03/06/2026
Pressemitteilung Bundesverband der Kreishandwerkerschaften
33. Bundestagung der Kreishandwerkerschaften in Bremerhaven: Regionales Handwerk
diskutiert Zukunftsstrategien und Strukturfragen
Die 33. Bundestagung der Kreishandwerkerschaften hat am 11. und 12. Mai 2026 über 120
Vertreterinnen und Vertreter der Kreishandwerkerschaften aus dem gesamten Bundesgebiet nach
Bremerhaven geführt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung des Bundesverbandes der
Kreishandwerkerschaften (BV-KH) standen die Zukunftsfähigkeit der Regionalorganisation im
Handwerk, die Nachwuchs- und Fachkräftesicherung sowie die strategische Weiterentwicklung der
Kreishandwerkerschaften.
Eröffnet wurde die Tagung durch den Präsidenten des Bundesverbandes der
Kreishandwerkerschaften, Gerd Benzmüller. In seinem Auftakt machte er deutlich, dass die
Kreishandwerkerschaften eine zentrale Rolle als regionale Interessenvertretung und
Arbeitgeberorganisation des Handwerks einnehmen.
„Die Kreishandwerkerschaften sind die regionale Stimme des Handwerks. Gerade in Zeiten
tiefgreifender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen brauchen unsere Betriebe
starke Ansprechpartner vor Ort – nah an den Unternehmen, nah an den Menschen und nah an den
regionalen Herausforderungen.“
Bereits die Grußworte verdeutlichten die Bedeutung der Veranstaltung für das organisierte
Handwerk. Neben Vertretern aus dem Landesverband Niedersachsen Bremen und der Stadt
Bremerhaven richtete auch Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks,
ein Videogrußwort an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Dabei betonte er ebenfalls die wichtige
Rolle der Kreishandwerkerschaften innerhalb der deutschen Handwerksorganisation:
„Die Kreishandwerkerschaften sind nah an den Betrieben und wissen genau, welche Themen das
Handwerk vor Ort bewegen. Als starke Arbeitgebervertretungen in den Regionen können sie wichtige
Anliegen mit großer Selbstwirksamkeit anpacken und gestalten. Ich wünsche mir, dass sie diesen
Weg auch weiterhin mit so viel Engagement fortsetzen.“
Ein inhaltlicher Schwerpunkt lag auf den Herausforderungen der Nachwuchsgewinnung und
Fachkräftesicherung. Vorgestellt wurden unter anderem neue Ansätze zur Berufsorientierung wie
das Freiwillige Handwerksjahr sowie Initiativen der Junioren des Handwerks und der
Unternehmerfrauen im Handwerk. Darüber hinaus wurden praxisnahe Modelle zur internationalen
Fachkräftegewinnung diskutiert.
„Junge Handwerkerinnen und Handwerker wollen Verantwortung übernehmen und die Zukunft des
Handwerks aktiv mitgestalten. Dafür brauchen sie regionale Strukturen, die Beteiligung ermöglichen,
Austausch fördern und frühzeitig den Zugang zum Ehrenamt eröffnen“, betonte Sara Hofmann,
Vorsitzende der Junioren des Handwerks Deutschland.
Große Aufmerksamkeit erhielt der Vortrag von Prof. Dr. Tom Rüsen von der WiFu-Stiftung zum
Thema Unternehmensnachfolge durch Töchter. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandelsund tausender anstehender Betriebsübergaben im Handwerk beleuchtete Rüsen die Chancen
weiblicher Nachfolge in Familienunternehmen und zeigte auf, welche gesellschaftlichen Rollenbilder
und innerfamiliären Strukturen Nachfolgeprozesse bis heute prägen. Gleichzeitig machte er deutlich,
dass gerade Töchter in inhabergeführten Handwerksbetrieben häufig über hohe fachliche und
persönliche Kompetenzen verfügen, bei der Nachfolgeentscheidung jedoch vielfach noch nicht
selbstverständlich berücksichtigt werden.
Am Nachmittag rückte die Zukunft der Kreishandwerkerschaften selbst in den Mittelpunkt der
Diskussion. Nach einem Impuls zur Notwendigkeit einer bundesweiten Strukturdebatte innerhalb der
Kreishandwerkerschaften diskutierten Vertreter aus Ehren- und Hauptamt gemeinsam mit
Moderator Christian Kaempfert über die Zukunftsfähigkeit der Regionalorganisation im Handwerk.
Dabei standen insbesondere Fragen nach der zukünftigen Aufgabenverteilung, der Sichtbarkeit der
Organisation, der Finanzierung sowie der Gewinnung von Ehrenamt und Nachwuchs im Fokus.
Einen strategischen Ausblick auf die kommenden Jahre gab anschließend Dr. Michael Rosenbaum,
Unternehmensberater. In seinem Vortrag skizzierte er die strukturellen Herausforderungen, vor
denen die Kreishandwerkerschaften angesichts gesellschaftlicher Veränderungen, Digitalisierung,
Fachkräftemangel und wachsender Anforderungen an Interessenvertretung und
Dienstleistungsangebote stehen. Gleichzeitig zeigte Rosenbaum Wege auf, wie sich
Kreishandwerkerschaften organisatorisch, strategisch und kommunikativ zukunftsfähig aufstellen
können. Dabei betonte er insbesondere die Bedeutung klarer Profile, regionaler Netzwerke,
moderner Dienstleistungsangebote sowie einer stärkeren strategischen Zusammenarbeit innerhalb
der Handwerksorganisation.
Am zweiten Veranstaltungstag rückte die Bundespolitik in den Fokus. Dennis Rohde, MdB,
parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, stellte die Investitionsoffensive
des Bundes vor und diskutierte mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern über die Auswirkungen
auf das regionale Handwerk.
„Wir müssen Deutschland wirtschaftlich widerstandsfähiger machen und Wachstum ermöglichen.
Gerade das Handwerk und der Mittelstand brauchen dafür weniger Bürokratie, verlässliche
Rahmenbedingungen und echte Investitionsimpulse. Der direkte Austausch mit den
Kreishandwerkerschaften hat erneut gezeigt, wie wichtig praxisnahe Politik ist“, erklärte Dennis
Rohde.
Neben den Fachvorträgen und Diskussionen bot die Bundestagung vor allem Raum für den
persönlichen Austausch zwischen den Kreishandwerkerschaften, Landesverbänden und
Partnerorganisationen des Handwerks.
Sebastian Hoffmanns, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Kreishandwerkerschaften und
Moderator der Veranstaltung, zog zum Abschluss ein positives Fazit:
„Die Bundestagung hat gezeigt, dass die Kreishandwerkerschaften bereit sind, sich aktiv mit den
Herausforderungen der Zukunft auseinanderzusetzen. Die Diskussionen waren offen, konstruktiv und
von einem gemeinsamen Verständnis geprägt: Das regionale Handwerk braucht starke, moderne und
gut vernetzte Kreishandwerkerschaften.“
Zum Abschluss wurde bekanntgegeben, dass die 34. Bundestagung der Kreishandwerkerschaften am
3. und 4. Mai 2027 in Rostock stattfinden wird. Gastgeber werden die Landesverbände Mecklenburg-
Vorpommern und Schleswig-Holstein sein.
Fotos: Kim Cleve I Kim & Lukas Fotografie GbR