Holuntar-Hain

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Offizieller Protohain vom Ár nDraíocht
Féin (ADF) - Eine Druidische Gemeinschaft -

Sooo...die PaganCon 2026 von der PFI Deutschland e.V. beginnt für uns heute, mit dem typischen Pesto. 😀
19/02/2026

Sooo...die PaganCon 2026 von der PFI Deutschland e.V. beginnt für uns heute, mit dem typischen Pesto. 😀

17/02/2026

“The dichotomy of control is the most important idea in Stoicism. It is the realization that some things are up to us, and some things are not. If we focus our efforts on what is up to us, we will be free and unhindered; if we focus on what is not up to us, we will be troubled and miserable.” ― Massimo Pigliucci, How to Be a Stoic: Using Ancient Philosophy to Live a Modern Life, 2017 (Basic Books), p. 23.

07/02/2026

Warum hat die Woche 7 Tage?

Eine Woche ist keine astronomisch „zwingende“ Einheit wie Tag (Erdrotation) oder Jahr (Erdumlauf), sondern eine kulturell entstandene Zeiteinteilung. Dass es 7 Tage wurden, hat vor allem zwei historische Wurzeln, die sich gegenseitig verstärkt haben:

Mondphasen als grobe Orientierung

Ein Mondmonat dauert knapp 29,5 Tage. Teilt man ihn grob in vier Abschnitte (Neumond → erstes Viertel → Vollmond → letztes Viertel), ergeben sich ungefähr vier Abschnitte zu jeweils rund 7 Tagen. Das ist nicht millimetergenau, aber als frühe Zeitstruktur sehr naheliegend.

Die „Sieben“ der antiken Himmelskunde + religiöse Tradition
In der Antike galten sieben „Wandelsterne“ als besonders bedeutsam: die fünf mit bloßem Auge sichtbaren Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn plus Sonne und Mond. Daraus entwickelte sich (vor allem im hellenistisch-römischen Umfeld) auch die Idee der planetar benannten Wochentage (Sonne/Mond/Planeten).

Parallel dazu prägte die jüdische Tradition mit dem fortlaufenden Sieben-Tage-Rhythmus (inkl. Sabbat als Ruhetag) die Verbreitung stark. Im römischen Reich setzte sich die Sieben-Tage-Woche dann zunehmend durch; im Jahr 321 n. Chr. wurde sie unter Kaiser Konstantin offiziell im Staatskalender verankert (u. a. mit Sonntag als gesetzlichem Ruhetag). Das hat die Sieben-Tage-Woche in Europa endgültig stabilisiert und über das Christentum weiter verbreitet.

07/02/2026

Geschichten über 12 und 13

In Märchen und Mythen sind Zahlen selten bloße Dekoration. Sie bauen ein „Gerüst“, an dem sich Ordnung und Störung, Vollständigkeit und Bruch erzählen lassen. 12 ist dafür besonders geeignet – und die 13. Figur (Fee, Gast, Wesen) wird dann fast automatisch zum erzählerischen Störsignal.

Warum 12 in Geschichten so oft „das Ganze“ bedeutet

12 wirkt wie eine abgeschlossene Welt, weil sie an sehr vertraute Ordnungen anschließt:

Zeitordnung: 12 Monate strukturieren das Sonnenjahr als gesellschaftliche Norm; zugleich liegen grob 12 Mondmonate in einem Sonnenjahr – „fast passend“, aber mit einer Restdifferenz, die Kalendertechnik nötig macht (Schalttage/Schaltmonate). Dadurch wird 12 als Grundtakt von „Jahr = ganzer Zyklus“ erlebt.

Himmelsordnung: Die Vorstellung eines in 12 Abschnitte gegliederten Himmels (Tierkreis) verstärkt den Eindruck: Der Kosmos selbst sei in 12 Teile lesbar.

Mathematische Ordnung: 12 ist sehr gut teilbar (2, 3, 4, 6). In Erzählungen und Ritualen fühlt sich eine gut teilbare Zahl „harmonisch“ an: Man kann die Welt in sinnvolle Untereinheiten zerlegen, ohne dass Reste stören.

So entsteht das Motiv: 12 = vollständiger Kreis, vollständiges Set, geschlossene Ordnung.

Warum die 13. Fee „stört“

Die 13 ist nicht einfach „eine mehr“, sondern erzählerisch eine Zahl jenseits der Vollständigkeit. Wenn 12 die geschlossene Tafelrunde, das vollständige Pantheon, der fertige Jahreskreis ist, dann ist 13:

- das Überzählige (es passt nicht in die vorhandene Ordnung),

- das Ausgeschlossene (es wird aktiv draußen gehalten),

- das Unberechenbare (es sprengt Symmetrie und Plan).

Und genau das braucht ein Märchen: Nicht Harmonie, sondern einen Bruch, der Handlung erzwingt.

Dornröschen als Lehrstück: „Nur 12 goldene Teller“

Im Grimm’schen Dornröschen wird das Störmotiv fast schulbuchhaft gebaut: Es gibt dreizehn „weise Frauen“, aber nur zwölf goldene Teller. Also bleibt eine daheim – nicht, weil sie „wesensmäßig böse“ ist, sondern weil die Ordnung (hier: Reichtum/Etikette/Planbarkeit) zu klein gebaut wurde.

Das ist ein starkes Bild:
Die Gemeinschaft definiert Vollständigkeit nicht durch Gerechtigkeit („alle einladen“), sondern durch Ausstattung und Status („für 13 reicht unser Gold nicht“). Die 13. Figur ist dann die Rückkehr des Verdrängten: Sie platzt hinein und macht sichtbar, was die glatte Ordnung gekostet hat – Ausschluss.

Erzählerisch passiert etwas sehr Typisches:

- Ordnung wird hergestellt (Fest, Einladungen, Segnungen – „alles ist im Lot“).

- Ein Element wird ausgespart (13 passt nicht in 12).

- Das Ausgesparte kehrt als Störung zurück (Fluch).

- Die Geschichte verhandelt den Preis der Ordnung (Schlaf/Stillstand) – und später deren Lösung.

Das Motiv ist älter als die Grimms – aber die Zahlen variieren

Interessant ist: In anderen Fassungen des Sleeping Beauty-Stoffs sind es nicht immer 12/13. Bei Perrault sind es sieben Feen – und eine weitere (alte, übersehene) Figur, die den Fluch setzt. Die Struktur ist ähnlich: ein abgeschlossenes Set (alle relevanten Mächte eingeladen) wird behauptet – und dann zeigt sich, dass es doch nicht vollständig war.

Das spricht dafür: Die konkrete Zahl (7/8 oder 12/13) kann wechseln, aber das Prinzip bleibt stabil:

„Wir haben an alles gedacht“
gegen

„Nein – etwas (oder jemand) wurde vergessen / ausgeschlossen.“

Mythologische Parallelidee: der ungebetene „13. Gast“

Auch außerhalb von Märchen gibt es die Erzählfigur des Zusatz-Gastes, der das geschlossene System kippt. Populäre Zusammenfassungen verknüpfen das mit nordischen Göttergeschichten (ein Fest der Götter, ein ungebetener zusätzlicher Gast, danach Unheil). Ob jede moderne Version dieser Erzählung quellengetreu ist, ist im Detail diskutierbar – aber als Motivlogik passt es perfekt: Ein Kreis gilt als geschlossen, bis der „Eine-zu-viel“-Gast erscheint und zeigt, dass Ordnung verletzlich ist.

Was die 13. Fee „eigentlich“ ist: Grenzfigur statt Bösewicht

Wenn man das Märchenmotiv ernst nimmt, ist die 13. Fee weniger „die Böse“, sondern eine Grenzfigur:

Sie markiert, dass Vollständigkeit konstruiert ist (nicht naturgegeben).

Sie verkörpert das, was eine Gemeinschaft nicht integriert – und was deshalb als Rückschlag wiederkehrt.

Sie macht aus einer perfekten Tafel eine Geschichte.

In diesem Sinn ist die 13. Fee nicht nur Störung, sondern auch eine Art „Realitätsprinzip“: Sie zwingt die glatte Ordnung, sich zu bewähren.

07/02/2026

Offene Jahreskreisfeste des Adrana Hains, Proto-Hain ADF, Nordhessen

🌿Wir möchten euch herzlich zu den Jahreskreisfesten des Adrana Hains einladen und freuen uns darauf, gemeinsam mit euch die Magie der Natur und spirituelle Gemeinschaft zu erleben.
🌿Der Adrana Hain praktiziert zeitgemäßes Druidentum und ist ein offizieller (Proto)Hain von Ar nDraiocht Fein (ADF) – einer druidischen Gemeinschaft, die einen Mittelwelg zwischen der Orientierung an den vorchristlichen Religionen und einem zeitgemäßen, modernen Heidentum geht.

🌿Unsere Rituale finden größtenteils draußen in der Natur statt. Inmitten der grünen Landschaft kommen wir zusammen, um uns mit den Göttinnen und Göttern, den Naturgeistern und unseren Ahnen zu verbinden.

🌿Unsere Rituale sind offen für Anhänger aller paganen Richtungen und für Menschen, die ein inklusives Weltbild pflegen.

🌿Wir streben danach, ein Raum der Akzeptanz und des Respekts zu sein und verstehen uns als LGBTQ+ Safe Space.

🌿Die Rituale finden in Nordhessen, in der Nähe von Kassel oder in Kassel selbst statt und können mit etwas Planung meistens auch gut mit den Öffis erreicht werden.

🌿Wichtige Informationen:
• Vorherige Anmeldung ist erforderlich, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.
• Ein symbolischer Obulus wird gerne entgegengenommen, um die Kosten zu decken und den Hain zu unterstützen.
• Nach den Ritualen laden wir herzlich zu einem gemeinsamen Buffet ein, um die Gemeinschaft zu stärken und den Tag in Geselligkeit ausklingen zu lassen.

🌿Termine: Hier sind die anstehenden Termine (Änderungen vorbehalten) für die kommenden Jahreskreisfeste.

🌿Wir freuen uns darauf, diese besonderen Momente mit euch zu teilen:
• Imbolc: 31.01.26
• Ostara: 21.03.26
• Beltane: 01.05.26
• Mittsommer: 20.06.26
• Lughnasadh: TBA
• Herbstfest: 26.09.26
• Samhain: TBA
• Yule: 19.12.26

🌿Wir freuen uns darauf gemeinsam die Jahreskreisfeste zu zelebrieren!

naturspiritualität adranahain

Heute hatten wir eine schöne Imbolc-Feier gehabt 😊.
31/01/2026

Heute hatten wir eine schöne Imbolc-Feier gehabt 😊.

05/01/2026

Der Monat Januar

Januar ist im Deutschen ein entlehnter Monatsname und geht letztlich auf lat. (mensis) Ianuarius zurück, also „(der) dem Janus geweihte (Monat)“.
Im Deutschen standen lange auch stärker „eingedeutschte“ Formen wie Jenner/Jänner neben der latinisierteren Form; in Österreich ist Jänner bis heute üblich.

Im römischen Kontext wurde Ianuarius (nach antiker Tradition) im Zuge der Kalenderreformen dem Jahr „vornangestellt“; Ovid schreibt dies dem König Numa zu (der zwei Monate „voranstellte“).
Dass 1. Januar politisch-administrativ als Jahresbeginn besonders fest wurde, hängt damit zusammen, dass ab 153 v. Chr. die Konsuln ihr Amt am 1. Januar antraten (ein Schritt, der mit der Lage in Hispania begründet wird).

Janus – Eigenschaften und Kultus

Janus (Ianus) ist eine genuin römische Gottheit der Anfänge, Übergänge und Schwellen: Türen, Tore, Durchgänge, Ein- und Ausgänge – im übertragenen Sinn auch der Übergang vom Alten zum Neuen (z. B. Jahreswechsel). Er wird klassisch zweigesichtig gedacht: ein Gesicht „rückwärts“, eines „vorwärts“.

In Ovids Fasti erscheint Janus programmatisch als Gott, der „öffnet und schließt“ und der Zugang zu den übrigen Göttern ermöglicht; deshalb werden ihm bei Anfängen rituell zuerst Wein und Weihrauch dargebracht.
Ovid verbindet Janus zudem ausdrücklich mit der Symbolik der Tür (zwei „Fronten“) und nennt typische Attribute: Schlüssel (für das Öffnen/Schließen) und Stab (als Zeichen der Lenkung/Ordnung).

Zum Kultus gehört besonders die Vorstellung des Ianus Geminus (oft „Tempel/Schrein des Janus“ genannt), dessen Tore im römischen Selbstverständnis im Krieg geöffnet und im Frieden geschlossen wurden (als öffentliches Zeichen für den Zustand des Gemeinwesens).

Für den Jahresanfang sind in den Quellen typische Neujahrspraktiken greifbar: Am Kalenden-Tag des Januar (1. Januar) werden gute Worte und gute Vorzeichen betont; Ovid erwähnt als symbolische Gaben u. a. Datteln, Feigen und Honig, damit das Jahr „süß“ beginne und „süß“ verlaufe.

Kurze Anrufung an Janus

Janus, Hüter der Schwelle,
Zweigesichtiger, der zurück und voraus schaut,
Träger des Schlüssels, Lenker der Wege:

Öffne, was reif ist für Neubeginn.
Schließe, was vollendet ist und gehen darf.
Gib mir klaren Blick für das, was war,
und Mut für das, was kommt.

Steh mir bei an jeder Tür, die ich berühre.

05/01/2026

„Kult“ – vom Praxisbegriff zum Kampfwort

Das Wort „Kult“ hat im Deutschen zwei sehr unterschiedliche Gesichter: eines ist alt, sachlich und religionsgeschichtlich brauchbar; das andere ist modern, emotional aufgeladen und oft abwertend. Wer heute „Kult“ sagt, löst schnell Assoziationen von Manipulation, Abschottung oder „Sekte“ aus – obwohl das nicht der ursprüngliche Sinn des Wortes ist. Gerade deshalb lohnt es sich, den Begriff einmal sauber auseinanderzulegen.

Ursprung: cultus als Pflege, Verehrung, gelebte Zuwendung

Etymologisch gehört „Kult“ zu einem lateinischen Bedeutungsfeld, das zunächst „pflegen“ und „bebauen“ meint – und davon abgeleitet auch „(eine Gottheit) verehren“. In dieser Wurzel steckt weniger „blinde Unterwerfung“ als vielmehr „sorgfältige Hinwendung“: etwas wird durch wiederholte Praxis erhalten, gepflegt und gestaltet. Dass „Kult“ aus cultus kommt und mit colere („bebauen, pflegen“) zusammenhängt, ist in der Lexikografie gut belegt. Von Anfang an ist damit auch die Verehrung einer Gottheit gemeint, aber als Teil eines größeren Pflege- und Praxisbegriffs.

In dieser Linie steht auch „Kultus“: ein fachsprachlicher Ausdruck für religiöse Verehrung durch rituelle Handlungen, also für den Vollzug. „Kult“ benennt hier nicht zuerst eine Lehre, sondern die gelebte Praxis – Rituale, Opferhandlungen, Gebet, Festzeiten, Prozessionen, Tempel- oder Hausriten. Kurz: die Weise, wie Religion getan wird.

Religionsgeschichte: „Kult“ als neutraler Fachbegriff

In der Geschichtsschreibung und Religionswissenschaft ist „Kult“ deshalb grundsätzlich wertneutral. Wenn von „Mysterienkulten“ in der Antike oder vom „Kaiserkult“ die Rede ist, meint das zunächst eine konkrete Form religiöser Verehrung und Ritualpraxis in einem bestimmten sozialen und politischen Rahmen. In dieser Verwendung hat „Kult“ keine eingebaute Abwertung; er ist schlicht ein beschreibender Begriff für rituelle Formen der Religiosität.

Gerade diese Neutralität ist wichtig: Sie erlaubt, religiöse Praxis zu beschreiben, ohne schon im Wort selbst ein Urteil über „gut“ oder „schlecht“, „vernünftig“ oder „irrational“ zu verstecken.

Die neuzeitliche Verschiebung: englisches „cult“ und das Problem der Abwertung

Die Schwierigkeit beginnt dort, wo das englische Wort cult (und sein deutscher Importgebrauch) stark pejorativ geworden ist. In populären Medien meint cult heute häufig eine Gruppe, die als gefährlich, manipulativ, insular oder autoritär gilt. Wörterbücher dokumentieren diese Bedeutung ausdrücklich: „cult“ wird teils direkt über Gefährlichkeit und Kontrolle definiert. Dadurch wird „Kult“ im Alltag leicht zu einem Etikett, das nicht beschreibt, sondern stigmatisiert.

Das ist mehr als ein sprachliches Detail. Sobald ein Begriff zum Kampfwort wird, ersetzt er Analyse durch Stimmung: „Das ist ein Kult“ kann dann schon als Urteil gelten, bevor überhaupt geprüft wurde, was die Gruppe tatsächlich tut, wie sie organisiert ist, wie freiwillig Zugehörigkeit ist, ob Ausstieg möglich ist, ob Druck, Täuschung, Ausbeutung oder Gewalt vorliegen. Genau deshalb bevorzugen viele Fachleute für die wissenschaftliche Beschreibung neuer Gruppierungen neutralere Ausdrücke wie „neue religiöse Bewegungen“: um nicht bereits im Vokabular eine Vorverurteilung mitzutransportieren.

„Sekte“ als Parallele: ursprünglich „Richtung“, heute meist Schimpfwort

Ähnlich verhält es sich im Deutschen mit „Sekte“. Etymologisch ist der Begriff zunächst erstaunlich nüchtern: eine „Richtung“ oder „Schulrichtung“, eine Gefolgschaft. In der heutigen Umgangssprache ist „Sekte“ jedoch häufig ein Alarmwort. Auch politische und kirchliche Beratungsstellen weisen darauf hin, dass es keine allgemein anerkannte, wissenschaftlich eindeutige Definition gibt und dass der Begriff oft pauschal verwendet wird.

Ein wichtiger Punkt aus der deutschen Debatte ist dabei: Nicht jede kleine oder neue religiöse Gemeinschaft ist „problematisch“. Eine pauschale Stempelung kann sachlich falsch sein und gesellschaftlich schädlich wirken – weil sie legitime Religionsausübung diffamiert und echte Risiken zugleich unscharf macht. Wer Missstände benennen will, trifft besser konkrete Aussagen über überprüfbare Kriterien (Zwang, Täuschung, finanzielle Ausbeutung, Gewalt, systematische Kontrolle, Abschottung, Drohungen), statt ein einziges Schlagwort sprechen zu lassen.

Popkultur: „Kult“ als Hype, „Kultstatus“ und Fan-Verehrung

Parallel zur abwertenden Religionsbedeutung hat sich eine zweite, scheinbar harmlose Alltagsbedeutung etabliert: „Kultfilm“, „Kultband“, „Kult um eine Person“. Hier ist „Kult“ eine Metapher für übersteigerte Begeisterung oder symbolische Verehrung – manchmal ironisch, manchmal tatsächlich unkritisch. Auch das trägt zur Verwirrung bei: Das Wort wird zugleich für (1) religiöse Ritualpraxis, (2) gefährliche Gruppen und (3) popkulturelle Fan-Begeisterung benutzt. In Gesprächen springt es unbemerkt zwischen diesen Ebenen hin und her.

Den Begriff zurückholen: „Kult“ als Praxisbegriff statt als Urteil

Wenn man „Kult“ in seine sachliche Bedeutung zurückführt, gewinnt man begriffliche Schärfe. Dann heißt „Kult“ zunächst: ein Ensemble von rituellen Handlungen und Formen der Verehrung. Das kann innerhalb großer, gesellschaftlich etablierter Religionen vorkommen (etwa Heiligenverehrung als Kult im religionshistorischen Sinn), ebenso wie in kleineren Traditionen. Das Wort sagt dann noch nichts darüber, ob eine Gemeinschaft demokratisch, autoritär, offen oder abgeschottet ist. Es beschreibt Praxis, nicht Moral.

Für die kritische Bewertung religiöser Gruppen ist diese Unterscheidung entscheidend. Kritik wird stärker, wenn sie präzise ist: Nicht „Kult!“ rufen, sondern benennen, was genau geschieht und warum es problematisch ist. Das schützt gleichzeitig vor blindem Relativismus („ist halt Religion“) und vor pauschaler Diffamierung („ist halt Kult/Sekte“).

Warum das Zurückholen oft scheitert – und ob „Kult“ als Selbstbezeichnung klug ist

Allerdings ist es oft schwer, Wörter wieder zu ihrer ursprünglichen Bedeutung zurückzuführen, wenn sie an mehr als einer Stelle gleichzeitig verrutscht sind. Bei „Kult“ wirken mindestens zwei Fehl- bzw. Nebenverwendungen zusammen: die importierte, abwertende Bedeutung (engl. cult) und die popkulturelle Bedeutung (Hype/Kultstatus). Dadurch ist das Wort im öffentlichen Ohr dauerhaft mehrdeutig. Selbst wenn man es sachlich meint, hören viele automatisch die abwertende oder ironische Bedeutung mit. Sprachwandel lässt sich nicht einfach „rückgängig erklären“ – besonders nicht, wenn Medien, Popkultur und politische Debatten das Wort ständig in denselben Schienen führen.

Das führt zu einer praktischen Abwägung: Ob die Selbstbezeichnung „Kult“ heute tatsächlich hilfreich ist. Sie kann bewusst an „Kultus“ im Sinn von Ritualpraxis anknüpfen, wird aber in vielen Kontexten sofort missverstanden und löst Abwehrreaktionen aus. Demgegenüber ist „Religion“ in Deutschland juristisch und gesellschaftlich ein deutlich etablierterer Begriff: Er ist im Verfassungsrecht verankert (Religions- und Weltanschauungsfreiheit) und in Verwaltungssprache und Öffentlichkeit geläufig. Auch „Religion“ ist nicht völlig unumstritten – die Grenzen zwischen Religion, Weltanschauung, Spiritualität und Kultur werden diskutiert –, aber als Grundbegriff ist er weniger erklärungsbedürftig und trägt weniger Stigma mit. Wer in der Öffentlichkeit verstanden werden will, fährt daher oft klüger damit, von „Religion“, „religiöser Tradition“ oder „religiöser Gemeinschaft“ zu sprechen und „Kult“ für den fachlichen Kontext zu reservieren, in dem wirklich Ritualpraxis gemeint ist.

Der Holuntar-Hain dankt allen Helfern und Unterstützern während des andauernden Stromausfalls im Südwesten von Berlin.Au...
05/01/2026

Der Holuntar-Hain dankt allen Helfern und Unterstützern während des andauernden Stromausfalls im Südwesten von Berlin.
Auch möchten wir der Ahmadiyya Gemeinschaft und deren NGO Humanity First danken, der Partner von Pantheon e.V. im Projekt Dialog +.

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