Kardinal Christoph Schönborn

Kardinal Christoph Schönborn Emeritierter Erzbischof von Wien

Schau auf dich selber! Denk an dich! Du hast Vorrang! – Nein, die anderen haben Vorrang! Denk an deinen Nächsten! Es ist...
01/08/2026

Schau auf dich selber! Denk an dich! Du hast Vorrang! – Nein, die anderen haben Vorrang! Denk an deinen Nächsten! Es ist ein lebenslanges Ringen um das rechte Maß zwischen beidem: der Sorge um mich selbst und dem Dasein für die anderen. Die Bibel fasst es in ein knappes Wort: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Beides sollen wir unter einen Hut bringen: den Nächsten lieben, ohne dabei uns selber zu vergessen. Was aber tun, wenn zwischen beidem ein Konflikt entsteht? Hat dann das eine vor dem anderen Vorrang? Wir können über diese Frage endlos diskutieren, im täglichen Leben brauchen wir praktische Lösungen. Dabei helfen uns am besten gelebte Beispiele. Das heutige Evangelium ist ein solches.

Jesus hat zweifellos die Nächstenliebe in die Mitte seines Lebens gestellt. Er hat aber auch auf sich selber geschaut. Immer wieder zieht er sich zurück, um allein zu sein, vor allem um zu beten. Einmal sagt er ausdrücklich zu seinen Jüngern: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus! Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen.“ Heute würden wir sagen: Jesus hat zum Urlauben eingeladen.

Es ist nichts Neues, dass ein Urlaub manchmal ganz anders verläuft als geplant. Aus der Stille in einer einsamen Gegend wurde nichts. Die Menschen folgten Jesus zu Fuß nach, in Scharen. Als er aus dem Boot ausstieg, „sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen“. Mich beeindruckt, dass Jesus nicht verärgert reagiert. Er stellt sich sofort auf die neue, überraschende Situation ein. Er schaut nicht zuerst auf sein berechtigtes Ruhebedürfnis, sondern auf die Not der vielen hilfesuchenden Menschen. Er nimmt sich Zeit für die Kranken, die man zu ihm bringt oder die ihm selber nachgelaufen kamen. Ich glaube, viele Menschen machen die Erfahrung, dass ihnen in solchen Momenten Kräfte geschenkt werden, die sie ihre Müdigkeit und Erschöpfung überwinden lassen. Mitgefühl mobilisiert unsere Energien.

Ich versuche mir die Gesichter und Gefühle der Jünger Jesu vorzustellen. Aus ihrer „Ferienzeit“ wird nichts. Der Meister scheint unerschöpfliche Kraftreserven zu haben. Bis zum Abend ist er bei den Kranken und spricht den Menschen Mut und Hoffnung zu. Wann kommt endlich die ihnen versprochene Ruhe? „Schick die Leute weg!“ Ganz unverblümt denken die Jünger Jesu an sich selber und kleiden ihre eigenen Wünsche in Worte des Mitgefühls für die vielen Menschen: „Sie sollen in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen!“ Die Antwort Jesu bleibt bis heute eine große Herausforderung: „Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen!“ Wie soll das gehen, mit nur fünf Broten für 5.000 Menschen? Das Unglaubliche geschah vor ihren Augen: Alle wurden satt! Ausruhen konnten sich an diesem Tag weder Jesus noch seine Jünger. Sie hatten gar keine Zeit, an sich zu denken. Das Glück und die Freude, die sie damals erlebten, waren die beste Erholung.

Ignatius von LoyolaHEUTE 31. Juli 2026, Antworten von Kardinal Christoph Schönborn31.07.2026Heute wie jede Woche gibt es...
31/07/2026

Ignatius von Loyola
HEUTE 31. Juli 2026, Antworten von Kardinal Christoph Schönborn
31.07.2026
Heute wie jede Woche gibt es dringende Themen, über die ich schreiben könnte: die Hitzewelle; die riesigen Waldbrände im Sünden Europas; die entsetzlichen Kriege, in der Ukraine, im Nahen Osten, weltweit; die Hungersnöte; die Wasserknappheit; der Andrang an den Sozialmärkten. Sorgen über Sorgen! Wohin steuert die Welt?

Umso wichtiger sind positive Nachrichten. Was gibt Hoffnung und Halt? Was sind bleibende Werte? Es sind vor allem Menschen, die in der Welt Gutes wirken. An einen von ihnen erinnert das heutige Datum: Am 31. Juli 1556 starb in Rom der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer des Jesuiten-Ordens.

Was hat er der Welt gebracht? Erziehung! Schulen in aller Welt gehen auf seine Initiative zurück. Was ist wichtig in Krisenzeiten? Vor allem der jungen Generation die Chance einer guten Bildung zu geben! Was verdanken wir Ignatius noch? In Krisen brauchen wir Besinnung, seelischen Halt. Zahllose Menschen haben durch seinen Orden Orientierung im Leben gefunden. Ignatius wusste noch nicht von all den drängenden Themen unserer Zeit. Aber sein Vorbild und seine Ideen sind umso wichtiger, um heute den Mut nicht zu verlieren.

Das Glück ist ein Vogerl, sagt man. Es kommt geflogen und ist auch schnell wieder weg, zumindest in diesem Leben. Ewiges...
25/07/2026

Das Glück ist ein Vogerl, sagt man. Es kommt geflogen und ist auch schnell wieder weg, zumindest in diesem Leben. Ewiges Glück ist eine Verheißung. Gesucht wird aber ein Glück, das hier und jetzt schon zu haben ist. Damit rechnen alle Glücksspiele. Das kostet vielen Menschen viel Geld, manchen sogar alles. Und sollte einer im Lotto das große Los, den Glückstreffer schlechthin machen, ist das noch nicht die Garantie für ein bleibendes Glück. Trotzdem ist das Streben nach Glück aus unserem Leben nicht wegzudenken. Ist es eine angeborene Verlockung der Natur, damit wir das Unglück besser ertragen?

Jesus hat dem Glück einen Namen gegeben: das Himmelreich oder auch Reich Gottes. In ihm sieht er die Erfüllung aller Sehnsucht. Damit es nicht leere Worte sind, hat er versucht, es uns mit Bildern und Gleichnissen nahezubringen, mit einfachen Beobachtungen aus dem Alltag. Zum Beispiel mit einem völligen Zufallstreffer: Ein Mann entdeckt auf einem Acker, der nicht ihm gehört, einen Schatz. Eigentlich verhält er sich ganz übel. Er verschweigt den Fund und kauft dem Besitzer den Acker ab, der nichts ahnend ihn billig hergibt, Pech für ihn, Glück für den betrügerischen Käufer.

Was sagt Jesus durch dieses Gleichnis?

Das Himmelreich wird manchmal so unerwartet gefunden wie dieser Mann überraschend den Schatz im Acker fand. Manche kommen zum Glauben an Gott fast zufällig, als würden sie über einen Schatz stolpern, den sie gar nicht gesucht haben. Sie sind dann bereit, alles daran zu setzen, um den Glauben zu erwerben. Sie haben das Glück gefunden. Sie wissen auch, dass es seinen Preis hat.

Das zweite kleine Gleichnis spricht von einem leidenschaftlich Suchenden. Ein Kaufmann sucht schöne Perlen. Eines Tages findet er eine besonders wertvolle. Er tut etwas Verrücktes: Er verkauft alles, was er hat, um sie kaufen zu können. Wovon wird er jetzt leben? Die Perle ist ein Vermögen wert, sie kann ihm aber nicht den Lebensunterhalt sichern. Was will Jesus sagen? Er hat es deutlich ausgesprochen: „Sucht zuerst das Reich Gottes, und alles andere wird euch dazugegeben werden.“ Wie oft habe ich Menschen sagen gehört: „Ohne Glauben hätte ich das alles nicht durchgestanden!“ Der Schatz im Acker, die kostbare Perle, sie sind das Glück, das Jesus uns zugedacht hat.

Mit dem dritten Gleichnis habe ich meine Not. Es spricht vom Ende der Welt, vom großen Gericht Gottes, vom Feuerofen, in den die Bösen geworfen werden. Jesus hat oft die Fischer beobachtet. In ihren Netzen sind nicht nur gute Fische, sondern auch schlechte. Die können sie nicht verkaufen. Also werfen sie sie weg. Gibt es neben dem Glück des Himmelreichs auch das Heulen und Zähneknirschen der „Bösen“, ihr ewiges Unglück? Eines glaube ich fest: Es gibt Gut und Böse. Ich glaube aber auch ganz fest, dass Gutes und Böses in jedem von uns vorhanden sind. Jesus ist nicht gekommen, die Bösen zu vernichten, sondern uns von dem Bösen zu befreien. Niemanden hat das Böse jemals glücklich gemacht. Gott will niemanden unglücklich lassen. Darum beten wir im Vater-unser: „Befreie uns von dem Bösen!“

Eigenartig: Jesus spricht oft und oft vom Himmelreich. Es ist eigentlich sein Hauptthema. Doch wenn er versucht zu sagen...
18/07/2026

Eigenartig: Jesus spricht oft und oft vom Himmelreich. Es ist eigentlich sein Hauptthema. Doch wenn er versucht zu sagen, was denn das Himmelreich sei, dann spricht er meist von der Erde, heute ganz konkret vom Erdreich, vom Ackerboden. Für ihn spricht die Erde auch vom Himmel, wenn wir sie mit offenen Augen und wachem Herzen betrachten. Die Natur weist über sich hinaus auf den Schöpfer. Viele kennen diese Erfahrung und finden in der Natur einen Zugang zu Gott.

Ist das so einfach?

Warum gibt es auch das Schreckliche in der Natur, das Bedrohliche und Tödliche? Erdbeben und Unwetter, Hitzewellen und Tsunamis: Wir Menschen sind ihnen ausgeliefert. Wir haben die Natur im Griff. Noch mehr hat sie uns im Griff. Wo ist da auf Erden das Himmelreich? Der Dichter Reinhold Schneider (1903-1958) war zutiefst verstört über die Grausamkeiten in der Natur, in der Tierwelt, ganz zu schweigen von der Menschenwelt. Schweigt Gott zu all dem? Genau diese Frage spricht Jesus mit dem heutigen Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut an. Es geht um die ewige Frage von Gut und Böse in dieser Welt.

Wie damit umgehen?

Im Gleichnis spricht Jesus vom Himmelreich, vom Reich Gottes. Er ist überzeugt, dass der Himmel nicht erst im Himmel beginnt, sondern schon auf Erden erfahrbar ist. „Das Reich Gottes ist mitten unter euch“, sagt er klar und deutlich. Es ist „wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte.“ Es ist also im Erdreich angekommen. Ein Feind des Landmanns sät heimlich auch Unkraut mitten unter die gute Saat. Neben dem Guten gibt es also auch das Böse, will das Gleichnis sagen. Das Unkraut wächst mitten im Weizen, oft noch schneller als dieser. Das lehrt uns die Natur und leider auch unser Leben.

Was also tun?

„Sollen wir gehen und es ausreißen?“ Die spontane Reaktion ist uns vertraut. Das Übel muss bekämpft werden! Man darf ihm nicht Raum geben. Das wissen die Eltern, die ihren Kindern „nein“ sagen. Dazu gibt es Gesetze, die der Ausbreitung des Bösen Grenzen setzen. Eine Gesellschaft, die alles zulässt, wird unlebbar. Umso schockierender ist die Logik der Gleichnisse Jesu. Wo wir den Kampf gegen das Unkraut erwarten, sagt Jesus: „Lasst beides wachsen bis zur Ernte!“ Wo soll das hinführen? Kein Gift mehr zur Unkrautvernichtung? Keine Gesetze gegen Untaten? Keine Gerichte mehr, die Unrecht bestrafen?

Kann eine Gesellschaft nach den Regeln dieses Gleichnisses funktionieren?

Vorsicht: Jesus spricht hier vom Himmelreich, nicht von den Reichen dieser Erde. Keinem Staat wird es je gelingen, alles Böse auszurotten. Könnte, ja müsste nicht wenigstens Gott mit seiner Allmacht all das Leid verhindern, das das Böse in der Welt anrichtet? Religiöse und politische Fanatiker haben immer wieder davon geträumt. Sie haben dabei viel guten Weizen ausgerissen. Das Himmelreich ist überall auf Erden ausgesät, es ist aber nie auf Erden vollkommen verwirklicht. Solange wir hier leben, wächst in unseren Herzen beides, Weizen und Unkraut. Erst im Himmel wird das Himmelreich ganz verwirklicht sein.

Der Hitzesommer bringt uns das heutige Evangelium anschaulich nahe. Es ist eben nicht selbstverständlich, dass die Saat ...
11/07/2026

Der Hitzesommer bringt uns das heutige Evangelium anschaulich nahe. Es ist eben nicht selbstverständlich, dass die Saat aufgeht. Mich haben Bilder erschreckt, an die ich nicht gewöhnt war. Im Mai, im Waldviertel, sehe ich einen Bauern mit seinem Traktor über den Acker fahren. Der Boden ist so trocken, dass der Wind kleine Wirbel aufsteigen lässt, wie Windhosen in der Wüste. Ein anderes Bild: Ein Bauer fährt über sein Feld. Er pflügt es um, denn die frische Saat kann nicht aufgehen ohne den ersehnten Regen, der ausbleibt. Was wird noch aus diesem Sommer?

Jesus lehrt uns, die Natur als Lehrmeisterin zu betrachten. Er beobachtet sie und hofft, dass wir mit ihm über sie staunen. Oft hat Jesus das Samenkorn ins Auge gefasst. Es ist so winzig klein, und doch trägt es schon alles in sich, was aus ihm werden kann. In der Natur ist es nicht anders als bei uns Menschen. In Ei und Samenzelle ist unser ganzes genetisches Programm mit allen seinen Möglichkeiten enthalten. Heute wissen wir unvergleichlich mehr über das unfassbare Geheimnis des Lebens. Ob wir deshalb auch mehr darüber staunen? „Wer Ohren hat, der höre!“, sagt Jesus. Versuchen wir es! Es lohnt sich.

Alles fängt gut an: „Ein Sämann ging hinaus, um zu säen.“ Der Sämann im Gleichnis Jesu hat noch keine große Sämaschine, die computergesteuert den Samen genau, nach Bodenqualität dosiert, aussät. Jesus geht es aber nicht um ein Handbuch der Landwirtschaft. Er spricht von uns. Wir sind der Acker. Alle bekommen denselben Samen. Warum haben nicht alle die gleichen Chancen auf Fruchtbarkeit, sprich auf Erfolg? Warum sind die Böden unseres Lebens so verschieden? Manche wachsen unter schwierigsten Lebensbedingungen auf, sodass sich die Saat einfach nicht entfalten kann. Das Dornengestrüpp der Armut, der sozialen Verhältnisse und der Mühen des Alltags erstickt alles.

Vorsicht: Jesus gibt hier keine Ratschläge für soziale Chancengleichheit, für wirtschaftliche Besserstellung der Benachteiligten, obwohl ihm das alles nicht egal ist. Ihm geht es nur um die eine Frage: Wie nehmen wir sein Wort auf? Fällt es auf fruchtbaren oder auf steinigen Boden? Jesus sagt es einmal frei heraus: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt besitzt, an seiner Seele aber Schaden leidet?“

Jesus ist der Sämann. Der Ackerboden ist das Herz des Menschen. Jesus gibt selbst die Auslegung seines Gleichnisses. Sein Wort fällt oft auf steinigen Boden. Ich denke, das ist zum Beispiel die Reizüberflutung durch übermäßigen Handykonsum. Da bleibt kaum ein stiller Moment, in dem das Herz zum Nachdenken und zur Ruhe kommen kann. Wenig Erdreich ermöglicht zwar ein kurzes Aufgehen der Saat. Sie kann aber nicht Wurzel fassen, weil es ihr an Tiefe fehlt. Die Dornen sind für Jesus das Bild der Alltagssorgen oder des Wunsches nach immer mehr, dem „trügerischen Reichtum“, wie er sagt. Umso fruchtbarer wird ein Leben, in das das Wort Gottes tief eindringt. Und nun das Entscheidende: Niemand ist davon ausgeschlossen! Jede Lebenssituation, alle Lebensgeschichten können ein ganz überraschend fruchtbarer Boden werden. Vieles in unserem Leben ist „vorprogrammiert“. Das Herz aber kann immer noch ein hörendes werden.

Es ist eine große Freude, dass Papst Leo mit dem heutigen Tag, meinen Nachfolger,  Erzbischof Josef Grünwidl auch zum Or...
11/07/2026

Es ist eine große Freude, dass Papst Leo mit dem heutigen Tag, meinen Nachfolger, Erzbischof Josef Grünwidl auch zum Ordinarius für die Gläubigen der katholischen Ostkirchen in Österreich ernannt hat. Wien hat eine lange Tradition der Verbundenheit mit dem christlichen Osten und speziell mit den katholischen Ostkirchen. Es war für mich eine Ehre und Freude, dass ich über 30 Jahre lang den Dienst an den katholischen Gläubigen der Ostkirchen wahrnehmen konnte.

Morgen feiern die USA ihren 250. Geburtstag. Ein Riesen-Spektakel wird erwartet, das größte Feuerwerk aller Zeiten, Flug...
03/07/2026

Morgen feiern die USA ihren 250. Geburtstag. Ein Riesen-Spektakel wird erwartet, das größte Feuerwerk aller Zeiten, Flugshows, Autorennen, Rodeos und vieles andere. Ein Amerikaner wird allerdings nicht dabei sein: Papst Leo. Er verzichtet darauf, zum Jubiläum in sein Geburtsland zu reisen. Stattdessen besucht er die Insel Lampedusa, auf der jedes Jahr tausende Migranten ankommen. Er denkt an all die, die bei ihrer Flucht übers Meer gestorben sind.

Seine Botschaft ist klar: Wahre Größe bemisst sich nicht daran, wie viele Kriege geführt werden, sondern wie vielen Menschen geholfen wird. Alle Menschen weltweit bilden eine große Menschheitsfamilie. Der Papst lenkt die Aufmerksamkeit bewusst auf eine Personengruppe, die es in den USA gerade schwer haben, auf die Migranten. Migration ist eines der drängendsten Zukunftsthemen.

Kaum einer verlässt ohne Grund seine Heimat. Viele fliehen, um zu überleben. Wir haben alle unter unseren Vorfahren Zugewanderte, Migranten. Die USA ist selbst ein Einwanderungsland. Viel verdanken wir den USA, auch in Europa. An dieses Erbe zu erinnern und zugleich die Not der Migranten zu sehen, ist das Anliegen des Papstes.

02/07/2026
Diese Frage hat Jesus bei einem denkwürdigen Frühstück am Ufer des Sees Genezareth dem Petrus gestellt: „Liebst du mich ...
27/06/2026

Diese Frage hat Jesus bei einem denkwürdigen Frühstück am Ufer des Sees Genezareth dem Petrus gestellt: „Liebst du mich mehr als diese?“ Petrus hat behutsam geantwortet: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebhabe.“
Wir lieben die Menschen, die wir liebhaben, nicht alle gleich. Das ist berechtigt. Es gibt eine Rangordnung in der Liebe. Es ist natürlich, dass Eltern ihre eigenen Kinder mehr lieben als die Nachbarskinder oder die hungerleidenden Kinder in armen Ländern. Mehr lieben heißt nicht, die anderen nicht zu lieben.

Die alten Meister sprechen deshalb von der „Ordnung der Liebe“. Das vierte der Zehn Gebote sagt: „Du sollst Vater und Mutter ehren.“ Wir sind unseren eigenen Eltern Dank und Achtung schuldig. In diesem Sinn sollen und dürfen wir sie mehr lieben als Verwandte, Bekannte oder ganz Fremde.

In der Rangordnung der Liebe stellt sich Jesus klar an die erste Stelle: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.“ Das klingt auf den ersten Blick sehr anmaßend. Ich kann es aber für mich mit einer ganz persönlichen Erfahrung bestätigen. Jesus übertreibt nicht. Er bietet eine wichtige Hilfe für das Leben an.

Ich war 13 Jahre alt, als sich meine Eltern getrennt haben: Scheidung! Es ist und bleibt eine Wunde fürs ganze Leben. Es hat aber bei mir etwas bewirkt, was auch Kinder aus intakten Ehen lernen müssen: Die Eltern sind nicht der liebe Gott! Sie sind auch nur Menschen. Wir dürfen und sollen sie lieben. Wir hoffen und vertrauen, dass sie uns lieben, auch wenn sie in ihrer gegenseitigen Liebe gescheitert sind.

Heute kann ich im Rückblick sagen: Die persönliche Beziehung zu Jesus, der Glaube an Gott, hat mir damals ganz praktisch geholfen. Ich musste meine Eltern nicht weniger lieben dadurch, dass ich ein Mehr an Liebe zu Gott gespürt habe.
Ich glaube, dass menschliche Liebe in allen ihren Formen am besten gelingt, wenn sie Gott den ersten Platz lässt. Das ist keine Frömmelei, sondern der nüchterne Blick auf die Tatsachen. Wir sind alle Geschöpfe. Wir haben alles, was wir sind, empfangen, auch die Gabe, unser Leben zu gestalten. Die größte Gabe Gottes ist es, lieben zu können.

Kein Mensch kann für den anderen die Stelle Gottes einnehmen. Es ist gegen die gute Ordnung der Liebe, den geliebten Menschen zu vergöttlichen. Damit täten wir dem anderen Unrecht. Liebe braucht, wenn sie echt sein soll, das gegenseitige Freigeben und Loslassen. Nur so können wir einander dauerhaft lieben, auch in den schweren Zeiten.

Jesus gibt diesen schweren Zeiten den einfachen Namen: Kreuz. Es fasst alles zusammen, was an Prüfungen, Krankheit und Leid im Leben vorkommt. Jesus hat, ganz wörtlich, sein Kreuz auf sich genommen. Wie für jeden das eigene Kreuz aussieht, kann ganz unterschiedlich sein. Gemeinsam ist uns allen die Frage, ob wir es zu tragen bereit sind. Auch da hilft es, auf Jesus zu schauen. Sein Kreuz war nicht die Endstation. Es war der schwere Durchgang zum vollendeten Leben.

Zur Ordnung der Liebe gehört auch die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen. Konkret ist es die Frage, wie wir aufeinander zugehen, uns an- und aufnehmen. Liebe geht über sich hinaus; sie bleibt nicht bei sich stehen. Jesus drückt das in der schlichten Geste des Bechers frischen Wassers aus, den wir „einem von diesen Kleinen“ reichen. So einfach kann das „Mehr“ an Liebe sein!

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