FeG Bad Gandersheim

FeG Bad Gandersheim Die Freie evangelische Gemeinde Bad Gandersheim ist eine Gemeinde für junge und alte, für fromme und nicht-fromme und für suchende.

Kurzum eine Gemeinde für alle.

Als ich diese Woche mit meinem neunjährigen Sohn Nachrichten geschaut habe, lief ein Bericht über die internationale UNI...
24/05/2026

Als ich diese Woche mit meinem neunjährigen Sohn Nachrichten geschaut habe, lief ein Bericht über die internationale UNICEF-Studie zum Wohlbefinden von Kindern. Dabei wurde deutlich: Das Wohlbefinden von Kindern in Deutschland liegt nur im unteren Mittelfeld. Viele Kinder fühlen sich einsam, unter Druck oder nicht wirklich glücklich. Als der Bericht zu Ende war, habe ich meinen Sohn gefragt: „Und wie geht es dir?“ Er schaute mich kurz an, überlegte einen Moment und sagte dann: „Mir geht es gut. Ich habe ja auch eine Menge Spielzeug.“ Ich musste lächeln und sagte zu ihm: „Ja, aber Spielzeug ist ja auch nicht alles im Leben.“ Und dann kam dieser Satz, der mich wirklich nachdenklich gemacht hat: „Das stimmt. Spielzeug ist nicht alles – aber es ist etwas.“
Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto klüger erschien mir diese Antwort. Denn mein Sohn wollte gar nicht sagen, dass Spielzeug das Wichtigste im Leben ist. Er weiß selbst, dass Familie, Freunde, Liebe und gemeinsame Zeit viel wertvoller sind. Aber in diesem Moment war er einfach dankbar für das, was er hat. Ich finde, darin liegt eine wichtige geistliche Wahrheit.
Wir Menschen neigen mitunter dazu, Dinge entweder ganz hoch zu bewerten oder komplett abzuwerten. Entweder wir hängen unser Herz zu sehr an materielle Dinge – oder wir reden so, als hätten sie überhaupt keine Bedeutung. Doch die Bibel ist erstaunlich realistisch. Sie sagt nicht, dass Besitz grundsätzlich schlecht ist. Aber sie erinnert uns daran, dass die guten Gaben unseres Lebens nicht unser letzter Halt sein dürfen. Im ersten Timotheusbrief schreibt Paulus über Gott: „Er ist es, der uns mit allem reich beschenkt, damit wir es genießen können.“ (1.Tim 6,17) Das ist ein bemerkenswerter Satz. Gott liebt es, wenn wir uns über das freuen, was er uns Menschengegeben hat. Gott freut sich über unsere Dankbarkeit über kleine und große Dinge. Ein schönes Zuhause, gutes Essen, ein Geschenk, ein Spielzeug im Kinderzimmer – all das darf Freude machen. Problematisch wird es erst dann, wenn wir vergessen, woher all das kommt. Oder wenn wir meinen, unser Glück hinge ausschließlich davon ab.
Mein Sohn hat mit seinem Satz etwas ausgesprochen, das vielen Erwachsenen verloren gegangen ist: Dankbarkeit für das Kleine. „Es ist nicht alles – aber es ist etwas.“ Wie oft übersehen wir genau dieses „Etwas“? Die Tasse Kaffee am Morgen. Das Gespräch mit einem lieben Menschen. Ein Kind, das lacht. Gesundheit für diesen Tag. Ein Dach über dem Kopf. Oder einfach ein ruhiger Abend. Wir leben in einer Zeit, in der ständig vermittelt wird, was uns noch fehlt. Noch mehr Erfolg. Noch mehr Besitz. Noch mehr Möglichkeiten. Und trotzdem werden viele Menschen innerlich nicht zufriedener. Vielleicht gerade deshalb, weil Dankbarkeit immer kleiner wird.
Die Bibel zeigt uns einen anderen Weg. Nicht immer mehr, sondern Dankbarkeit. Nicht ständiger Mangelblick, sondern ein offenes Herz für Gottes Gaben. Dankbarkeit bedeutet dabei nicht, Probleme zu verdrängen. Auch Kinder in Deutschland haben Sorgen. Viele Familien stehen unter Druck. Einsamkeit, Ängste und Überforderung sind real. Christlicher Glaube macht nicht blind für Schwierigkeiten. Aber Dankbarkeit hilft uns, das Gute nicht aus dem Blick zu verlieren. Jesus selbst lebte diese Haltung vor. Selbst bevor er die wenigen Brote und Fische verteilte, dankte er Gott dafür. Obwohl es eigentlich viel zu wenig war. Dankbarkeit beginnt also nicht erst im Überfluss. Sie beginnt dort, wo wir erkennen: Gott hat uns beschenkt, auch wenn es nur „etwas“ ist. Vielleicht brauchen wir manchmal den Blick eines Kindes, um das wieder zu lernen. „Spielzeug ist nicht alles – aber es ist etwas.“ Ein einfacher Satz. Und vielleicht doch eine kleine Erinnerung daran, dass Glück oft dort wächst, wo Menschen dankbar wahrnehmen, was Gott ihnen heute schenkt.

Pizza, Studium und Vertrauen.Neulich sagte unser neunjähriger Sohn ganz ernst zu uns: „Ich glaube, ich muss jetzt langsa...
12/05/2026

Pizza, Studium und Vertrauen.

Neulich sagte unser neunjähriger Sohn ganz ernst zu uns: „Ich glaube, ich muss jetzt langsam lernen, wie man Tiefkühlpizza macht.“ Wir mussten lachen und fragten ihn, warum das denn plötzlich so wichtig sei. Seine Antwort kam sofort: „Na ja, wenn ich irgendwann in zehn Jahren studiere, muss ich mir doch selbst etwas zu essen machen können.“ Dann erklärte er weiter, dass Pizza ja eigentlich ganz einfach sei. Man müsse nur das tun, was hinten auf der Packung steht. Aber Übung könne trotzdem nicht schaden.
Dieser Gedanke hat mich bewegt. Ein Kind steht in der Küche und denkt über etwas nach, das vielleicht erst in zehn Jahren wichtig wird. Er macht sich Gedanken über die Zukunft. Er versteht: Manche Dinge lernt man nicht erst in dem Moment, in dem man sie braucht. Manche Dinge beginnen lange vorher. Genau das erinnert mich an einen wichtigen Gedanken aus der Bibel. Unser Leben mit Gott entsteht nicht erst dann, wenn die schweren Zeiten kommen. Vertrauen wächst vorher. Glaube wird eingeübt. Hoffnung wird trainiert – mitten im Alltag. Oft wünschen wir uns einen Glauben, der uns automatisch trägt, wenn es schwierig wird. Aber meistens entsteht geistliche Stärke nicht plötzlich. Sie wächst in kleinen Schritten. Im Gebet. Im Lesen der Bibel. Im Gottesdienst. Im stillen Vertrauen. In den scheinbar unspektakulären Momenten des Alltags.
Vielleicht ist das ein bisschen wie bei einer Tiefkühlpizza. Die Anleitung ist eigentlich nicht kompliziert. Ofen vorheizen. Pizza hineinlegen. Warten. Fertig. Und doch ist da etwas Wahres in der Aussage meines Sohnes: Übung schadet nicht. Auch Jesus spricht davon, vorbereitet zu sein. Nicht aus Angst, sondern aus Weisheit. In der Bergpredigt sagt er, dass ein kluger Mensch sein Haus auf Felsen baut. Wenn dann Sturm und Regen kommen, bleibt das Haus stehen. Der entscheidende Unterschied zeigt sich nicht im Sonnenschein, sondern im Sturm. Aber gebaut wird vorher.
Viele Menschen merken erst in Krisenzeiten, wie wenig sie innerlich vorbereitet sind. Wenn Sorgen kommen. Wenn eine Diagnose alles verändert. Wenn Beziehungen zerbrechen. Wenn Zukunftsängste wachsen. Dann wünschen wir uns plötzlich Frieden, Vertrauen und Hoffnung. Doch solche Dinge lassen sich nicht einfach auf Knopfdruck einschalten. Sie wachsen über Jahre. Darum sind die kleinen Schritte des Glaubens so wertvoll. Ein kurzes Gebet am Morgen. Ein Psalm am Abend. Ein ehrliches Gespräch mit Gott. Eine Entscheidung zur Vergebung. Ein Lied, das Hoffnung schenkt. Das alles wirkt manchmal unscheinbar. Aber genau darin übt Gott unser Herz.
Mein Sohn denkt heute schon an sein Studentenleben in zehn Jahren. Vielleicht wird er später tatsächlich einmal alleine in einer kleinen Wohnung stehen und sich erinnern, wie er als Kind seine erste Tiefkühlpizza gemacht hat. Vielleicht wird er darüber lachen. Aber die Haltung dahinter ist bemerkenswert: Heute etwas lernen, das morgen trägt. Wie viel mehr gilt das für unseren Glauben. Gott lädt uns ein, heute mit ihm zu leben. Nicht erst dann, wenn wir nicht mehr weiterwissen. Nicht erst in der Krise. Sondern jetzt. Im Alltag. Im Gewöhnlichen. Denn dort entsteht Vertrauen.
Vielleicht musst du gerade gar keinen großen Sturm durchstehen. Vielleicht ist dein Leben im Moment ruhig. Dann ist genau jetzt eine gute Zeit, Gottes Nähe zu suchen. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil eine Beziehung wächst, wenn man sie lebt. Und wenn irgendwann schwierige Zeiten kommen, wirst du vielleicht merken: Gott war längst dabei, dein Herz vorzubereiten. Schritt für Schritt. Tag für Tag. Und manchmal beginnt so eine geistliche Wahrheit eben mit einem neunjährigen Jungen, einer Tiefkühlpizza und dem Gedanken an das Leben in zehn Jahren.

Herzliche Einladung An Christi Himmelfahrt (14. Mai) feiern wir gemeinsam Gottesdienst 🕥 10.30 Uhr | 📍 Wichernkapelle im...
30/04/2026

Herzliche Einladung

An Christi Himmelfahrt (14. Mai) feiern wir gemeinsam Gottesdienst
🕥 10.30 Uhr | 📍 Wichernkapelle im Diakonissenmutterhaus

Dich erwarten ermutigende Worte, lebendige Musik und eine Gemeinschaft, in der du einfach willkommen bist. Egal, wo du im Glauben stehst – komm vorbei, tanke neue Hoffnung und erlebe, wie gut Gemeinschaft tut.

👉 Bring gern Freunde oder Familie mit – wir freuen uns auf dich!

Mehr als der erste Eindruck.Diese Woche war ich mit meinem neunjährigen Sohn beim Arzt. Ein ganz normaler Termin. Wir sa...
29/04/2026

Mehr als der erste Eindruck.

Diese Woche war ich mit meinem neunjährigen Sohn beim Arzt. Ein ganz normaler Termin. Wir saßen im Wartezimmer, warteten, beobachteten ein wenig das Geschehen. Als wir dann im Behandlungszimmer sitzen werde ich gefragt, ob ich alleinerziehender Vater sei. Ich antwortete: „Nein, ich bin verheiratet. Meine Frau ist bei der Arbeit.“ Daraufhin kam die Rückmeldung: „Ach so – normalerweise sitzen hier immer die Mütter. Das ist eher ungewöhnlich.“ Ein kurzer, freundlicher Austausch – und doch hat er etwas deutlich gemacht: Wie schnell wir Menschen einordnen. Wie schnell wir aus einer Situation eine Geschichte machen. Ein Vater sitzt beim Arzt mit seinem Kind, also passt das nicht ins gewohnte Bild – und sofort entsteht eine Erklärung.
Wir alle kennen das. Wir sehen einen Menschen und denken sofort: „So ist der.“ Wir hören einen Satz und meinen zu wissen, was gemeint ist. Wir erleben eine Situation und ordnen sie ein, ohne nachzufragen. Das passiert automatisch, fast unbemerkt. Doch diese schnellen Urteile haben eine Grenze: Sie sind oft unvollständig. Manchmal sind sie schlicht falsch. Die Bibel spricht genau in diese Spannung hinein. Als der Prophet Samuel einen neuen König für Israel suchen soll, steht er vor den Söhnen Isais. Einer wirkt stärker und geeigneter als der andere. Doch Gott korrigiert seinen Blick: Der Mensch sieht, was vor Augen ist, aber der HERR sieht das Herz. (1Sam 16,7) Das ist eine klare Aussage. Menschen sehen das Äußere. Gott sieht das Innere. Menschen sehen den Moment. Gott sieht das ganze Leben. Menschen bewerten Verhalten. Gott erkennt die Beweggründe. Das bedeutet: Unsere Wahrnehmung reicht oft nicht aus, um ein gerechtes Urteil zu fällen. Wir sehen Ausschnitte aber nie die gesamten Zusammenhänge. Wir erkennen Verhalten, aber nicht automatisch die Gründe dahinter.
Im Alltag zeigt sich das ständig. Ein Mensch ist still – und wird als unbeteiligt eingeordnet. Ein anderer ist laut – und gilt als rücksichtslos. Jemand wirkt distanziert – und wird für arrogant gehalten, obwohl Unsicherheit dahintersteht. Oder ein Vater sitzt mit seinem Kind im Wartezimmer – und gilt als Ausnahmefall. Dabei wäre eine andere Reaktion ebenso möglich: den Moment einfach stehen lassen. Den Menschen nicht sofort einordnen, sondern wahrnehmen. Ohne vorschnelle Deutung. Vorurteile entstehen oft aus Gewohnheit. Sie speisen sich aus Erfahrungen und aus Bildern, die wir im Kopf tragen. Doch sie begrenzen unseren Blick. Sie verhindern, dass wir Menschen wirklich erkennen.
Jesus hat genau hier einen anderen Weg gezeigt. Er hat Menschen nicht auf das reduziert, was sichtbar war oder was andere über sie dachten. Er hat hingesehen. Er hat zugehört. Er hat sich Zeit genommen. Und er hat Menschen in ihrer Würde ernst genommen – unabhängig davon, in welche Schublade sie gesteckt wurden. Das ist ein klares Vorbild. Es fordert heraus, den eigenen Blick zu überprüfen: Wo urteile ich zu schnell? Wo lege ich andere fest, ohne sie wirklich zu kennen? Wo ersetze ich echtes Interesse durch eine schnelle Erklärung? Ein veränderter Blick beginnt damit, diese Fragen ehrlich zuzulassen. Und er zeigt sich ganz praktisch: im Zuhören, im Nachfragen, im Offenbleiben. Statt vorschnell zu denken: „So ist dieser Mensch“, entsteht eine andere Haltung: „Ich sehe nur einen Teil – ich will mehr verstehen.“ So wächst Respekt. So entsteht echte Begegnung. Jeder Mensch trägt mehr in sich, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Jede Lebenssituation hat Hintergründe, die sich nicht sofort erschließen. Wer das ernst nimmt, begegnet anderen anders: nicht festlegend, sondern offen; nicht urteilend, sondern aufmerksam. Gott selbst geht diesen Weg. Er sieht den Menschen ganz. Er reduziert niemanden auf einen Moment oder auf ein äußeres Bild. Und genau das gibt auch unserem Blick eine neue Richtung. Nicht der erste Eindruck soll entscheiden. Sondern die Bereitschaft, genauer hinzusehen.

Als ich noch in Bielefeld wohnte, hatten wir in unserem Garten mehrere Zierjohannisbeersträucher. Besonders mochte ich, ...
15/04/2026

Als ich noch in Bielefeld wohnte, hatten wir in unserem Garten mehrere Zierjohannisbeersträucher. Besonders mochte ich, dass sie schon im frühen Frühjahr ihre leuchtend roten Blüten trugen und damit zu den ersten Farbtupfern im Garten gehörten. Als wir später nach Sebexen gezogen sind, entdeckte ich vor unserem Haus ebenfalls einen großen Busch – wieder eine Zierjohannisbeere. Allerdings war dieser Strauch schon sehr alt und stark gewachsen. In seinem Inneren befand sich viel totes Geäst, die Blüte war spärlich geworden, und immer wieder landeten Zweige und Blätter in der Dachrinne, weil er einfach zu groß geworden war. Also begann ich, ihn zurückzuschneiden. Doch zunächst schien das keine Verbesserung zu bringen – im Gegenteil: Der Busch blühte kaum noch und wirkte eher kahl als lebendig. Jetzt, acht Jahre später, kurz bevor wir von hier wegziehen, sehe ich das Ergebnis: Der Strauch ist dicht gewachsen, das tote Holz ist verschwunden, und in diesem Frühjahr blüht er so schön wie lange nicht mehr. Vielleicht kennst du solche Erfahrungen auch: Du investierst Zeit, Kraft und Hoffnung – und erst einmal wird es nicht besser, sondern scheinbar schlechter. Dinge, an denen du arbeitest, sehen plötzlich karger aus als zuvor. Und du fragst dich: Hat sich das überhaupt gelohnt? Dieses Bild greift auch die Bibel auf. In Johannesevangelium 15 spricht Jesus Christus davon, dass Gott wie ein Weingärtner ist. Er sagt: „Jede Rebe an mir, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.“ Dieses Reinigen ist im Grunde ein Beschneiden. Und genau das kann sich in deinem Leben manchmal genauso anfühlen. Es gibt Zeiten, in denen Gott Dinge zurückschneidet. Vielleicht Gewohnheiten, Sicherheiten oder Wege, die dir vertraut sind. Und oft verstehst du in dem Moment nicht, warum. Es fühlt sich eher nach Verlust an als nach Wachstum. So wie bei dem Busch: Der Rückschnitt sah lange nicht nach Verbesserung aus. Es hat Jahre gedauert, bis sichtbar wurde, was dadurch eigentlich gewachsen ist. Jahre, in denen man hätte zweifeln können, ob es richtig war. Vielleicht bist du gerade in so einer Phase. Du hast das Gefühl, dass etwas weggenommen wird. Dass weniger da ist als vorher. Weniger Kraft, weniger Klarheit, weniger sichtbare „Blüte“. Und du fragst dich: Wo ist Gott in all dem? Doch Gott sieht weiter. Er sieht nicht nur das, was du gerade erlebst, sondern das, was daraus entstehen kann. Er sieht dein Leben in seiner ganzen Tiefe und mit all seinem Potenzial. Und manchmal bedeutet das, dass er zuerst das „tote Holz“ entfernt – Dinge, die dich innerlich blockieren oder daran hindern, wirklich zu wachsen. Das ist kein Zeichen von Gleichgültigkeit, sondern von Fürsorge. Ein Gärtner schneidet nicht, um zu zerstören, sondern damit neues Leben Raum bekommt. Auch wenn es sich im Moment nicht so anfühlt – Gottes Ziel ist immer Wachstum, Leben und Frucht. Und noch mehr: Sein Ziel ist auch Schönheit. So wie der Busch am Ende nicht nur gesünder, sondern auch schöner geworden ist, so will Gott auch dein Leben gestalten. Ein Leben, das von ihm geformt wird, gewinnt an Tiefe, an Ausstrahlung, an innerer Schönheit. Nicht unbedingt im äußeren Glanz, aber in dem, was trägt, was echt ist, was leuchtet. Vielleicht hilft dir dieser Gedanke: Es darf dauern. Nicht alles wird sofort sichtbar. Gottes Arbeit in deinem Leben folgt nicht dem Tempo unserer Erwartungen. Manches wächst langsam, still und im Verborgenen. Aber die Blüte kommt. Und mit ihr auch die Schönheit, die Gott in dein Leben hineinlegt. Vielleicht anders, als du denkst. Vielleicht später, als du hoffst. Aber sie kommt. Am Ende kann dein Leben dichter, klarer, fruchtbarer – und auch schöner sein, als du es dir jetzt vorstellen kannst. Nicht, weil du alles im Griff hast, sondern weil Gott daran arbeitet. Die Frage ist: Kannst du ihm vertrauen – auch mitten im Rückschnitt?

Manchmal spricht Gott durch sehr einfache, unerwartete Momente. Einer dieser Momente ereignete sich bei uns zu Hause, al...
30/03/2026

Manchmal spricht Gott durch sehr einfache, unerwartete Momente. Einer dieser Momente ereignete sich bei uns zu Hause, als wir überlegten, ein Haus zu kaufen. Wer schon einmal darüber nachgedacht hat, weiß, wie schnell man bei solchen Gesprächen über große Zahlen stolpert. Kredite, Rücklagen, monatliche Belastungen – plötzlich dreht sich vieles um Geld und Verantwortung. Während wir darüber sprachen, hörte unsere elfjährige Tochter zu. Für sie sind diese Summen natürlich kaum greifbar. Und doch sagte sie etwas, das uns sehr berührt hat: „Ich habe noch 50 €. Wenn ihr die braucht, könnt ihr sie gerne haben.“ In diesem Satz steckt etwas sehr Kostbares. Für uns Erwachsene mögen 50 € im Zusammenhang mit einem Hauskauf kaum eine Rolle spielen. Aber für ein Kind ist das viel Geld. Es ist ihr Erspartes, das sie lange gesammelt hat. Und trotzdem war ihr erster Gedanke: Wenn meine Familie etwas braucht, dann gebe ich es. Plötzlich wurde mir bewusst: Hier zeigt sich ein Herz, das teilt, vertraut und liebt – ganz ohne komplizierte Überlegungen.
In der Bibel erzählt Jesus einmal von einer Frau, die im Tempel eine kleine Gabe einlegt. Viele reiche Menschen geben große Beträge, aber Jesus sieht besonders diese Frau. Warum? Weil sie aus ihrem Herzen gibt, aus dem Wenigen, das sie hat. Nicht die Höhe der Summe macht den Unterschied, sondern die Haltung dahinter. Genau daran musste ich denken, als unsere Tochter ihre 50 € anbot. Manchmal stehen wir im Leben vor großen Entscheidungen. Ein Haus zu kaufen gehört sicherlich dazu. Es geht nicht nur um Geld, sondern um Zukunft, Sicherheit, Verantwortung und auch ein Stück Vertrauen: Werden wir das schaffen? Wird alles gut gehen? Treffen wir die richtige Entscheidung? In solchen Momenten ist es leicht, dass Sorgen laut werden. Zahlen können Druck erzeugen. Rechnungen können uns unruhig machen. Und dann kommt ein Kind und erinnert uns an etwas, das wir Erwachsenen manchmal aus den Augen verlieren: Vertrauen und Großzügigkeit beginnen im Herzen, nicht auf dem Konto. Unsere Tochter hat uns mit ihrem Satz etwas Wichtiges gezeigt: Liebe fragt nicht zuerst: Reicht das aus? Sondern: Was kann ich beitragen? Vielleicht ist das auch ein kleines Bild dafür, wie Gott uns begegnet. Gott wartet nicht darauf, dass wir alles im Griff haben oder dass unsere „Rechnung aufgeht“. Vielmehr lädt er uns ein, ihm zu vertrauen – auch mitten in großen Entscheidungen.
Wenn wir über ein Haus nachdenken, denken wir natürlich an Wände, Räume, Finanzierung. Aber eigentlich geht es um mehr: um ein Zuhause. Um einen Ort, an dem Menschen miteinander leben, lachen, beten, streiten, sich versöhnen und wachsen. Und vielleicht hat unsere Tochter mit ihren 50 € etwas ausgesprochen, das man auch so hören kann: Dieses Zuhause tragen wir gemeinsam. Manchmal gebraucht Gott genau solche kleinen Momente, um uns daran zu erinnern, worauf es wirklich ankommt. Nicht nur auf Sicherheit und Planung – so wichtig sie auch sind – sondern auf Liebe, Vertrauen und ein offenes Herz. Vielleicht werden wir dieses Haus kaufen, vielleicht auch nicht. Das wissen wir noch nicht. Aber dieser Moment bleibt. Denn er hat uns gezeigt: Wir sind als Familie unterwegs. Und wir gehen diesen Weg nicht allein. Und vielleicht ist das die eigentliche Zusage Gottes: Ich gehe mit euch. In kleinen Entscheidungen und in großen. In Momenten der Unsicherheit genauso wie in Momenten voller Hoffnung. Und manchmal spricht Gott – durch die Großzügigkeit eines Kindes.

Vor kurzem hat meine elfjährige Tochter etwas getan, das mich tief berührt hat. Über viele Monate – eigentlich über Jahr...
13/03/2026

Vor kurzem hat meine elfjährige Tochter etwas getan, das mich tief berührt hat. Über viele Monate – eigentlich über Jahre – hat sie ihre Haare wachsen lassen. Immer wieder musste sie Geduld haben, weil die Haare manchmal beim Kämmen ziepten. Doch sie hatte ein Ziel: Sie wollte ihre Haare spenden. Als sie schließlich beim Friseur saß und der Zopf abgeschnitten wurde, war das ein besonderer Moment. Dieser Zopf wird nun gespendet, damit daraus eine Perücke für ein krebskrankes Kind gemacht werden kann. Ein Kind, das durch seine Krankheit vielleicht seine eigenen Haare verloren hat. Ein Kind, das sich vielleicht danach sehnt, wieder ein Stück Normalität zu spüren. Meine Tochter hat damit etwas sehr Wertvolles gegeben. Nicht Geld. Nicht etwas, das sie nicht mehr brauchte. Sie hat etwas von sich selbst gegeben.
In der Bibel sagt Jesus: „Geben ist seliger als Nehmen.“ (Apostelgeschichte 20,35). Wir hören diesen Satz oft, aber manchmal bleibt er abstrakt. Doch wenn man erlebt, wie jemand wirklich etwas von sich gibt, bekommt dieser Satz plötzlich ein Gesicht. Meine Tochter hat niemanden persönlich gekannt, der diese Perücke einmal tragen wird. Sie weiß nicht, ob es ein Junge oder ein Mädchen sein wird, wie alt dieses Kind ist oder wo es lebt. Aber sie wusste: Irgendwo gibt es ein Kind, das Hilfe braucht. Das erinnert mich an das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Auch dort hilft ein Mensch einem anderen, obwohl er ihn nicht kennt. Er fragt nicht: „Was habe ich davon?“ oder „Ist das meine Aufgabe?“ Er sieht einfach einen Menschen in Not – und handelt. Manchmal denken wir, Nächstenliebe müsse etwas Großes sein. Etwas Spektakuläres. Doch oft beginnt sie mit kleinen, einfachen Entscheidungen. Ein Kind lässt seine Haare wachsen, um sie zu verschenken. Jemand nimmt sich Zeit, um zuzuhören. Jemand teilt sein Brot. Jemand spricht ein freundliches Wort. Gottes Reich wächst genau durch solche Dinge. Jesus selbst hat uns gezeigt, was es bedeutet, zu geben. Er hat nicht nur etwas abgegeben – er hat sich selbst gegeben. Sein Leben, seine Zeit, seine Kraft. Und schließlich sogar sein Leben am Kreuz. Wenn wir darüber nachdenken, merken wir: Jede echte Liebe kostet etwas. Sie verlangt Zeit, Geduld, manchmal auch Verzicht. Aber genau darin liegt ihre Kraft.
Als meine Tochter nach dem Friseurbesuch mit ihren kürzeren Haaren und einer neuen Frisur nach Hause kam, war sie weder traurig noch unsicher. Sie war einfach zufrieden. Es war diese stille Freude darüber, etwas Gutes getan zu haben. Vielleicht ist das ein kleiner Hinweis darauf, wie Gott sich unser Leben vorstellt. Ein Leben, in dem wir nicht nur fragen: „Was bekomme ich?“ sondern auch: „Was kann ich geben?“ Denn Gott hat jeden von uns mit etwas beschenkt. Mit Zeit. Mit Fähigkeiten. Mit Aufmerksamkeit. Mit Liebe. Und manchmal sind es gerade die Dinge, die uns selbstverständlich erscheinen, die für andere ein großes Geschenk sein können. Vielleicht ist die eigentliche Frage für uns heute nicht: „Kann ich etwas Großes tun?“ Sondern: „Was ist das, was Gott mir gegeben hat – und mit wem kann ich es teilen?“

An einem Sonntagnachmittag im Jahr 2004 saß der Designer Dietmar Finger zu Hause an einem Entwurf für einen neuen Opel C...
01/03/2026

An einem Sonntagnachmittag im Jahr 2004 saß der Designer Dietmar Finger zu Hause an einem Entwurf für einen neuen Opel Corsa. Kein großes Prestigeprojekt, kein auffälliges Karosseriedetail – sondern die unscheinbare Außenwand des Handschuhfaches. Ein Bauteil, das die meiste Zeit im Dunkeln liegt, verdeckt von der geschlossenen Beifahrertür. Technisch notwendig waren Querrippen, die Stabilität geben sollten. Funktional. Nüchtern. Unspektakulär. Mitten im Zeichnen kam sein Sohn vorbei, sah auf die Skizze und fragte: „Papa, warum zeichnest du nicht direkt einen Hai?“ Warum eigentlich nicht? Aus Streben für die Außenwand des Handschuhfachs wurde ein Haifischprofil. Am nächsten Tag zeigte Finger seine Idee dem damaligen Chefdesigner – und der kleine Hai ging in Serie. Seitdem versteckt sich in vielen Modellen der Marke ein kleiner Kunststoffhai – verborgen, unscheinbar, fast geheim. Ich habe lange nach diesem Hai in meinem Opel Zafira gesucht. Und irgendwann habe ich ihn tatsächlich gefunden: auf der Rückseite der Gummimatte in der Mittelkonsolenablage. Kein Mensch sieht ihn dort. Man muss schon suchen. Aber er ist da. Was hat das mit Glauben zu tun? Der passende Bibelvers dazu steht im Lukasevangelium. Jesus sagt: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden.“ (Lukas 11,9) Jesus lädt uns ein, dass wir suchen. Dass wir entdecken. Dass wir hinschauen. Der Hai im Auto ist da. Aber er springt uns nicht ins Auge. Wer ihn finden will, muss neugierig sein. Muss genauer hinsehen. Muss vielleicht sogar bereit sein, etwas anzuheben, was sonst liegen bleibt. Ich finde, das ist eine geistliche Haltung. Glaube bedeutet nicht nur, auf das Offensichtliche zu starren. Glaube bedeutet suchen. Fragen. Entdecken wollen. Gott hat seine Spuren in diese Welt gelegt – nicht immer laut und spektakulär, aber doch real. Die Schöpfung erzählt von ihm. Begegnungen können Hinweise sein. Bewahrungen im Rückblick. Türen, die sich öffnen oder schließen. Worte, die uns treffen. Manchmal sind es die unscheinbaren Details unseres Alltags, in denen wir Gottes Handschrift entdecken. Doch dazu braucht es Aufmerksamkeit. Wie oft fahren wir durch unsere Tage, ohne wirklich hinzusehen? Wie oft leben wir an kleinen Wundern vorbei, weil wir nur das Große erwarten? Vielleicht hat Gott längst Zeichen seiner Nähe in dein Leben hineingelegt – auf der „Rückseite der Gummimatte“, gut verborgen, aber da. Und noch etwas fällt mir auf: Der Hai entstand durch die Frage eines Kindes. „Warum nicht einen Hai?“ Kinder entdecken Dinge, die Erwachsene übersehen. Sie fragen, wo wir funktionieren. Sie staunen, wo wir analysieren. Jesus sagt einmal: „Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.“ (Markus 10,15) Vielleicht gehört zum Finden auch diese kindliche Offenheit. Die Bereitschaft, überrascht zu werden. Die Freude an kleinen Entdeckungen. Als ich den Hai endlich fand, musste ich lächeln. Es war kein weltbewegender Moment. Aber es war ein schöner. Eine kleine Freude im Alltag. Eine Bestätigung: Da hat jemand mit Liebe zum Detail gearbeitet. Und genauso dürfen wir Gott erleben: nicht nur in den großen Durchbrüchen, sondern im liebevollen Detail. Im kleinen Hinweis. In der stillen Bestätigung. Im wiedergefundenen Mut. „Suchet, so werdet ihr finden.“ Das ist ein Versprechen. Nicht nur für große Lebensentscheidungen. Sondern auch für den Alltag. Wer sucht, wird entdecken, dass Gott da ist – manchmal verborgen, aber nie abwesend. Vielleicht ist heute der Tag, an dem du neu suchst. Nicht angestrengt. Nicht verkrampft. Sondern aufmerksam. Erwartungsvoll. Mit einem offenen Herzen. Und vielleicht findest du etwas, womit du gar nicht gerechnet hast. So etwas wie den kleinen Hai. Oder ein leises Zeichen. Eine Spur von Gottes Nähe.

AufkleberZu Weihnachten habe ich neue Räder für mein Rennrad bekommen. Vor ein paar Tagen habe ich sie endlich montiert....
14/02/2026

Aufkleber

Zu Weihnachten habe ich neue Räder für mein Rennrad bekommen. Vor ein paar Tagen habe ich sie endlich montiert. Sie sind leicht, präzise, bereit für Geschwindigkeit und weite Strecken. Beim Auspacken entdecke ich einen kleinen Bogen mit Blutgruppen-Aufklebern: O-positiv oder AB-negativ. Erst wirkt es seltsam. Warum liegt so etwas bei? Es ist kein Design-Element, kein technisches Zubehör. Der Gedanke dahinter ist einfach: Für den Fall der Fälle. Falls etwas passiert, soll schnell geholfen werden können. Und doch weiß ich: Rettungskräfte verlassen sich im Ernstfall nicht auf solche Aufkleber. Zu groß wäre das Risiko einer falschen Angabe. Zu unsicher die Quelle. Im Notfall wird die Blutgruppe immer neu bestimmt. Nicht, weil man misstrauisch ist – sondern weil es um Leben geht. Die Aufkleber sind gut gemeint. Aber sie geben keine letzte Sicherheit.Ist das nicht ein treffendes Bild für vieles in unserem Leben? Wir kleben uns im Leben gern eigene „Aufkleber“ auf: Status, Versicherungen, Titel, Sicherheiten – vielleicht auch religiöse Zeichen. Alles Dinge, die sagen sollen: Ich bin abgesichert. Ich bin geschützt. Doch wenn der Ernstfall kommt – Krankheit, Verlust, Schuld, Überforderung – zeigt sich schnell: Vieles, worauf wir uns verlassen haben, trägt nicht so weit wie gedacht. Unsere Sicherheiten sind hilfreich. Aber sie sind nicht heilsam. In den Psalmen findet sich oft der Gedanke, dass unsere menschlichen Sicherheiten begrenzt sind. Das für sich genommen ist ziemlich ernüchternd. Die Psalmen bleiben aber nicht dabeistehen. Dort heißt es: „Meine Hilfe kommt vom HERRN.“ (121,2; 124,8) Nicht mein Status, Versicherungen oder Titel geben mir Sicherheit, sondern Gott selbst. Diese kleinen Aufkleber verhindern keinen Sturz. Sie fangen keinen Unfall ab. Sie versprechen kein Heil. Aber sie erinnern mich: Ich bin verletzlich. Sie können mich daran erinnern, dass ich nicht alles im Leben bis ins Letzte unter Kontrolle haben kann. Und genau hier beginnt Vertrauen. Glaube bedeutet nicht, alle Risiken auszuschalten. Er bedeutet, anzuerkennen: Meine letzte Hilfe liegt nicht in meinen sichtbaren Sicherheiten, sondern in dem, der mich unsichtbar trägt. Rettungskräfte prüfen sorgfältig, bevor sie handeln. Sie verlassen sich nicht blind auf einen Aufkleber. Wie gut, dass Gott sich ebenfalls nicht auf unsere äußeren Kennzeichen verlässt. Er kennt uns tiefer. Er sieht nicht nur das, was wir nach außen tragen, sondern das, was uns wirklich ausmacht. Wenn es im Leben ernst wird, zählt nicht, welches Etikett wir tragen. Nicht, welches Image wir aufgebaut haben. Nicht, welche Rolle wir erfüllen. Dann zählt, wem wir vertrauen. „Meine Hilfe kommt vom HERRN.“ Das ist kein Aufkleber. Kein Accessoire. Kein Zusatz. Es ist ein Bekenntnis. Ein Fundament. Eine Richtung des Herzens.
Nach kurzem Nachdenken habe ich einen dieser kleinen Aufkleber auf mein Rennrad geklebt. 0-positiv. Ich habe noch mal extra in meinem Blutspenderpass nachgeschaut. Er soll mich daran erinnern, dass meine wahre Sicherheit nicht an einem Stück Folie hängt. Sie liegt bei dem, der Himmel und Erde gemacht hat. Und er kennt meine Wege – jeden einzelnen.

Seit mehreren Tagen liege ich krank im Bett. Fieber, Schwere im Kopf, ein Körper, der einfach nicht mehr will. Meine Fra...
01/02/2026

Seit mehreren Tagen liege ich krank im Bett. Fieber, Schwere im Kopf, ein Körper, der einfach nicht mehr will. Meine Frau ist mit unserer Tochter auf einem Flohmarkt unterwegs, das Haus ist ruhig. Während ich so daliege, öffnet sich leise die Tür. Mein kleiner Sohn kommt herein. Er selbst ist auch krank, eigentlich müsste er sich ausruhen. Doch er setzt sich zu mir und sagt mit ernster Stimme: „Mama hat gesagt, dass es dir ziemlich schlecht geht. Wenn du irgendetwas brauchst, dann sag Bescheid. Ich bin für dich da.“ Dieser Satz trifft mich tief. Nicht nur, weil er so liebevoll ist, sondern weil er von jemandem kommt, der selbst schwach ist. Er hat kein Übermaß an Kraft, keine Reserven. Und trotzdem ist sein Impuls nicht Rückzug, sondern Zuwendung. Nicht: Ich kann gerade nicht, sondern: Ich bin für dich da. In diesem Moment wird mir etwas ganz Grundlegendes über Gottes Wesen klar. Die Bibel beschreibt Gott nicht als einen fernen Beobachter, sondern als einen, der unsere Schwachheit kennt. Einen Gott, der sich nicht abwendet, wenn wir am Boden liegen, sondern uns gerade dort begegnet. Der Prophet Jesaja sagt: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ (Jes 42,3) Gott sieht das Schwache – und schützt es. Noch mehr: In Jesus begegnet uns ein Gott, der selbst schwach wird. Der Krankheit, Schmerz, Müdigkeit und Angst kennt. Der nicht aus sicherer Distanz hilft, sondern mitten hineingeht. Am Kreuz zeigt sich diese paradoxe Wahrheit: Gottes größte Nähe zeigt sich nicht in Stärke, sondern in Hingabe. Paulus schreibt später: „Denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2Kor 12,9) Mein Sohn hat das nicht theologisch reflektiert. Er hat einfach gehandelt. Vielleicht ist genau das gelebter Glaube: Da sein, obwohl es etwas kostet. Lieben, obwohl man selbst nicht viel zu geben hat. Nähe schenken, nicht aus Überfluss, sondern aus Mitgefühl. Diese kurze Begegnung im Schlafzimmer wird für mich mal wieder zu einer stillen Predigt. Gott kommt oft leise. In kleinen Sätzen. In unerwarteten Menschen. Manchmal in der Stimme eines kranken Kindes, das sagt: „Ich bin für dich da.“
Vielleicht bist du selbst gerade krank, müde oder innerlich erschöpft. Dann darfst du diese Zusage hören –ganz persönlich: Gott ist für dich da. Nicht erst, wenn du wieder stark bist. Sondern genau jetzt. Und vielleicht bist du selbst jemand, der sich schwach fühlt, aber trotzdem gerufen ist, für einen anderen da zu sein. Manchmal wird gerade darin Gottes Liebe sichtbar.

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