Kardinal Christoph Schönborn

Kardinal Christoph Schönborn Ordinarius für die Katholiken der katholischen Ostkirchen in Österreich. Emeritierter Erzbischof von Wien

Am Wochenende im Stift Kremsmünster
31/05/2026

Am Wochenende im Stift Kremsmünster

Kardinal bei Communio-Akademie in Kremsmünster über Konzil, Synodalität und Konflikt mit Piusbruderschaft - Kritik an rein gegenwartsbezogenem Kirchenverständnis

Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Wer ist er und wie wirkt er? Erstaunliche Antworten auf diese Frage bekomme...
23/05/2026

Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Wer ist er und wie wirkt er? Erstaunliche Antworten auf diese Frage bekomme ich von jungen Leuten. Die Zeit vor und nach Pfingsten ist die „Firm-Saison“. In vielen Pfarren empfangen junge Menschen, manchmal auch Erwachsene, das Sakrament der Firmung. Im vergangenen Jahr waren es in Österreich fast 40.000. Was erwarten sich diese vielen Menschen vom Heiligen Geist?

Seit über drei Jahrzehnten darf ich das Sakrament der Firmung spenden. Sehr oft erhalte ich Briefe der jungen Leute, in denen sie mir eine Antwort auf die Frage geben, warum sie gefirmt werden wollen und was der Heilige Geist für sie bedeutet.
Im Lauf der Jahre mache ich eine interessante Beobachtung: Früher war der häufigste Grund für die Firmung die Tradition. Es gehört eben dazu, wie Taufe und Erstkommunion. Jetzt kommt immer deutlicher zum Ausdruck, dass es für die jungen Leute eine klare und bewusste Entscheidung ist: „In der Firmvorbereitung habe ich viel darüber nachgedacht, was ich eigentlich glaube und was mir mein Glaube bedeutet. Mir ist klar geworden, dass ich nicht nur ‚automatisch‘ zur Kirche gehören will, weil ich getauft wurde oder weil es meine Eltern so gewollt haben. Ich möchte selbst entscheiden und aus eigener Überzeugung ‚Ja‘ zu Gott sagen. Darum möchte ich gefirmt werden.“

Solche Worte sind keine Seltenheit. Ich beobachte einen erfreulichen Wandel: Immer mehr junge Menschen suchen Halt im Glauben. Die Welt ist so unsicher geworden. Sie erleben viele muslimische Jugendliche, die ihren Glauben ernst nehmen, und beginnen, selber nach dem christlichen Glauben zu suchen, trotz mancher Widerstände: „Manchmal ist es nicht leicht, in meinem Alter zu zeigen, dass man an Gott glaubt. Man könnte als ‚uncool‘ abgestempelt werden. Aber ich möchte lernen, mehr darauf zu vertrauen, dass Gott an meiner Seite ist.“

Manchmal staune ich, wie anschaulich und praktisch junge Menschen vom Heiligen Geist sprechen. Ein Beispiel: „Als begeisterter Fußballer weiß ich, dass Talent allein nicht ausreicht. Man braucht Ausdauer, Teamgeist und jemanden, der einen leitet. Für mich ist der Heilige Geist wie ein innerer Coach. Wenn ich auf dem Platz stehe, lerne ich, was es heißt, für eine Gemeinschaft (das Team) alles zu geben. Diesen Einsatz möchte ich auch im Glauben zeigen.“ Dieser junge Fußballer weiß nicht nur, dass wir persönliche Stärkung im Glauben brauchen, sondern auch, wie sehr es auf das Team, die Gemeinschaft, das Zusammenspiel ankommt. Als bloße Einzelkämpfer können wir nicht bestehen. Niemand von uns ist eine Insel. Gott selber ist Gemeinschaft: Vater, Sohn und Heiliger Geist.

In den vielen Briefen der jungen Menschen, die sich auf die Firmung vorbereiten, finde ich berührende Zeugnisse über die Lebenssituation, in die hinein das Sakrament des Heiligen Geistes empfangen wird: „In dieser Phase meines Lebens, in der viele Weichen für meine Zukunft gestellt werden, ist es mir ein Anliegen, meine Entscheidung für den Glauben bewusst zu stärken.“ Dieses Anliegen gilt für alle Lebensphasen. Schön, es von jungen Leuten zu hören!

https://www.youtube.com/watch?v=z-PM14MI4M4
20/05/2026

https://www.youtube.com/watch?v=z-PM14MI4M4

Impuls von Kardinal Christoph Schönborn beim 9. Internationalen Parlamentarischen Gebetsfrühstück 2026.In seiner Rede sprach Kardinal Schönborn darüber, welc...

Nur der Mensch kann beten. Ich bin überzeugt, dass die meisten Menschen beten, auch wenn sie es nicht Gebet nennen. Niem...
16/05/2026

Nur der Mensch kann beten. Ich bin überzeugt, dass die meisten Menschen beten, auch wenn sie es nicht Gebet nennen. Niemand muss beten. Man kann auch ohne Gebet leben. Ich habe es selber in jungen Jahren eine Zeit lang getan, bis ich gemerkt habe, dass es mir fehlt. Warum fangen Menschen an zu beten? „Not lehrt beten“, sagt das Sprichwort. Ich glaube, dass auch schöne Erfahrungen uns zum Gebet erwecken können. Beten hat mit Bitten zu tun, aber mindestens ebenso viel mit Danken.

Warum beten viele vor einer Prüfung, einer Operation, in großer Not? Der große Thomas von Aquin, Dominikanermönch und Theologe, sagt es ganz einfach: „Im Gebet tragen wir Gott unsere Anliegen vor, damit er sie verwirkliche.“ „Da hilft nur noch beten“, sagen wir in solchen Situationen. Warum sagen wir „Gott sei Dank“, wenn etwas gut gegangen ist? Bitten und Danken gehören zum menschlichen Leben. Sie sind auch das Herzstück aller Gebete.

Christus hat gebetet, weil er Mensch ist. Er hat viel gebetet, manchmal die ganze Nacht. Seine Jünger wollten es auch lernen: „Lehre uns beten!“ Er hat ihnen damals ein Gebet beigebracht, das bis heute das Grundgebet aller Christen ist, das Vater Unser. Jesus selber hat in seinem Gebet Gott immer als Vater angesprochen. Er hat in seiner Muttersprache gebetet, auf Aramäisch: Abba! Das entspricht unserem Papa, Papi, Vati. So vertrauensvoll sollen auch wir mit Gott sprechen.

Gebet und Angst vor Gott passen nicht zusammen. Wir gehen mit unseren Sorgen nicht zu jemanden, vor dem wir Angst haben. Deshalb ist das Gebet immer ein Ausdruck des Vertrauens. In den Gleichnissen vom verlorenen Sohn oder vom barmherzigen Samariter hat Jesus das Bild eines Gottes gezeichnet, den wir wie Jesus Vater nennen dürfen.

Wie also beten? Im heutigen Evangelium sehen wir, wie Jesus betet. Zuerst für sich selber! Das ist kein Egoismus: Ich darf ganz persönlich Gott für mich bitten, für meinen Tag, um Gesundheit, um Hilfe in meinen Nöten. Dabei soll ich nie das Danken vergessen. Gott zu loben, ist ein Zeichen dafür, dass wir ihn lieben: „Wie groß bist du!“

Jesus hat, gerade im Gebet des heutigen Evangeliums, kurz vor seinem Leiden und Sterben für die Seinen gebetet: „Für sie bitte ich!“ Im weiteren Verlauf dieses langen Gebetes bittet Jesus seinen Vater vor allem, dass sie eins seien: „Alle sollen eins sein, wie du, Vater, in mir bist, und ich in dir bin, sollen auch sie in uns eins sein.“

Was tun wir, wenn wir einander um etwas bitten? Wir zeigen damit, dass wir es nicht erzwingen können. Wir bekennen so, dass wir auf die anderen angewiesen sind. Als Kinder mussten wir lernen, Bitte und Danke zu sagen. Auch das Beten müssen wir üben. Schön, wenn wir schon als Kinder gelernt haben, Gott Bitte und Danke zu sagen. Schade, wenn wir hierin aus der Übung gekommen sind. Wir können heute (wieder) damit anfangen! Denn beten macht uns menschlicher.

Johannes 17,1-11a
In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht! Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war! Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.

15/05/2026

Gestern war Christi Himmelfahrt. Der Feiertag bringt vielen ein verlängertes Wochenende. Manche blicken zum Himmel. Die einen mit Sorge, ob das Wetter für einen sonnigen Ausflug hält. Die anderen, ob der erhoffte Regen kommt. Seit Wochen ist es viel zu trocken. Ernteausfälle sind zu befürchten. Das Fest Himmelfahrt hat etwas mit dem Blick zum Himmel zu tun. Christus ist vor den Augen seiner Jünger in den Himmel aufgefahren. Wie kann man sich das vorstellen? Ich sage gerne statt „aufgefahren“, dass Jesus „heimgegangen“ ist, zu seinem himmlischen Vater, dorthin wo unsere ewige Heimat ist.

In unserem Alltag ist der Himmel meist weit entfernt. Im Vordergrund stehen die irdischen Sorgen, Aufgaben, Unterhaltungen, alles das, was unsere Aufmerksamkeit beansprucht. Was ist nicht alles zu organisieren, zu bedenken, zu erledigen! Da tut es gut, immer wieder den Blick und das Herz auf das Himmlische zu richten. „Alles Gute kommt von oben“, heißt es. Haben wir nicht alle Sehnsucht nach Himmel, Liebe, Frieden, Heimat? Diese Welt ist nicht alles. Wir sind noch nicht am Ziel. Noch wartet der Himmel auf uns.

Beim Nachdenken über das heutige Fest der „Himmelfahrt“ Christi ist mir ein Kinderbuch in den Sinn gekommen, das wir seh...
13/05/2026

Beim Nachdenken über das heutige Fest der „Himmelfahrt“ Christi ist mir ein Kinderbuch in den Sinn gekommen, das wir sehr geliebt haben: „Wie Engelchen seine Mutter suchte“. Ein unvorsichtiges Engelchen fällt von seiner Wolke herunter auf die Erde. Es beginnt, seinen Platz zu suchen: Wo könnte ich zu Hause sein? Bei aller Liebe, die ihm begegnet, ist die Tierwelt doch nicht das, was es sucht. Es findet sein Glück schließlich bei einer Mutter, die es aufnimmt. Das Buch spricht feinfühlig an, was schon in Kindertagen als Frage auftauchen kann: Wo komme ich her? Was ist mein Zuhause? Es ist eine der Urfragen von uns Menschen. Auf kindgerechte Weise wird eine tiefe Wahrheit angesprochen: dass wir in gewisser Weise „vom Himmel“ stammen und auf Erden in einer Familie gelandet sind. Wir sind nicht nur ein irdisches Produkt, sondern haben himmlische Wurzeln.

Religionen und Philosophien haben sich seit jeher mit dieser Einsicht beschäftigt und verschiedene Deutungen angeboten. Die asiatischen Religionen lehren die Wiedergeburt. Aus dem Rad vieler Erdenleben versuchen wir uns zu befreien. Andere sehen im Innersten jedes Menschen einen „göttlichen Funken“, der ewig ist. Wieder andere leugnen, dass der Mensch für die Ewigkeit bestimmt ist. Für sie ist mit dem Tod alles aus.

Was sagt das heutige Fest dazu? Mit dem Kinderbuch hat es eine gewisse Ähnlichkeit. Jesus ist „vom Himmel“ in diese Welt gekommen. So heißt es klar und deutlich im christlichen Glaubensbekenntnis: „Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen und ist Mensch geworden.“ Heute feiern wir, dass er dorthin heimgekehrt ist, woher er gekommen war: Er ist „aufgefahren in den Himmel“.

Ist das eine Art Kindermärchen? Ich sehe es umgekehrt: Märchen machen oft tiefe Wahrheiten deutlich. Ich versuche, das in Worte zu fassen: Jesus ist wirklich in dem Sinn vom Himmel gekommen, dass und weil er Gott ist. Er kommt auf die Erde und wird als Mensch geboren. Für ihn ist der Himmel die Heimat. Er ist in Gott zu Hause. Und doch ist er ganz Mensch. Er steht, wie man so sagt, mit beiden Beinen auf dem Boden. Er ist ganz Gott und ganz Mensch. Ich weiß, dass andere Religionen diese Überzeugung nicht teilen. Ich persönlich glaube, dass hier die große Würde des Menschen zum Ausdruck kommt. Gott hat sich ganz mit uns Menschen eins gemacht. Ich nenne daher das heutige Fest „das Fest der Heimkehr“. Wir sind nicht vom Wolkenhimmel heruntergepurzelte Engel. Wir sind Menschen, hier zu Hause, in unserer Welt. Doch einmal werden wir ganz heimkehren dürfen. Das wartet noch auf uns.

Apostelgeschichte 1,1–11
Im ersten Buch, lieber Theóphilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus von Anfang an getan und gelehrt hat, bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde. Vorher hat er den Aposteln, die er sich durch den Heiligen Geist erwählt hatte, Weisung gegeben. Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen. Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt! Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft werden. Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her? Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samárien und bis an die Grenzen der Erde. Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, siehe, da standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

Firmung in der Pfarre Himberg an 9. Mai 2026
11/05/2026

Firmung in der Pfarre Himberg an 9. Mai 2026

Alles, was wir sagen oder tun, hat seinen „Sitz im Leben“. Was war die Situation, in der ich dies und das gesagt oder ge...
10/05/2026

Alles, was wir sagen oder tun, hat seinen „Sitz im Leben“. Was war die Situation, in der ich dies und das gesagt oder getan habe? Es hilft oft entscheidend, danach zu fragen, um es besser einordnen und verstehen zu können. Was war der „Sitz im Leben“ des heutigen Evangeliums? Er könnte kaum dramatischer gewesen sein. Was Jesus an diesem Abend gesagt und getan hat, geschah im Angesicht des Todes. Es war der letzte Abend seines Lebens auf Erden und er wusste es. Sein „letztes Abendmahl“ war auch der Ort seiner „Abschiedsreden“. Einen Abschnitt daraus bildet das heutige Sonntagsevangelium. Um es besser zu verstehen, hilft es, seinen „Sitz im Leben“ zu befragen.

Vorweg eine kritische Frage: Hat Jesus wirklich all das gesagt? Es gibt weder eine Videoaufnahme noch eine genaue Mitschrift davon. Johannes schrieb sein Evangelium Jahrzehnte später. Ist es glaubwürdig? Dazu zwei praktische Hinweise: Die Menschen lebten damals in einer Kultur der mündlichen Überlieferung. Sie hatten ein unvergleichlich besseres Gedächtnis als wir durch pausenlosen Handykonsum zerstreuten Zeitgenossen. Zudem waren die Teilnehmer dieses einzigartigen Abends aufmerksam auf alles, was Jesus sagte. Es waren seine Abschiedsworte, sein Testament.

Die große Frage stand im Raum: „Was wird aus uns werden, wenn Jesus nicht mehr da ist?“ Er war für sie das Ein und Alles. Für ihn haben sie alles verlassen. Auf ihn haben sie sich ganz verlassen. Bleiben sie jetzt allein übrig? Jesus tröstet sie: „Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch.“ Bald werden sie erleben, dass Jesus Wort hält. Sie machen die Erfahrung, die sich bis heute immer wieder bestätigt: „Ihr seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet.“ Am Abend vor seinem Tod spricht Jesus vom Leben. Jesus lebt!

Dass es wirklich so ist, davon sind bis heute viele Menschen überzeugt. Woher nehmen sie diese Gewissheit? Sie ist nicht das Ergebnis eigener Überlegungen. Sie hat mit dem zu tun, was Jesus damals versprochen hat: „Ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit“. Wer ist das und was tut er? An diesem letzten Abend hat Jesus viel von ihm gesprochen. Er nennt ihn in der Redeweise seiner Heimat mit einem griechischen Wort: Paraklet, was bedeutet: Helfer, Beistand, Berater, Fürsprecher, Verteidiger, Anwalt, Tröster. Paulus sagt von ihm: „Er tritt für uns ein.“ Das erwartet man von einem Anwalt! Das tut der Heilige Geist!

In zwei Wochen ist Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes. Jesus nennt ihn „einen anderen Beistand“. Wozu neben Jesus noch einen anderen Helfer? Ich glaube, aus der Erfahrung sagen zu können, warum wir ihn brauchen. Unser Leben spielt sich die meiste Zeit an der Oberfläche ab: die täglichen Pflichten, die Unterhaltungen, die Meinungen. Viel zu selten gelingt es uns, tiefer einzudringen in die Wahrheit, den Sinn des Lebens, die Liebe zu Gott und zueinander. Der „andere Beistand“ hilft uns, auf die meist leise Stimme des Herzens zu hören. Er gibt die Kraft, ihr zu folgen.

Johannes 14,15-21

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben,
der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch. Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

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Bécs

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