auszusetzen, die ihn in Jerusalem erwartete. Er sagt aber klar, dass er es tun müsse, weil es der Wille Gottes sei. Er müsse „vieles erleiden, getötet und am dritten Tag auferweckt werden“.

Das war Petrus eindeutig zu viel: „Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!“ Nie hat Jesus jemanden so scharf zurechtgewiesen: „Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir! Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen!“ Will Gott, dass wir zum Leiden Ja sagen? Ehe wir sagen, das wäre unmenschlich, fragen wir, ob es Situationen gibt, in denen Menschen aus guten Gründen zu einem Leiden Ja sagen. Mir kommt als einfachstes Beispiel das Ja zum Kind in den Sinn. Die Geburt eines Kindes, auch wenn es sehr erwünscht ist, geht nicht ohne Schmerzen ab, die wir Männer uns nicht vorstellen können. Dieser Bereitschaft zum Leiden verdanken wir alle unser Leben.

Genau davon spricht Jesus im Folgenden. Wer den Weg mit ihm gehen will, „nehme sein Kreuz auf sich“. Das klingt herb und nüchtern. Jesus verbindet es aber mit einer Verheißung, die das Leben voll bejaht: Du kannst das Leben nur gewinnen, wenn du es zu geben bereit bist: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren.“ Wir leben alle davon, dass wir nicht nur für uns selber leben. Nirgendwo wird das deutlicher als im Umgang mit dem Leid. Hier erleben wir die berührendsten Beispiele der Menschlichkeit. Trotzdem bleibt die Frage: Will Gott das Leid, das wir Menschen nicht wollen? Jesus hat mit seinem Leiden die Antwort gegeben. In dieser Welt gibt es kein Leben ohne Leid, aber es hat nicht das letzte Wort: Ein Leben ohne Tränen und Leid wartet auf uns. Bis dahin ist geteiltes Leid schon halbes Leid.

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