18/05/2026
Predigt zum 7. Sonntag der Osterzeit in kleiner Allgäuer Dorfgemeinde: Höhepunkt und Kraftquell eines Kurzbesuches zwischen L**h und Iller!
Heute geht der Katholikentag – Hab Mut, steh auf! – in Würzburg zu Ende. Nehmen wir alle Teilnehmenden heute ganz besonders mit ins Gebet und übernehmen dieses Motto!
1952, ein Jahr vor dem Mauerbau, fand der Katholikentag in Berlin unter dem Motto: Gott lebt! statt.
Während das kommunistische DDR-Regime in allen Betrieben, Schulen, Universitäten und Versammlungen ständig lehrte, dass Gott keine Wirklichkeit und auch überflüssig sei, stellte das Treffen der deutschen Katholiken die Überzeugung dagegen: Gott lebt!
Während in den Straßen der damaligen Ostzone und vor Allem in Berlin Altäre mit Stalinbildern aufgebaut waren, die den Bewohnern der DDR die neuen Götter nahebringen sollten, beteten die Katholiken in ihren Gottesdiensten zum einzig wahren Gott. Der damalige Probst und spätere Bischof Spülbeck hielt in der evangelischen Marienkirche – der katholische St. Hedwigs Dom war noch zerstört – einen mutigen Vortrag über das Thema Gott lebt! Er griff den atheistischen Materialismus so scharf an, dass man Angst haben musste, er würde bald vom Staatssicherheitsdienst verhaftet werden. Zwei Welten standen sich gegenüber: der lebendige, immer junge christliche Glaube mit seiner unzerstörbaren Hoffnung und das Tote, Sture, Starre und Senile der kommunistischen Ideologie. Während die eine Seite aus dem Hören auf den Geist Gottes lebte, ging es der anderen um das gewaltsame Durchsetzen ihres Menschen verachtenden Systems.
Woher die Christen damals, wie übrigens in allen Zeiten ihre Kraft schöpften, wird im heutigen Evangelium beschrieben: Ihnen ist der Name Gottes offenbart (Joh 17,6). Sie haben an SEINEM Wort festgehalten (17,6) sie haben erkannt, dass Alles von Gott ist (17,7) sie haben die Worte von Jesus angenommen (17,8) sie gehören dem Vater im Himmel (17,9). Aus dieser Position heraus haben die Christen dem gottlosen Atheismus auf wundersame Weise Widerstand geleistet. Während sich die Ideologen bis an die Zähne bewaffneten und mit Panzern, Maschinengewehren, Geschützen, Kampftruppen, Polizisten, Soldaten und Stasibeamten ihr System durchzusetzen versuchten, begannen die Christen ihren Widerstand so klein, dass ihn Niemand recht bemerkte. Sie zündeten Kerzen an und stellten sie auf die Altäre. Auf einmal begannen die winzigen, unscheinbaren Kerzen sich zu bewegen: sie wanderten vom Altar in den Chorraum, dann auf die Bänke, in die Gänge, vor das Kirchenportal, auf die Straßen und Plätze, vor die Ministerien. Während in den Seitenstraßen die Bereitschaftswagen der Kampftruppen Macht demonstrierten, wanderten die Kerzen in die Zentren der Städte – ohne Worte, ohne Gewalt. Auf einmal merkte die Welt, dass es Kräfte gibt, die stärker sind als Waffen: Gebet, Glaube, Zivilcourage – Heiliger Geist! Ich weiß: das ist schon lange her – aber wir dürfen es nicht vergessen! Wenn Kerzen wandern, verändern sie die Welt. Hinter ihnen steht EINER, der zu SEINEM Vater im Himmel gesagt hat: Für sie bitte ich! (Joh 17,9).
Christen sind wie Kerzen, die stärker sind als die Mächtigen der Erde, weil sie unter dem Gebet Jesu stehen. Väter, Mütter, junge Menschen, alte Menschen: Kerzen sollen wir sein, die DEN verbreiten, der gesagt hat: Ich bin das Licht der Welt! Sollten wir Christen nicht viel selbstbewusster auftreten – trotz aller Unmenschlichkeiten auch in der Kirche – 81 Jahre nach dem Inferno des 2. Weltkrieges, in einer Zeit des Menschen verachtenden Kapitalismus, einlullendem Fun- und Spaß-Sog, durch die Corona-Pandemie zutiefst erschüttertem Machbarkeitswahn, Menschen erniedrigendem Sex-Kult, wieder erstarkendem Nationalismus, schleichendem Unglauben, grausamer, Menschen und Schöpfung kaputt machender Kriege?
Väter, Mütter, junge Freunde, Christinnen und Christen: wir sind stärker, als alle Verschwörungstheoretiker, Machtmenschen, Ideologen, Gottlosen, Fanatiker, weil Jesus hinter uns steht! Steh auf, hab Mut! Aber wie denn?
• reden wir miteinander, nicht übereinander, über unsere gläubige Überzeugung!
• stehen wir hin, wenn die Würde eines Menschen in den Dreck gezogen wird!
• versöhnen und verzeihen wir uns immer wieder!
• verbreiten wir Hoffnungsbotschaften, nicht Hass und Lüge!
• schenken wir uns immer wieder liebevolle Aufmerksamkeiten als Dank und Anerkennung!
• haben wir Zeit füreinander!
• beten wir füreinander: auch für Die, welche uns nicht allzu sehr nahestehen!
• versammeln wir uns solidarisch am Sonntag um das Wort und den Tisch des HERRN!
• halten wir die Werte und Traditionen unseres Glaubens hoch!
• ermutigen wir uns zu einem Leben in Verantwortung, Solidarität und Ehrfurcht voreinander!
Jede, Jeder soll aufstehen für ein menschliches Miteinander – mit den Möglichkeiten und Begabungen, die ihr/ihm gegeben sind! Habt Mut! Amen.
© Bild: www.stern.de CC Duccio di Buoninsegna, Rückseite der Maestà um 1308/11,
Abschiedsrede Jesu an die Apostel, Museo dell‘ Opera del Duomo