14/08/2023
*Wochenimpuls 14. August 2023*
> Vollkommen erlöst <
```Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!``` (Mt 5,48)
```In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du Gott der Treue.``` (Ps 31,6)
Morgen ist das Hochfest Mariä Himmelfahrt. Dieser kirchliche Feiertag kann unser Augenmerk auf die Frage nach dem "danach" lenken: Was passiert nach dem Tod?
Von der Gottesmutter heißt es, dass sie so wie sie war, mit Leib und Seele, direkt nach dem Tod in den Himmel aufgenommen wurde, also mit ihrem Sohn Jesus Christus wieder vereint wurde. An seiner Seite herrscht sie über den Himmel, die Erde und die Unterwelt, also über den ganzen Kosmos. Daran erinnert auch der Gedenktag Maria Königin, der am 22. August, genau eine Woche später begangen wird.
Ein Bild der Hoffnung! Denn Maria ist ein Mensch wie wir. Auch ihr Sohn Jesus ist Mensch wie wir. Aber Jesus Christus ist nicht nur Mensch, sondern auch Gott. Im Unterschied zu Jesus, dem Erlöser, war Maria genauso erlösungsbedürftig wie wir. Zwar hat die Erlösung von Maria, nach kirchlichem Glauben, schon am ersten Tag ihrer Existenz stattgefunden, schon in dem Moment, als ihre Mutter Anna mit ihr schwanger wurde. Aber im Prinzip ist dabei mit Maria das gleiche passiert, was wir für jeden Menschen im Moment seines Todes erhoffen: Die vollkommene Erlösung. Erlöst sein bedeutet: von allen Ängsten frei sein, von aller Gier und Unzufriedenheit frei sein, von Verbitterung und Verzweiflung frei sein.
Maria ist der erste erlöste Mensch. Und weil sie von Anfang an erlöst war, kann ich an ihrem Leben erkennen, was Erlösung bedeutet, und auf welches Ziel ich selbst zusteuere. Weil Maria keine Bitterkeit und keine Angst in ihrem Herzen hatte, konnte sie sich völlig frei dafür entscheiden, die Mutterschaft für den Sohn Gottes zu übernehmen. Sie konnte aus ganzem Herzen "Ja" zu den Plänen Gottes sagen. Ohne Angst vor den Konsequenzen. Und deshalb ist sie "nur wenig geringer gemacht als Gott", ist sie "gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit" (vgl. Ps 8,6). Das war der Zustand der Menschen im Paradies, und das ist auch meine Berufung als Christin.
Wie sehr ich mich darauf freue! Denn ich bemühe mich zwar schon jetzt darum, anderen Menschen und Lebewesen möglichst wenig zu schaden, ein "guter Mensch" zu sein. Aber dass ich trotzdem noch Erlösung nötig habe, das merke ich fast jeden Tag an der Traurigkeit, Wut und Bitterkeit, die ich in mir spüre. Ganz und gar fröhlich bin ich selten. Wie schwer fällt es mir, anderen die Verletzungen zu verzeihen, die mir im Laufe meines Lebens zugefügt wurden! Und diese Bitterkeit beeinflusst mein Denken, und dadurch auch mein Sprechen und Handeln. Das kann ich nicht komplett abstellen. Was für ein Mensch wäre ich wohl, wenn ich ohne Bitterkeit wäre? Wenn ich dem hundertfach in der Bibel stehenden Ruf "fürchte dich nicht!" Folge leisten könnte? Ich vertraue darauf, dass ich es eines Tages erfahren werde. Dann werde ich so sein, wie Gott mich gemeint hat.
_Auf den Fotos zu sehen sind ein Kirchenfenster im Kloster Maria Frieden bei Dahlem und ein Kirchenfenster aus der Pfarrkirche von Gangelt._